Aachen: „Der Boss“ sorgt für den Kulturschock auf Gut Hebscheid

Aachen: „Der Boss“ sorgt für den Kulturschock auf Gut Hebscheid

Wenn sich ein zurückhaltender Frauenversteher in eine bildschöne Türkin mit Großfamilie verliebt, sind Vorurteile und Klischees programmiert. Dass es trotzdem klappen kann, hat das Das Da Theater bereits mit seinem Theaterdinner „Macho Man“ im vergangenen Jahr bewiesen.

Hier konnte der schüchterne Daniel Hagenberger zeigen, dass es keinen harten Macho braucht, um eine Frau zu beeindrucken. Das Herz seiner geliebten Aylin Denizoglu konnte der schüchterne junge Mann auch so erobern. Mit der neuen Spielzeit geht die Geschichte weiter. In „Der Boss“, dem Theaterdinner, das am vergangenen Freitag seine Premiere feierte, geht es einen Schritt weiter: Es wird geheiratet!

Lange Jahre beheimatete die Brasserie Aix das Theaterdinner des Das Da Theaters, nach deren Schließung musste eine neue Location her. Gefunden hat das Team des Theaters diese mit Gut Hebscheid in Grüne Eiche. Passender könnte der Raum nicht sein, ist er doch für sämtliche Hochzeitspaare ein beliebter Ort zum Feiern. Doch eine so überdimensional große, dreistöckige Hochzeitstorte, wie die des Das Da Theaters, die als Bühne fungiert, hat das Gut wohl noch nicht gesehen. Genauso wenig, wie einen solchen Bräutigam, den Tobias Steffen in seiner Rolle als Daniel darstellt.

Schon sein Auftritt — mit einer ein Hochzeitskleid tragenden Schaufensterpuppe im rosa Scheinwerferlicht tanzend — ist ein Fall für sich und stimmt das Publikum gut auf den knapp vierstündigen Theaterabend mit kulinarischer Begleitung ein. Es sind nur noch sechs Wochen bis zur Hochzeit des Paares, die Flitterwochen müssen gebucht werden, Weihnachten steht vor der Tür, und dabei lernen sich die Familien zum ersten Mal kennen — da kann es nur einen Kulturschock geben.

Klischees

Ob Oma Berta, die immer noch an dem Führer hängt, Onkel Abdullah, für den nur ein muslimischer Neffe infrage kommt, oder Daniels Eltern, die sich mit aller Kraft gegen die Spießigkeit zu wehren versuchen: bei „Macho Man“ werden sämtliche Klischees bedient. Das Schöne daran: „Es bekommt ja jeder eins drüber“, findet Maren Dupont, die das Stück inszenierte. Zudem verrät Autor Moritz Netenjakob, der sich die Premiere des Stücks nicht entgehen ließ, dass die Situationen zwar überspitzt dargestellt sind, doch grundsätzlich auf seinen persönlichen Erfahrungen beruhen. „Und manches ist sogar untertrieben“, sagt er lachend. Mit der Inszenierung des Theaters ist er sehr zufrieden, es macht ihn froh, „mit wie viel Liebe das Das Da da rangeht“, und er gesteht, Tränen gelacht zu haben.

Netenjakob ist besonders vom „Pointen-Timing“ von Darsteller Tobias Steffen begeistert, der beeindruckend schnell und überzeugend zwischen den verschiedenen Charakteren wechselt. Ob großspuriger Bruder, abgehobener „Rastamann“ oder professioneller Chefarzt, die Figuren erwachen in kürzester Zeit zum Leben und reagieren sogar aufeinander — obwohl nur Steffen auf der Bühne steht.

Zur Untermalung von Daniels Gefühlen gibt es immer wieder bekannte Songs, die Musiker Christoph Eisenburger extra für das Stück keyboardtauglich umschrieb. Und natürlich trägt das Menü, das in regelmäßigen Abständen für kleine Gesprächspausen sorgt, zu einem besonderen Abend bei.

Ob Daniel und Aylin trotz kultureller Differenzen doch ihr Glück finden, wie es bei Daniel beruflich weitergeht und wer letztlich wirklich der Boss ist, kann man noch bis Ende Januar im Stück des Das Da Theaters sehen.

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