Aachen: Der AKV steckt Julia Klöckner in den Narrenkäfig

Aachen: Der AKV steckt Julia Klöckner in den Narrenkäfig

Natürlich ist Julia Klöckner prominent, charmant und witzig — bloß auf der Bühne des Aachener Karnevalsvereins (AKV) hat sie als „Christel von der Post“ bei der jüngsten Ordensverleihung an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann noch nicht alle jecken Zwerchfelle kitzeln können.

Aber: Ist ja alles nur Spaß. Die Lacher sollen im kommenden Jahr häufiger hörbar sein. Die designierte 70. Ritterin wird 2019 Jubiläumsritterin zum 160. AKV-Geburtstag.

Das Feld bereitet der Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung am 16. Februar im Aachener Euroe_SDHpgress vor 1250 Zuschauern (und am 18. Februar 2019 ab 20.15 Uhr vor einem Millionenpublikum in der ARD) als Laudator Winfried Kretschmann.

Der war schon als Ritter im Narrenkäfig brillant. Was tüchtig Appetit aufs kommende Jahr macht: Gewürdigt wird Julia Klockner als verlässliche Verfechterin des Brauchtums Karneval, vor allem aber auch als gradlinige und meinungsstarke Politikerin, wie der AKV am Freitag bei der Bekanntgabe betonte. Sie verbinde Humor und Menschlichkeit mit ihrer Amtsfuhrung, hieß es.

„Was Julia Klockner macht, das macht sie mit Herz und Verstand“, begründet AKV-Prasident Dr. Werner Pfeil die Wahl. „Sie beeindruckt durch ihre klare Haltung in der Politik genauso wie durch ihre Fahigkeit zuzuhoren und ihre Bereitschaft zum Kompromiss.“ Schon 2015 stand sie in Aachen zum ersten Mal auf der AKV-Bühne.

Karnevalsverrückt ist sie weit länger: Die rheinland-pfalzische Frohnatur aus Bad Kreuznach ist seit ihrer Jugend im Karneval in Rheinland-Pfalz aktiv — in der Tanzgarde, in der Butt, im Musikverein und auch bei narrischen Umzugen. Vielleicht wird sie ja — wie FDP-Chef Christian Lindner als AKV-Ordensritter — auch beim Rosenmontagszug auf dem Prunkwagen des AKV durch die kaiserstädtischen Straßen fahren und Kamelle schmeißen.

Lust auf rheinischen Karneval hat die Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel auf jeden Fall; denn dann regiert der Frohsinn: „Das ist eine ganz besondere Auszeichnung — ich fuhle mich sehr geehrt und freue mich, dass Humor in der Politik und von Politikerin wertgeschätzt wird.

Denn eine gewisse wohlwollende Leichtigkeit im Umgang gepaart mit Ernsthaftigkeit in der Sache tut uns allen im Alltag gut“, sagt Klockner. Sie tritt in große Fußstapfen: Politische Kaliber wie Konrad Adenauer, Johannes Rau, Hans-Dietrich Genscher, Annegret Kramp-Karrenbauer und Gregor Gysi wurden von den Aachener Lackschuh-Karnevalisten in den Ritterstand gehoben.

Die Auszeichnung macht deutschlandweit Schlagzeilen — mal ganz abgesehen von zuletzt vier Millionen Fernsehzuschauern, die zu Hause einschalten, wenn die mit Abstand quotenstärkste Sendung des Jahres aus Aachen über die Mattscheiben flimmert.

In dieser Hinsicht kann selbst der Karlspreis nicht mithalten. Klöckner weiß das: „Die Auszeichnung mit dem Orden wider den tierischen Ernst ist fur mich etwas ganz Besonderes, habe ich ihn doch früher schon als Kind zusammen mit meinen Eltern im Fernsehen verfolgt. Wie schade, dass mein Vater, der leider im Mai dieses Jahres verstorben ist, das nicht mehr miterleben kann. Ich glaube, er ware machtig stolz.“

Klockner ist die sechste Frau, die den Orden seit der ersten Verleihung 1950 erhalt. Und die Fastnacht-Anhangerin verfügt über auch diesbezüglich Erfahrung: Als Mitglied und Ehrenoffizierin der Mainzer Ranzengarde war sie dort tatsächlich die erste Frau, die in Manneruniform im Zug mitging. „Humor tut gut, er verbindet und uberwindet Trennendes. Gerade in Aachen ist der Umgang mitein­ander immer anstandig, fair und respektvoll. Das macht die Sitzung wider den tierischen Ernst so außergewohnlich“, sagt sie.

Julia Klockner habe bewiesen, dass sie beharrlich und durchsetzungsstark sein kann, als sie die von Mannern dominierte CDU in Rheinland-Pfalz einte, lobt der (ebenso männerdominierte) AKV. Dass sie da mit Durchsetzungsvermögen Widerstände überwinden musste, werde ihr heute hoch angerechnet.

Apropos hoch angerechnet: „Dass bei uns Regierende das Kabinett mit dem Narrenkafig tauschen und Volksvertreter den Mut aufbringen, eine ganz andere Seite von sich zu zeigen, macht den Orden wider den tierischen Ernst einfach unverwechselbar“, freut sich AKV-Prasident Pfeil. Weil‘s eben nicht selbstverständlich ist.