Fernsehreporter im Interview: „Das Spendengeld macht Frieden möglich“

Fernsehreporter im Interview : „Das Spendengeld macht Frieden möglich“

Fernsehreporter Willi Weitzel hat für die Sternsinger im Libanon einen Film gedreht und dabei bewegende Erfahrungen gemacht.

„Wer Frieden will, muss freundlich sein. Ein Lächeln ist ein guter Grundstein, auf dem man Frieden aufbauen kann“, sagt der Reporter, Moderator und Welterforscher Willi Weitzel. Eine Erfahrung, die er aus dem Libanon mitgebracht hat, denn dort hat er Projekte besucht, die von den Sternsingern unterstützt werden.

War Ihre Reise in diesem Sinne eine Grenzerfahrung?

Willi Weitzel: Ja und nein. Ich mache die Länder, in denen ich unterwegs bin, ja vor allem an den Menschen fest, denen ich begegne – im Libanon habe ich viele sehr freundliche Menschen kennengelernt. Die Dreharbeiten haben zum größten Teil in Beirut stattgefunden. Eine turbulente Stadt, in der ich mich sehr wohlgefühlt habe. Aber – und das sind die Grenzerfahrungen, die ich gesammelt habe – wir haben auch an der Grenze zu Syrien gedreht. Es fühlt sich unheimlich an, so nah an diese Grenze zu kommen, denn das ist mir dort auf Schritt und Tritt bewusst geworden: Hinter der Grenze tobt ein schrecklicher Krieg. Und die Grenze zu Syrien ist gesäumt von tausenden unglücklichen syrischen Flüchtlingen, die mit leeren Augen in Richtung ihrer syrischen Heimat starren. Weil überall im Land immer irgendwo bewaffnete Soldaten stehen, Panzerfahrzeuge unterwegs sind oder Militärhubschrauber fliegen, wird man ständig daran erinnert, dass der Frieden, der im Libanon herrscht, schwer bewacht werden muss.

Auch wenn der Krieg im Libanon schon lange vorbei ist, sieht man noch überall die Einschusslöcher, es gibt Panzer und Straßensperren auf den Straßen. Wie leben die Menschen dort damit?

Weitzel: Ich glaube, den meisten Menschen fallen diese Spuren des Krieges überhaupt nicht auf, sie sind zum Alltag geworden. Ich bin natürlich auf dieser Reise für die Sternsinger – die sich zumal um das Thema Frieden dreht – mit ganz anderen Augen unterwegs. In mir lösen solche Einschusslöcher in Häusern viele Gedanken aus: zum Beispiel, dass Krieg etwas sehr Hässliches ist, etwas Zerstörerisches. Wir Menschen wollen in Frieden leben, und trotzdem eskaliert es irgendwo auf unserer Welt immer wieder und Menschen greifen zu Waffen und beschießen sich, auch bei uns in Europa in der Ukraine.

Wie helfen die Projekte der Sternsinger, vor Ort Frieden zu schaffen?

Weitzel: Man sagt so schön „Frieden fängt im Kleinen an“. Dass die Sternsinger Projekte fördern, in denen es um Friedensarbeit mit Kindern geht, ist endlos wertvoll. Ich habe den Eindruck gehabt, dass viele Menschen im Libanon vom Krieg regelrecht traumatisiert sind. Die Generationen der Eltern und Großeltern haben kriegerische Auseinandersetzungen persönlich erlebt. Man kann sich vorstellen, dass das in der älteren Generation Wunden hinterlassen hat, also ich spreche hier speziell von psychischen Wunden. Eltern, die im Krieg Freunde oder Verwandte verloren haben, tragen oft noch Hass in ihren Herzen. Dieser Hass ist mittlerweile weniger geworden, aber unter den Menschen kursieren Vorurteile: gegenüber anderen, die nicht die gleiche politische Richtung haben, oder die eine andere Religion haben. Viele Kinder wachsen in so einem Umfeld auf. Und jetzt kommen die Projekte ins Spiel. Hier können sich Kinder persönlich begegnen, gemeinsam Dinge unternehmen und dabei lernen, respektvoll und mit Toleranz miteinander umzugehen. Respekt und Toleranz, diese Worte sind oft so schnell dahingesagt, aber dabei bedeuten sie so viel mehr. Die Kindergruppen, die ich besucht habe, sind bunt zusammengemischt, Kinder mit unterschiedlichen Religionen und aus unterschiedlichen Ländern spielen und lernen miteinander. Die Pädagogen, die sich um die Kinder kümmern, schauen genau darauf, dass es friedlich zugeht, dass Konflikte konstruktiv gelöst werden und dass die Kinder Vorurteile abbauen, indem sie zum Beispiel über andere Religionen lernen.

Wie haben Sie den Schulalltag im Religionsunterricht erlebt?

Weitzel: Ich habe nicht den Religionsunterricht besucht, darauf hat mich die Lehrerin gleich hingewiesen, ich war im Religionen-Unterricht. Im Religionen-Unterricht lernen Christen und Muslime – ich rede hier von Kindern – auf vielfältige Weise über das Christentum und über den Islam, aber auch über das Judentum, den Hinduismus oder Buddhismus. Sie lernen andere Religionen kennen, und vor allem lernen sie auch, die Menschen zu respektieren, die den unterschiedlichen Religionen anhängen. Ich finde das einen ganz wichtigen Aspekt, denn Religionen werden gerne missbraucht, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Ich habe christlich-muslimische Gruppen begleitet, zum Beispiel beim Besuch einer Kirche und einer Moschee. Es gibt viele Eltern, die finden solche Aktionen nicht so gut und sorgen sich, dass ihre Kinder freundschaftlich und interessiert aufeinander zugehen. Ich habe das aber ganz begeistert miterlebt. Das war ein sehr schönes und auch kein gespieltes, sondern ein sehr ehrliches, fröhliches Miteinander. Was wir nicht vergessen dürfen: Diese Begegnungen von Kindern und Jugendlichen und ihre Ausbildung in Sachen Frieden sind wirklich nur möglich, weil die Sternsinger hier in Deutschland Spenden sammeln. Man könnte fast sagen: das Spendengeld macht Frieden möglich.