Aachen: Das Sorgenkind Suermondt-Ludwig-Museum

Aachen : Das Sorgenkind Suermondt-Ludwig-Museum

Vor rund einem halben Jahr ist die Museumslandschaft in Aachen auf den Kopf gestellt worden. Im Kulturausschuss wurde im November 2016 beschlossen, die Öffnungszeiten zu ändern, die Grundpreise für Dauerausstellungen zu vereinheitlichen und die Eintrittskosten für unter 21-Jährige abzuschaffen.

Auch die Museumskarte „six for six“ wurde eingeführt und die Preisspanne für herausragende Ausstellungen festgelegt. Im Anschluss hat man die Auswirkungen der Veränderungen ein halbes Jahr lang ausgewertet, vom 1. Januar bis zum 30. Juni.

Die Ergebnisse wurden am Dienstagabend im Kulturausschuss vorgestellt. Der große Gewinner ist dabei eindeutig das Ludwig Forum an der Jülicher Straße, die Verlierer sind wohl das Centre Charlemagne am Katschhof und das Suermondt-Ludwig-Museum an der Wilhelmstraße.

Neue Stele vor dem Museum

„Insgesamt gab es mehr Besucher in dem halben Jahr“, sagte Kulturdezernentin Susanne Schwier. Somit habe es durch die geänderten Zeiten von 10 bis 17 Uhr keine negativen Auswirkungen auf die Besucherströme gegeben. Auf die einzelnen Museen heruntergerechnet tun sich da allerdings gewaltige Unterschiede auf. Im Ludwig Forum sind die Besucherzahlen um 151 Prozent gestiegen, bei der Route Charlemagne um 1,65 Prozent.

In den anderen Museen hingegen sind die Zahlen rückläufig. Im Centre Charlemagne sind sie um 24,02 Prozent gesunken, im Suermondt-Ludwig-Museum um 20 Prozent, im Internationalen Zeitungsmuseum um 17,3 Prozent und im Couven Museum um 24 Prozent. „Alles hat noch Luft nach oben“, so Schwier weiter.

Insgesamt seien vor allem die Besucherzahlen junger Menschen gestiegen. Da die jedoch bis 21 Jahre freien Eintritt haben, schlägt sich dieser Trend nicht auf die Finanzen nieder. Dafür allerdings das „six for six“-Ticket. Das werde sehr gut angenommen, besser als das vorherige Kombiticket, und solle noch weiter ausgebaut werden.

Der eintrittsfreie Donnerstag im LuFo, den Zentis finanziert, trägt natürlich auch zu der deutlichen Steigerung der Besucher bei. Mottotage in den Museen gleichen zusätzlich Verluste unter der Woche aus, da auch einige Museen wie das Centre Charlemagne und das LuFo durch die Umstellung wenigster geöffnete Stunden in Kauf nehmen mussten. Und die Mottotage sollen weiter ausgebaut werden, da sie gut angenommen würden. „Unterm Strich haben viele Maßnahmen gegriffen. Wir sind auf einem recht guten Weg“, resümierte Schwier.

Die Fraktionen sehen das allerdings etwas differenzierter. „Die Evaluation zeigt, dass man nicht alle Ziele erreicht hat“, so Hermann Josef Pilgram (Grüne). Man habe eine entsprechende Attraktivität noch nicht für alle Aachener Häuser erreicht. Denn das Suermondt-Ludwig-Museum komme schlichtweg nicht an. „Man sollte die Formate und die Werbung vielleicht noch einmal überdenken“, so Pilgram weiter. Auch Gunter von Hayn (Piraten) berichtete von frustrierenden Erlebnissen in dem Museum. Die obere Etage sei bei seinem Besuch wieder nicht geöffnet gewesen und er hätte einen Wärter ansprechen müssen, um dort — dann unter Beobachtung — eine Runde zu drehen.

