Geplante Tötung von 700 Rindern: Demo zur Rinderrettung vor dem Rathaus

Geplante Tötung von 700 Rindern : Demo zur Rinderrettung vor dem Rathaus

Da staunten viele Passanten nicht schlecht, als am Samstagnachmittag ein großer mit Stroh beladener Traktor auf den Aachener Marktplatz rollte: „Stoppt unnötige Massentötungen deutscher Rinder. Unsere Kühe und Höfe sollen überleben“, lautete der Aufruf der Protestaktion, bei der Unterschriften gegen die geplante Tötung von rund 700 Rindern gesammelt wurden.

Von Empörung über Staunen bis hin zu Unverständnis reichen die Reaktionen, die die Protestbewegung auf dem Markt hervorgerufen hat. Gabriele Rossbach und Katrin Wolfahrt sammeln dort an einem Stand Unterschriften gegen die geplante Tötung von etwa 700 Rindern, bei denen Antikörper gegen das Virus BHV1, bekannt auch als Rinderherpes, entdeckt wurden.

„Die Tiere sind also nicht einmal erkrankt“, sagt Rossbach und zeigt sich solidarisch mit den betroffenen Landwirten. Die wollen das städteregionale „Todesurteil“ für ihre Rinder keinesfalls hinnehmen und kämpfen um den Bestand ihrer Tiere.

„Stoppt unnötige Massentötungen deutscher Rinder. Unsere Kühe und Höfe sollen überleben“, lautet der Aufruf, der an dem mit Stroh beladenen Trecker vor dem Rathaus klebt. Und hier und da haben sich ganz schnell Grüppchen gebildet, die die drohende Tötung der Tiere kommentieren. Eine junge Mutter trägt ganz solidarisch ein Hemd im Kuh-Design und fürchtet, dass die Kühe eines Tages ganz aus dem Landschaftsbild verschwinden. „Das wäre doch sehr schade“, sagt sie. Die Solidarität mit den betroffenen Landwirten ist groß. „Es kann keiner wirklich ermessen, was es für einen Landwirt bedeutet, wenn er seine Tiere schlachten muss“, sagt Hubertus Müller, der über viele Jahre für Misereor als landschaftlicher Berater in Südamerika unterwegs war. Für die hiesige Landwirtschaftspolitik hat er kein Verständnis, ebenso wenig wie Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linken.

„Ich habe den Ministerpräsidenten Armin Laschet angeschrieben und auch Kontakt mit dem Veterinärsdirektor aufgenommen“, sagt er. Denn ebenso wie die Initiative am Markt setzt er sich dafür ein, dass die Tötungsanordnung aufgehoben wird. Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier könnte laut Rossbach einen Ermessensspielraum geltend machen, der ihm bei solchen Entscheidungen zugestanden werde. „Und danach könnte er dann mit den betroffenen Höfen eine individuelle Lösung finden“, sagt sie weiter. Dass 700 gesunde Tiere aus „rein marktpolitischen Interessen“ sterben sollen, kann und will sie nicht akzeptieren.

„Es geht hier allein darum, den großen Betrieben einen Exportvorteil zu verschaffen, wenn man sagen kann, dass deutsche Rinder 100-prozentig BHV1-frei sind“, sagt sie. Die benachbarten Niederlande oder auch Belgien dagegen gehen demnach nach wie vor ganz entspannt mit dem Virus um. „Schließlich ist Rinderherpes auch keine Seuche, und Milch und Fleisch von Tieren mit Antikörpern gelten als völlig unbedenklich und dürfen sogar in den Handel“, sagt Rossbach weiter. Kurioserweise seien aber vor allem gerade die Rinder betroffen, die auf der Weide stünden. „Die Landwirte mit Massentierhaltung haben dieses Problem oft nicht“, erzählt sie weiter.

Gemeinsam mit Katrin Wolfahrt hatte sie die Sympathien an diesem Tag auf jeden Fall auf ihrer Seite. Und mit einer kleinen zusätzlichen Aktion unterstrichen die Aktivisten, wie wichtig ihnen diese Angelegenheit ist: Symbolisch fuhren sie mit dem Trecker auf dem Marktplatz zwei Kühe platt.

Auch Dietmar Veith, Gut Hasselholz, ist als erfahrener Bauer ein aufmerksamer Beobachter an diesem Tag. In der Hand hält er die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und FDP, die verspricht, in Zukunft unnötige Massentötungen zu verhindern.

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