Aachen: Depot an der Talstraße: Starthilfe für gute Nachbarschaft

Aachen : Depot an der Talstraße: Starthilfe für gute Nachbarschaft

„Hier wird mit ganz wenig Geld viel Zukunft gestaltet. Hier wird kein Euro und kein Cent Steuergeld verschwendet.“ Im Depot an der Talstraße brach Michael Groschek (SPD), NRW-Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr, am Montag mit deutlichen Worten eine Lanze für das neue Stadtteil- und Kulturzentrum in Aachen-Nord.

Auch die Mehrkosten beim Umbau des alten Straßenbahndepots seien „gut zu vertreten“, sagte Groschek. „Das Geld ist sinnvoll eingesetzt, und das sollten wir verteidigen gegen alle Kritikaster.“ Zum zweiten Mal innerhalb der Bauzeit besuchte Groschek nun die Großbaustelle. Rund zwölf Millionen Euro hat der Umbau gekostet, 80 Prozent davon sind Fördermittel des Landes.

Auf dem Boden der Piazza, der großen Halle, sieht man noch die alten Schienen des Straßenbahndepots. 700 Quadratmeter neue Fenster sind für das neue verbaut worden (kleines. Foto: Andreas Herrmann

„Wir haben’s fast geschafft“, erklärte Dieter Begaß, Leiter des städtischen Fachbereichs Wirtschaftsförderung. Und die Uhr läuft. Am 30. September soll das Haus an die künftigen Nutzer übergeben werden. Bis dahin sind es noch knapp acht Wochen.

Fast 90 Prozent ausgelastet

Viele Vertreter der künftigen Mieter und Nutzer schauten sich am Montag gemeinsam mit dem Minister in dem riesigen Komplex um. Unter anderem der Kinderschutzbund wird hier einziehen, ferner der Mieterschutzverein, das Stadtteilbüro, die Jugendberufshilfe, die Offene Tür Talstraße, die Stadtbibliothek, das Atelierhaus, das Familienbildungswerk des Deutschen Roten Kreuzes, das Euregionale Medienzentrum...

Zu fast 90 Prozent sei das Haus jetzt ausgelastet, erklärte Begaß. „Unser Ziel ist es, bis Jahresende die 100 Prozent zu schaffen.“ Interessenten gebe es reichlich.

„In ein bis zwei Jahren werden wir staunen, was hier alles stattfindet“, zeigte sich Bürgermeisterin Hilde Scheidt überzeugt. Das Depot sei ein wichtiges Leuchtturmprojekt in einem Stadtteil, „der lange sehr vergessen war“. Ausdrück­lich dankte Scheidt den Mietern, „die mutig genug waren, hier einzuziehen“.

73 Kilometer Leitungen

Mut war auch ein Stichwort des Ministers. Für ihn ist das Depot ein „Brückenbau“ der Stadt, der dem Quartier „Mut und Zuversicht“ geben solle. In der heutigen Gesellschaft werde Nachbarschaft oft zur Familie des Alters, sagte Groschek. „Nachbarschaft kann zwar nicht politisch verordnet werden, aber wir können viel dafür tun, dass Nachbarschaft eine Chance bekommt.“

In zwei Abschnitten waren die alten Hallen, die unter anderem jahrelang 74 Karnevalswagen beherbergten, ab 2013 umgebaut worden. Unter anderem wurden 73 Kilometer Leitungen verlegt, 200 Heizkörper eingebaut und 700 Quadratmeter Fenster neu verbaut.

Für die künftigen Mieter und Nutzer war nach dem Ministerrundgang noch ein „Speed Dating“ angesetzt — lockere Gespräche zum Kennenlernen. Denn im Haus soll auch eine Gemeinschaft zusammenwachsen. Wenn das Depot fertiggestellt ist, soll auch die OT Talstraße wieder zurück ins Haus ziehen. Für die Dauer der Bauzeit war der Jugendtreff nämlich in einen Container auf dem Gelände ausgelagert. Für das Provisorium, komplett aus Recyclingmaterial errichtet, gibt es laut Rita Klösges vom städtischen Presseamt noch ein halbes Jahr eine Genehmigung. Ob und wie der Container dann weiterverwendet wird, sei derzeit noch offen, sagt Klösges.

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