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Demo der besonderen Art unter Motto "Leave no one behind".

Außergewöhnliche Demo für Geflüchtete : Mit Kreidespuren Solidarität ausdrücken

Leave no one behind — Lasst niemanden zurück: Unter dem Motto finden seit Wochen europaweit Aktionen statt, um auf die Situation Geflüchteter hinzuweisen. Am Sonntag gab es auch eine ungewöhnliche Demo in Aachen. Die, denen es am schlechtesten geht, könnten in der Corona-Krise in Vergessenheit geraten, befürchten die Initiatioren.

Die beiden Studierenden Anne und Niklas sitzen am Sonntagnachmittag am Elisenbrunnen. Sie haben Kreide mitgebracht und Desinfektionsmittel – um damit eine eher ungewöhnliche „Demonstration“ in Zeiten des Kontaktverbots auf die Beine zu stellen. Denn selbstverständlich darf aufgrund der Corona-Schutzverordnung keine Demonstration im eigentlichen Sinne stattfinden. Dennoch wollen sich viele Menschen mit Geflüchteten solidarisch zeigen, denen es derzeit besonders schlecht geht, beispielsweise im Flüchtlingscamp Moria an der Türkisch-Griechischen Grenze.

„Da wir uns nicht versammeln dürfen, haben wir uns eine andere Möglichkeit überlegt, wie man Solidarität mit den Geflüchteten zum Ausdruck bringen kann“, erzählt Anne, die sich eigentlich bei „Students for Future“engagiert, diese Aktion aber in Absprache mit der Seebrücke auf die Beine gestellt hat. Unter dem Motto „Spuren hinterlassen“ sollte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer einzeln herantretreten, ein Stück Kreide zur Hand nehmen und seinen Fußabdruck am Elisenbrunnen aufzeichnen. So entsteht für kurze Zeit ein Bild, ein Eindruck davon, wie viele Menschen hier in Aachen für die Rechte von Geflüchteten einstehen.

Die ohnehin schon mehr als prekäre Lage werde durch die Corona-Pandemie noch deutlich verschärft, so die Initiatoren. „Man muss ja nur die Tagesschau einschalten“, erzählt Anne, die sich Sorgen wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse in den Flüchtlingslagern macht. „Wie sollen Menschen, die zu 20.000 in einem Lager leben, das nur für 3.000 ausgelegt ist, effektiv vor dem Coronavirus geschützt werden?“ Gemeinsam mit der Seebrücke fordern die Aktivisten von „Students for Future“ darum, dass die Menschen aus den Lagern evakuiert und in Sicherheit gebracht werden. „Wir haben genug Platz in Europa“, so die Einschätzung der Demo-Teilnehmer.

An diesem Sonntag sind es, so schätzt Anne, rund 50 Teilnehmer, die zur Kreide greifen und ihren Fußabdruck am Elisenbrunnen hinterlassen. „Derzeit laufen unsere Aktionen vor allem im Netz“, sagt die Studentin. Wichtige Kommunikationskanäle seien dabei die entsprechenden Seiten von Seebrücke, Students for Future und anderen Organisationen bei Facebook sowie Instagram. Dort werde auch kommuniziert, wenn es in Aachen erneut eine Aktion geben sollte.