Städteregion: Demonstrativer Schulterschluss in der CDU-Fraktion

Städteregion : Demonstrativer Schulterschluss in der CDU-Fraktion

Das nennt man dann wohl einen demonstrativen Schulterschluss: Die komplette, vierköpfige Vorsitzendenriege der CDU-Städteregionstagsfraktion ist zum Gespräch mit unserer Zeitung erschienen, um den Rückhalt für Ulla Thönnissen nicht nur mit Worten, sondern auch mit persönlicher Präsenz zu untermauern.

Die Fraktionsvorsitzende hat turbulente Tage hinter sich, an deren Ende ihre Ankündigung stand, beim Parteitag am 20. April nicht mehr für den Vorsitz der Aachener CDU kandidieren zu wollen (wir berichteten). Die Arbeit in der Städteregion aber, das ist die Kernbotschaft des städteregionalen Fraktionsvorstandes, soll von den Querelen in der Aachener Partei nicht tangiert werden.

Es liegen offenbar Welten zwischen der Stadt und der Städteregion. Zumindest, wenn es um das Klima in der CDU geht. Doch nicht nur auf diesen Unterschied pocht Alexander Lenders: „Partei und Fraktion sind zwei völlig verschiedene Ebenen. Das eine hat mit dem anderen rein gar nichts zu tun“, betont der Fraktionsvize.

Was so natürlich nicht ganz zutreffend ist. Schließlich gehört Thönnissens „Kontrahent“, der ehemalige Geschäftsführer und aktuelle Organisationsleiter der Aachener CDU-Kreisgeschäftsstelle, Harro Mies, auch der städteregionalen Fraktion an. Doch damit, da sei er sich ganz sicher, könnten die Betroffenen gut umgehen, meint Willi Bündgens: „Beide sind professionell genug, um in der Fraktion sachorientiert und ohne persönliche Reibungen weiter zusammenzuarbeiten“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Der dritte im Bunde, Franz Körlings, schließt sich dieser Einschätzung an und stellt klar: „Die Fraktion steht uneingeschränkt hinter der Person und der Vorsitzenden Ulla Thönnissen.“

Und wie schätzt die Fraktionsvorsitzende selbst die Situation ein? „Wichtig ist, dass wir unsere seit Jahren hervorragende politische Arbeit in der Städteregion gemeinsam mit unserem grünen Koalitionspartner fortsetzen.“ Ihre politische Stärke hätten CDU und Grünen zuletzt mit der Verabschiedung des Haushaltes demonstriert. „Und diese Stärke ebenso wie die gute und harmonische Zusammenarbeit in der städteregionalen Fraktion werden durch die Querelen in der Aachener Partei in keiner Weise beeinträchtigt.“ Vielmehr sei das Gegenteil der Fall.

„Den Entschluss, nicht mehr für den Vorsitz der CDU in Aachen zu kandidieren, habe ich ja nicht erst am Montag gefasst. Es war schon länger klar, dass diese Doppelbelastung für mich auf Dauer zu anstrengend sein würde.“ Die zukünftige Konzentration auf den Fraktionsvorsitz in der Städteregion werde ihr persönlich deshalb guttun — und der Fraktion auch, meint Ulla Thönnissen. „Hier kann ich mich in Zukunft noch stärker einbringen.“

Politische Ambitionen offen

Ihre über das Ehrenamt hinausgehenden politischen Ambitionen lässt die 54-Jährige offen. Beispielsweise, wenn es um die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei den Kommunalwahlen im Herbst 2020 anstehende Nachfolge von Helmut Etschenberg geht. „Das Thema steht derzeit überhaupt nicht an. Wir haben einen hervorragenden Städteregionsrat. Und die Frage, wen die CDU nominiert, wird im nächsten Jahr eine Angelegenheit der beiden Kreisverbände sein.“

Thönnissen betont: „Ich stehe unter keinerlei Druck, ein hauptamtliches Mandat auszuüben.“ Sie sei als Geschäftsführerin in der Sozialwirtschaft in ihr altes Berufsfeld zurückgekehrt. „Und das ist eine reizvolle Aufgabe, die mir sehr viel Spaß macht.“

Mahnende Worte kommen unterdessen vom langjährigen Fraktionsvorsitzenden: „Wir können es uns nicht leisten, den Ärger aus der Stadt in den Altkreis zu holen“, betont Klaus Dieter Wolf. Und auch an die Aachener Kollegen richtet er einige deutliche Worte. Sie sollten zur sachlichen Arbeit zurückkehren, denn: „Wer sich streitet, der wird nicht gewählt.“

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