Aachen: Demokratie lebt von offener Diskussion: Vortrag der Bürgerstiftung

Aachen : Demokratie lebt von offener Diskussion: Vortrag der Bürgerstiftung

Über die Themen Integration und Kultur wird viel diskutiert, nicht nur während des Wahlkampfs. Doch was bedeutet das eigentlich, jemanden in die Gesellschaft zu integrieren? Muss ich Helene Fischer mögen und im Schützenverein aktiv sein, um in Deutschland integriert zu sein? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein Vortrag, den Norbert Greuel, Mitglied im Vorstand der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, am 5. Oktober in der Volkshochschule an der Peterstraße halten wird.

Die Abendveranstaltung ist Teil eines Themenpakets „Grundrechte und -pflichten“, zu dem auch Schulungen im November und Januar gehören. Neben der VHS und der Bürgerstiftung ist auch das Programm „NRWeltoffen“ mit an Bord, das in Aachen ein lokales Handlungskonzept gegen Rassismus und Rechtsextremismus entwickeln möchte.

Der Umgangston wird rauer

Dass die Gesellschaft in Deutschland sich verändert hat, bunter geworden ist, liegt für die Organisatoren auf der Hand. „Die Frage ist, wie ich mit den Menschen umgehe“, erklärt Norbert Greuel. Für ihn spielt neben einer inhaltlichen Auseinandersetzung auch der Umgangston eine große Rolle. „Und der Umgangston ist rauer geworden in den vergangenen Jahren.“

Greuel möchte mit seinem Vortrag einerseits Migranten ansprechen, die in ihrer neuen Heimat Deutschland vielleicht noch Orientierungsschwierigkeiten haben. „Jemand, der aus einem Bürgerkriegsland kommt, hat von dem Begriff Meinungsfreiheit vielleicht eine andere Vorstellung als jemand, der in Deutschland aufgewachsen ist“, sagt Greuel. Andererseits möchte er mit seinem Vortrag auch diejenigen Ansprechen, die Sorge vor einer Überfremdung haben. „Denn die Sorgen und Fragen vieler Leute sind berechtigt. Doch Rechtspopulismus ist keine gute Antwort auf diese Fragen“, stellt Greuel klar, der nach seinem Vortrag auch durchaus auf eine rege Diskussion mit den Zuhörern hofft.

„Die grellen Töne werden der Komplexität der Sachlage einfach nicht gerecht“, sagt Greuel. Auch darum ist es aus seiner Sicht spannend, sich wieder einmal mit den Werten des Grundgesetzes zu beschäftigen.

Auf rege Beteiligung hofft auch die Volkshochschule: „Sehr lange hat man von Deutschland immer gesagt, dass wir kein Einwanderungsland seien“, sagt Beate Blüggel, Direktorin der Aachener VHS. Das stimme aber längst nicht mehr. „Was die deutsche Kultur tatsächlich ausmacht, das müssen wir neu verhandeln“, sagt Blüggel, die aber auch klarstellt, dass für sie ein deutlicher Unterschied besteht zwischen Wertvorstellungen und Kultur. „Man kann gemeinsame Wertvorstellungen haben und trotzdem ganz unterschiedliche kulturelle Interessen“, erklärt sie.

Dass Leute, die der Zuwanderung besorgt gegenüberstehen, durchaus diskussionsfreudig seien, berichtet Laura Distelrath von NRWeltoffen. „Wir haben bei der Veranstaltung der Bürgerstiftung im August einen Stand am Elisengarten gehabt“, erzählt sie. Und dort seien sie gezielt von Menschen angesprochen worden, die dem Thema Migration kritisch sehen.

Handwerkszeug für den Umgang mit Grundrechtsfragen wollen NRWeltoffen, die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und die Volkshochschule bei zwei Schulungen vermitteln, die sich an Multiplikatoren richten.

„Wir wollen aber nicht nur zur Diskussion anregen, sondern vor allem auch diejenigen ermutigen, die sich für die Demokratie einsetzen“, betont Norbert Greuel. Für die Demokratie einsetzen, das bedeutet für ihn: eine demokratische Partei wählen.

Der Vortrag „Die wichtigsten Grundrechte und -pflichten in Deutschland“ von Norbert Greuel beginnt am Donnerstag, 5. Oktober, um 19 Uhr im Forum der Aachener Volkshochschule, Peterstraße. Der Eintritt ist frei.

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