Aachen: Der Bodenverbrauch schreitet weiter voran

Aachen: Der Bodenverbrauch schreitet weiter voran

Wie sehr Umwelt und Natur im Raum Aachen unter der zunehmenden Bebauung leiden, verdeutlichten am Freitag sechs Organisationen mit einem Infostand am Elisenbrunnen.

„Wir möchten die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass in Aachen jede halbe Stunde eine 15 Quadratmeter große Fläche verloren geht“, erklärt Birgitta Hollmann, Geschäftsführerin des Ökologie-Zentrums Aachen. Durch die Bebauung mit Wohn-, Gewerbe- und Verkehrsflächen und die damit einhergehende Versiegelung der Flächen ergeben sich gravierende Folgen für Klima- und Umweltschutz.

In einer offiziellen Presseerklärung der Unesco zum „Jahr des Bodens“ heißt es: „Boden ist ein wertvolles und endliches Gut. Er wird in Deutschland und weltweit in unvorstellbarem Ausmaß und Tempo verbraucht.“ Deshalb hat die Unesco das Jahr 2015 zum Jahr des Bodens erklärt.

Weltweit soll mit Informationsveranstaltungen und Aktionen auf die Bedrohung und Zerstörung von Böden durch neue Wohn- und Gewerbegebiete sowie Verkehrsflächen hingewiesen werden. In Aachen haben sich schon länger das Aachener Baumschutzbündnis, die Bürgerinitiative zum Erhalt des Landschaftsschutzgebietes Eselsweg-Beverau, die Bürgerinteressen Richtericher Dell (BI Dell), der Aachener Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund (Nabu) Aachen und das Ökologie-Zentrum Aachen zusammengetan.

Neuer Flächennutzungsplan

Bereits am Ehrenwerttag der Aachener Vereine und in den vergangenen Ausgaben des „Aachener Umwelt Rundbriefs“ des Ökologiezentrums hatten die beteiligten Organisationen über ihr Anliegen informiert.

Die Problematik des Bodenverbrauchs ist gerade in Aachen besonders aktuell und brisant. So wird zurzeit an der Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans gearbeitet. Der im Sommer 2014 vorgelegte Vorentwurf enthält eine Vielzahl von neuen potenziellen Baugebieten. Viele tausend Aachener haben sich in der ersten Anhörungsrunde hiergegen gewehrt. Beispiele für den drohenden Bodenverbrauch im Stadtgebiet gibt es viele.

Lutz Dechamps etwa kämpft in der Bürgerinitiative für den Erhalt des stadtnahen Landschaftsschutzgebiets Beverau. Er versuchte den Passanten zu erläutern, wie wichtig es ist, das Weideland am Eselsweg als Landschaftsschutzgebiet zu erhalten. Bislang habe man es geschafft, das 100.000 Quadratmeter große Grünflächenareal vor einer Bebauung zu schützen. Als sogenanntes Kaltluftentstehungsgebiet hat es eine wichtige Funktion im smoggefährdeten Aachener Talkessel.

Peter Philippen-Lindt ist Sprecher der Bürgerinteressen Richtericher Dell: Durch das geplante Neubaugebiet „Richtericher Dell“ gehen unwiederbringlich mehr als 60 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche auf wertvollsten und schützenswerten Bördeböden verloren, beklagen er und seine Mitstreiter.

Als Beispiele für weitere aktuelle Großprojekte, die viel Boden gekostet haben beziehungsweise noch kosten, wurden der Wohnungsbau am Alten Tivoli, das Einkaufszentrum Aquis Plaza und der Kirchenneubau in der Dorbachaue an der Vaalser Straße genannt. Für eine Erweiterung der Siedlung „Preuswald“ würden Teile des Aachener Stadtwaldes vernichtet.

Im Gewerbegebiet Charlottenburger Allee/Elleter Feld droht in der Haarbachaue die Bebauung einer Kaltluftschneise und landwirtschaftlich genutzter Flächen. Nicht zuletzt sind im Straßenneubau die Umgehungsstraße Eilendorf mit Autobahnanschlussstelle L 221 sowie der drei- bis vierspurige Ausbau der Monschauer Straße geplant.

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