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Personalratswahl bei der Städteregion: Das Vertrauen soll wieder Einzug halten

Personalratswahl bei der Städteregion : Das Vertrauen soll wieder Einzug halten

Personalrat, Städteregion - diese Begriffe haben einen negativen Beigeschmack bekommen seit der Affäre um die Gehaltssteigerungen des amtierenden Vorsitzenden. Jetzt wird der Personalrat der Behörde neu gewählt. Eine Freie Liste hat sich formiert und rechnet sich gute Chancen aus.

Die Personalratsaffäre bei der Städteregion Aachen hat einiges an verbrannter Erde hinterlassen. Das Image der Verwaltung habe enorm gelitten, viel Vertrauen sei verloren gegangen. Sagen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in just jener Behörde arbeiten. Gegen das entstandene Negativimage, gegen den Verlust von Glaubwürdigkeit haben sie nun das Heft des Handelns in die Hand genommen. Und wollen deswegen in den Personalrat einziehen, in dem das Ganze wegen der Überbezahlung und dubioser Gehaltssprünge vor allem des amtierenden Vorsitzenden begann.

Vor rund einem Jahr hatte Timur Bozkir die Nase voll. „Immer wieder wurde man damit konfrontiert. Immer wieder bekam man zu hören: Städteregion? Ach, da war doch was…“, erzählt der 46-jährige Betriebswirt, der das Kommunale Intergrationszentrum der Städteregion leitet. Und so setzte er sich an den Computer, schrieb eine Mail an die Kolleginnen und Kollegen und fragte mal so herum, wer sich denn ein Engagement im Personalratsbereich vorstellen könnte. „Das brachte den Ball ins Rollen. Die vielen positiven Antworten kamen aus allen möglichen Bereichen“, so Bozkir. Also gründete sich jenseits der bisher aktiven Gewerkschaftslisten von Komba und Verdi die „Freie Liste“. Ein Novum in der Geschichte der Städteregion beziehungsweise früher des Kreises Aachen. Bislang war der Personalrat der über 2000 Beschäftigte und Beamte zählenden Verwaltung stets ganz klar von der Komba dominiert.

Das Ziel: „Neue Transparenz“

Zusammengekommen sind Mitstreiter aus allen Altersgruppen und allen Dezernaten. Entsprechend lautet ein Motto der neuen Liste: „Personalrat für alle“, ein anderes „Verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen“. Denn Vertrauen sei nicht nur in die Personalratsarbeit verloren gegangen, sondern auch extern, wie Diplom-Psychologin Susanne Penkert (58), die bei der Städteregion für Personalentwicklung zuständig ist, glaubt. Das könne sich auch negativ bei der Suche nach dringend benötigtem Fachpersonal bemerkbar machen. Dabei sei die Städteregion ein sehr guter Arbeitgeber und eine sehr gute Verwaltung, ergänzt Diplom-Sozialarbeiter Patrick Gier (41). Man wolle als Gemeinschaft wahrgenommen werden.

Für die Mitarbeiter der Städteregion wird Ende Oktober ein neuer Personalrat gewählt. In der Behörde arbeiten über 2000 Beschäftigte und Beamte. Foto: ZVA/Michael Grobusch

Die Freie Liste schreibt sich auf die Fahne, eine „neue Transparenz“ im Personalrat an den Tag legen zu wollen. Wobei man kein Gewerkschaftsbashing betreiben oder den bisherigen Personalrat mit Schmutz bewerfen will: „Die Gewerkschaften sind sehr wichtig, gerade jetzt bei den laufenden Tarifverhandlungen“, sagt Timur Bozkir. Aber mit der Freien Liste gebe es jetzt auch behördenintern „die Chance auf Veränderung“.

Die formellen Hürden auf dem Weg zur Wahlzulassung hat die Liste längst genommen. Unter anderem mussten 100 Unterschriften gesammelt werden. Man habe in kürzester Zeit die dreifache Zahl erreicht, sagen sie. Und es habe auch sehr viel Zuspruch für die Gründung gegeben. Das habe man zum Beispiel beim Verteilen der Info-Broschüren immer wieder erlebt, berichtet Stefan Löfgen (22) aus dem Umweltamt. „Darauf sind wir stolz“, so Timur Bozkir. Man wolle auch erreichen, dass die Kolleginnen und Kollegen keine Scheu haben, mit allen ihren Fragen und Problemen auf den Personalrat zuzugehen. Dass sie Personalratsarbeit können, glauben sie fest. Manche(r) auf der Liste hat da schon Erfahrung. Andere nicht. „Wir sind aber bereit, uns entsprechend weiterzubilden“, sagt Susanne Penkert. Insgesamt 25 Kandidaten und Kandidatinnen bietet die Freie Liste in den beiden Bereichen Beamte und Angestellte aus dem Stand auf, noch viele weitere stünden dahinter.

Unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden sie indes nicht. Auf die Frage, wie viele Sitze man sich denn letztlich erhofft, antwortet Bozkir: „Viele!“ Warum auch nicht, meint Susanne Penkert: „Wir können doch nur gewinnen.“ Genau wissen wird man es nach dem Wahltag, dem 27. Oktober. Die Briefwahl läuft unterdessen bereits.