Aachen: Das Sprachrohr junger Menschen: Der Aachener Jugendring wird 70

Aachen : Das Sprachrohr junger Menschen: Der Aachener Jugendring wird 70

„Vor rund 35 Jahren war hier nichts“, sagt Norbert Zierz und richtet seinen Finger auf die vielen Bäume, die ihn umgeben. „Bloß eine Kuhwiese.“ Einige Mitglieder des Aachener Jugendrings entschieden sich damals, auf dem Gelände am Hergenrather Weg kleine Bäume anzupflanzen. „Wir haben Wasser in Schubkarren gekippt, um die Bäumchen zu gießen“, erinnert sich Zierz, seit 1973 Vorsitzender des Jugendrings.

Wer die mittlerweile groß gewachsenen Bäume sieht, dem wird bewusst, wie viel Zeit seit der Pflanzung vergangen ist. Und doch: Der Jugendring selbst existiert schon doppelt so lange. Jetzt feierte er sein 70-jähriges Bestehen. Und wo? Natürlich auf „seiner“ Wiese, gleich neben den unzähligen selbst gepflanzten Bäumen. Denn dort befindet sich seit 1984 ein Zeltplatz für Jugendgruppen, für den der Jugendring — ein freiwilliger Zusammenschluss aus 18 Verbänden — die Trägerschaft inne hat.

Zwischen Kreativität und künstlerischem Anspruch: Auf dem Platz am Hergenrather Weg lernten die jungen Leute nicht nur, wie man mit einem Schmiedefeuer umgeht (links) oder in einer Farbdrehtrommel bunte Kompositionen schafft. Sie hatten auch jede Menge Spaß, wie zum Beispiel beim „Bubble Fußball“ — einer Variante ohne große Verletzungsgefahr auch beim direkten Zusammenstoß (kleines Bild). Foto: Ralf Roeger

Rund 60 Kinder und Jugendliche haben sich zum Jubiläum auf dem Zeltplatz versammelt, der an diesem Tage viel mehr war als ein Platz zum Zelten. Eher ein Spieleparadies — mit Hüpfburg und einem Spielfeld für „Bubble Fußball“, bei dem die Spieler eine aufblasbare Gummikugel um den Oberkörper tragen. Oder ein außerschulischer Lernort: An einer Feuerstelle konnten die Jugendlichen das Schmieden von Eisen üben oder daneben mit Hilfe einer Farbdrehtrommel ihre künstlerische Ader entdecken.

Zwischen Kreativität und künstlerischem Anspruch: Auf dem Platz am Hergenrather Weg lernten die jungen Leute nicht nur, wie man mit einem Schmiedefeuer umgeht (links) oder in einer Farbdrehtrommel bunte Kompositionen schafft. Sie hatten auch jede Menge Spaß, wie zum Beispiel beim „Bubble Fußball“ — einer Variante ohne große Verletzungsgefahr auch beim direkten Zusammenstoß (kleines Bild). Foto: Ralf Roeger

„Hier wird fachliche Kompetenz gelehrt“, meint Zierz. Und nebenbei lernen die Jugendlichen das Prinzip der Solidarität und Verantwortung zu übernehmen. Auf spaßige Weise. „Es herrscht einfach gute Laune hier“, kicherte Messdienerin Vera Hinzmann. Neben einigen Messdienern und vielen katholischen sowie evangelischen Pfadfinderverbänden fand auch die „Islamische Jugend“ den Weg zum Zeltplatz nahe der belgischen Grenze.

Doch was hat sich in den letzten sieben Jahrzehnten eigentlich geändert? „Wir waren plötzlich präsent“, antwortet Norbert Zierz. Der Jugendring wurde zunehmend zum politischen Sprachrohr der Jugendverbände: Seit Jahren ist er an der Aufstellung des städtischen Jugendplans beteiligt und sitzt sogar mit zwei Personen im Kinder- und Jugendausschuss der Stadt. Würde es den Aachener Jugendring nicht mehr geben, es stünde schlecht um die Verbände, ist sich der Vorsitzende sicher. Getreu dem Motto: „Alleine sind wir klein. Zusammen aber stark.“

Denn Norbert Zierz betont: „Wer sich mit uns anlegt, hat gleich die ganze Bande am Hals.“