Der Aachener Skateboardclub ist auf der Suche nach einem neuen Zuhause

Ärger um einen Sportparcours im Frankenberger Viertel : Bald ist Schluss mit der selbstgebauten Skateboard-Anlage

Ein Skate-Park, den es eigentlich nicht geben dürfte, verhilft einem gut strukturierten Verein, der für viele junge Aachener wichtig ist, zum Wachstum. Ende Oktober ist Schluss mit dem „Do it yourself“-Skate-Park im Bürgerpark im Frankenberger Viertel.

Er ist zu laut und hätte nie gebaut werden dürfen. Sowohl der betreibende Aachener Skateboardclub als auch die Stadtverwaltung sind nun bemüht, eine Alternative zu finden. Tobias Kleinschmidt und Arne Stuhlweißenburg stehen auf der „Do it yourself“-Skate-Anlage im Bürgerpark, der gleich neben dem Musikbunker und der Maria-Montessori-Gesamtschule im Frankenberger Viertel liegt. Normalerweise hätten die beiden jungen Männer, die im Vorstand des ersten Aachener Skateboardclub sind, ihre Skateboards unter den Füßen. Doch heute ist Dienstag, und geskatet wird hier nur noch mittwochs und samstags – und das auch nur noch bis zum Oktober dieses Jahres. Danach ist erst einmal Schluss – nach rund vier Jahren. Denn die aufwendig gestaltete Anlage dürfte es streng genommen überhaupt nicht geben.

Es war im Sommer 2015, als Vera Schröder vom Jugendamt der Stadt Aachen ein Foto von einer Halfpipe zugeschickt bekommen hat, die jemand im Bürgerpark aufgebaut hatte an einer Stelle, wo zuvor eine Rollschuh-Laufbahn gewesen sei. „Da hab ich erst einmal geschmunzelt“, sagt Vera Schröder, „aber wir haben das von städtischer Seite erst einmal geduldet.“ Anlass dafür sei gewesen, dass es in der Stadt zu dem Zeitpunkt einfach keine ansprechende Anlage für Skateboards gegeben habe, ergänzt ihre Kollegin Petra Prömpeler. „Und damit eine Fremdnutzung der neuen Skate-Anlage ausgeschlossen werden konnte, haben wir einen Zaun darum gebaut.“

Das war für Tobias Kleinschmidt und Arne Stuhlweißenburg beziehungsweise für deren Vorgänger im Verein Ansporn genug, die Anlage zu erweitern. „Wir sind zwar teilweise Handwerker, von Betonbau hatten wir aber zunächst keine Ahnung“, sagt Arne Stuhlweißenburg. Über die vergangenen Jahre hätte man sich selbst beigebracht, wie das geht. Unzählige Arbeitsstunden und mehr als 20.000 Euro habe man in den Bau der mittlerweile sehr ansehnlichen Anlage gesteckt. „Als dann im vergangenen Jahr eine offizielle Beschwerde bei der Stadt eingereicht wurde, hat uns das ziemlich getroffen“, sagt Tobias Kleinschmidt.

Aufgrund dieser offiziell eingereichten Beschwerde über Lärm und die Bautätigkeiten des Vereins sei ein Empfehlungsschreiben des Umweltamtes angefertigt worden, erklärt Björn Gürtler vom Presseamt. Und aus dieser Empfehlung geht hervor, dass die Anlage nicht betrieben werden darf, wenn es die Anwohner stört.

Leidenschaftlich und konstruktiv

Ende Januar dieses Jahres kam es dann zum Mediationsgespräch zwischen Stadt, Verein und Anwohnerschaft. Es wurde leidenschaftlich und konstruktiv diskutiert über die Bedeutung des Parks, über Lärm am Moltkebahnhof und über Skaten als Sport. „Als Ergebnis haben wir erarbeitet, dass der Verein die Anlage mittwochs und samstags nutzen darf – zumindest bis Oktober“, sagt Björn Gürtler. Danach ist Schluss, und der Verein muss sich eine andere Heimstätte suchen.

Und dabei soll es von Seiten der Stadt alle denkbare Unterstützung geben, versichern Björn Gürtler, Vera Schröder und Petra Prömpeler. „Uns ist durchaus klar, was für eine tolle Arbeit der Verein leistet“, betont Prömpeler.

Denn die jungen Sportler skaten nicht nur. „Wir sind im Landes- und Stadtsportbund organisiert, einige unserer Mitglieder haben Trainerscheine gemacht“, sagt Tobias Kleinschmidt. Es gibt sogar Kooperationen mit einer Aachener Grundschule, an der Vereinsmitglieder im OGS-Betrieb den Grundschülern das Skateboard-Fahren beibringen. Man hat bereits beim Sport-Preis der Aachener Sparkasse einen zweiten Preis bekommen, zudem engagieren sie sich beim Lothringair-Festival.

Und noch mehr: Der Verein hat sich in der Szene international einen Namen gemacht. Zu einem Skate-Event im vergangenen Sommer sind Größen des Skatesports aus Frankreich nach Aachen gereist. Einige Vereinsmitglieder, versichern Kleinschmidt und Stuhlweißenburg, hätten aufgrund dieser Anlage Aachen als Studienort gewählt. „So eine Anlage gibt es nicht oft“, erklärt Arne Stuhlweißenburg. Man müsse schon bis Köln fahren, um etwas Vergleichbares zu finden. Oder nach Trier: Dorthin macht der Verein an diesem Wochenende eine Bustour, um in der Halle zu trainieren.

„Wir sind sehr bemüht, für den Verein einen geeigneten Standort zu finden“, sagt Björn Gürtler, der betont, dass das Umweltamt derzeit bereits einige Möglichkeiten prüfe. Auch aus der Anwohnerschaft seien schon Vorschläge eingegangen, denn für das Anliegen der jungen Sportler haben viele Bewohner des Frankenberger Viertels durchaus Verständnis. „Und wir appellieren an alle Bürger Aachens, der Stadtverwaltung oder dem Verein Bescheid zu geben, wenn jemand eine Idee hat.“ Infrage käme neben einer Freifläche eventuell auch eine Halle.

Ob man die jahrelange Arbeit an anderer Stelle noch einmal in eine Skate-Anlage stecken will? Natürlich sei man bereit, noch einmal von vorne anzufangen, betonen Kleinschmidt und Stuhlweißenburg, die für die Hilfe der Stadtverwaltung sehr dankbar sind. „Es wäre doch schade, wenn eine Sportart, die bald olympisch wird, in Aachen keine Zukunft hat.“

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