Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel bietet Fortbildung an

Weiterbildung in der Pflege : Menschen mit Demenz richtig pflegen

Das Demenz-Servicezentrum bietet am Dienstag zum letzten Mal unter diesem Namen eine Fortbildung rund um die Pflege demenziell veränderter Menschenstatt. Ab Sommer 2019 soll sich die Abteilung breiter aufstellen.

Die Ansprache, die vor fünf Minuten noch gut funktioniert hat, führt im nächsten Moment zu einem Wutausbruch. Bei der Pflege von demenziell veränderten Menschen sind Erwartungen wie Berechenbarkeit, Verlässlichkeit oder Anstand an den Patienten nicht angebracht. Gleichwohl ist eine Beziehungsarbeit wichtig und im täglichen Umgang auch hilfreich. Der neueste Expertenstandard thematisiert genau das: „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“. Er ist die aktuelle, juristisch relevante Grundlage für alle beruflich in der Pflege Tätigen.

Zusammen mit der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen (KatHo) informiert das Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel am Dienstag, 18. Dezember, ab 13.30 Uhr in der Aula der Hochschule an der Robert-Schumann-Straße über die im Expertenstandard enthaltenen Themen freiheitsentziehende Maßnahmen, Herausforderungen des Nachtdienstes und Beziehungsarbeit in der Pflege.

Die Fortbildung ist die letzte Veranstaltung, die das Demenz-Servicezentrum unter diesem Namen anbieten wird. Die seit 14 Jahren in der Region etablierte Abteilung der Verbraucherzentrale NRW soll sich nach einer halbjährlichen Übergangsfrist nicht mehr ausschließlich mit dem Thema Demenz beschäftigen. „Ab dem Sommer sollen wir nach dem Willen des NRW-Gesundheitsministeriums breiter angelegt zu den Themen Pflege und Alter arbeiten“, berichtete Christa Lardinoix vom Demenz-Servicezentrum. Was Manfred Borutta, Professor für Gerontologie und Pflegesystemforschung in der Sozialen Arbeit und Pflege an der KatHo Aachen, mit Sorge sieht: „Es besteht die Gefahr, dass NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann damit Strukturen zerschlägt, die für die Pflege und Versorgung immens wichtig sind.“

Die blinden Flecken de Expertenstandards

Denn die Demenz-Servicezentren glichen die blinden Flecken des aktuellen Expertenstandards bislang zu einem Teil aus. „Gestärkte Pflegekräfte mit Haltung, realistischen Tageszielen und einem positiven Menschenbild sind wichtig. Der Expertenstandard lässt aber sämtliche Kontexte in der Pflege von Menschen mit Demenz außen vor. Es gibt Unterversorgung. Es gibt Lücken in den Versorgungsbrücken zum Beispiel zwischen Pflegeheim und Krankenhaus. Wichtig ist, die verschiedenen Einrichtungen im Boot zu haben, um gelingende Pflege zu organisieren. Deshalb ist die Netzwerkarbeit der Demenz-Servicezentren so wichtig.“

Borutta wird den Zusammenhang zwischen Fixierungen von Menschen mit Demenz und der Kompetenz von Heimleitungen sowie der Teamdynamik auch in seinem Vortrag „Fesselnde Beziehungsarbeit?“ ansprechen. Uwe Brucker, Fachgebietsleiter Pflegerische Versorgung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, beschäftigt sich mit der „guten Nacht“ in der stationären Pflege. Über die Entwicklung einer personenzentrierten Haltung in der Pflege informieren Dr. Astrid Stephan sowie die Krankenschwester und Silviahemmet-Trainerin Snjezana Maracic in ihrem Beitrag „Beziehung in der Pflege – wollen wir das überhaupt?“.

„Es kommt immer auf die eigene Ausstrahlung an, ob Stress in der Pflege von Menschen mit Demenz entsteht oder nicht“, meinte Hasan Alagün vom Demenz-Servicezentrum. Die werde wiederum von der Wertschätzung, die die Pflegekräfte erfahren, beeinflusst. „Wer sich selbst wertgeschätzt fühlt, zum Beispiel durch das Angebot von Supervision, kann auch selbst demenziell veränderte Menschen wertschätzen“, bestätigte Borutta. Und Lardinoix ergänzte: „Komme ich morgens mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen ins Zimmer des Heimbewohners, spare ich später vielleicht 15 Minuten ein.“

Anmeldungen noch möglich

Anmeldungen für die kostenlose Fortbildung sind auch kurzfristig noch möglich unter Telefon 02404/9032780 oder per E-Mail an demenz-service-aachen-eifel@verbraucherzentrale.nrw. Pflegekräfte bekommen vier Fortbildungspunkte bei der „Registrierung beruflich Pflegender“. Weitere Informationen unter auf der Internetseite des Demenz-Servicezentrums.

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