„Das ist doch nicht der Sinn eines Museums“, sagte er. Zudem sei häufig von außen nicht erkennbar, ob das Museum überhaupt geöffnet habe. „Es ist einfach zu dunkel.“ FDP und Linke reihten sich ein und sprachen sich für eine deutlichere Werbung von außen aus. „Im Aquis Plaza sind täglich viele Menschen, und das Museum ist gleich um die Ecke, aber niemand geht rüber“, so Pilgram. „Die Sichtbarkeit des Museums ist nicht optimal. Und das Programm ist häufig sehr ähnlich gewesen. Vielleicht sollte man auch mal andere Wege für Ausstellungen einschlagen“, sagte Ruth Crumbach-Trommler (FDP).

Für die bessere Sichtbarkeit habe die Verwaltung schon eine Lösung gefunden, entgegnete Schwier. „Es wird bald eine Stele vor dem Gebäude geben. Die ist anthrazit und wird abends beleuchtet, das erreicht dann hoffentlich mehr Aufmerksamkeit“, so die Kulturdezernentin. Was das Programm angehe, so habe das Suermondt-Ludwig-Museum eben etwas für den besonderen Kunstgeschmack. „Das muss es auch geben“, sagte Bürgermeisterin Margrethe Schmeer. Gelobt wurde hingegen das Programm des Ludwig Forums. Und die Zahlen sprechen für sich. Trotz der Lage außerhalb des Stadtkerns wird das Museum sehr gut angenommen.

„Das LuFo ist ein Haus mit wahnsinnig viel Fläche und hat daher auch ganz andere Möglichkeiten“, sagte Irit Tirtey, kaufmännische Leiterin des Kulturbetriebs. Dort gibt es nicht nur Kunstausstellungen, sondern auch Festivals wie Kimiko und viele weitere Veranstaltungen. So gut läuft es nicht bei allen. Denn auch das Centre Charlemagne bereitet Sorgen. Auch hier kommen weniger Besucher. Das Museum schließt nun um 17 Uhr und hat damit eine Stunde abgeben müssen; zuvor hatte es bis 18 Uhr geöffnet.

Da die meisten Besucher zwischen 10 und 15 Uhr kommen und vor der Umstellung zwischen 11 und 16 Uhr kamen, sei jedoch nicht die neue Uhrzeit Schuld daran. Dennoch räumt Tirtey ein: „Im Centre sind die Öffnungszeiten nicht ganz so gut. Es liegt mitten in der Stadt und musste die meisten Stunden abgeben“, sagt sie. Die Lage mitten in der Stadt sei zwar gut für Fußgänger, aber eben nicht für Autofahrer. „Das Centre hat eine exponierte Lage, aber unbefriedigende Zahlen“, so Pilgram. „Da muss man dran arbeiten.“

Man beschloss, im Januar erneut eine Evaluation durchzuführen. In Einzelfällen Änderungen der Öffnungszeiten vorzunehmen, sei nicht ausgeschlossen, doch erstmal werden die Öffnungszeiten beibehalten. Dafür wolle man das Marketing und insbesondere den Bereich Social Media weiter verbessern und damit auch Kinder und Jugendliche vermehrt ansprechen.

Um das Suermondt-Ludwig-Museum wieder mehr in den Fokus zu rücken, wird angestrebt, einen freien Tag pro Woche — analog zum Ludwig Forum — anzubieten. Die Finanzierung solle mit Hilfe eines Sponsors erfolgen. Geplant sind zudem gänzlich freier Eintritt für das Internationale Zeitungsmuseum und die Erhebung eines Kostenbeitrags für die rund 600 öffentlichen Führungen.

Viele Besucher aus NRW

Durch die Evaluation habe man aber immerhin interessante Erkenntnisse über die Besucher gewonnen. Eine Auswertung der Postleitzahlen hat ergeben, dass der Großteil der Besucher aus Nordrhein-Westfalen kommt, zwischen 40 und 50 Prozent in etwa. Hiervon wiederum kommen etwa 50 bis 60 Prozent aus Aachen und der Städteregion. Somit bilden die Stadt Aachen und die Städteregion den größten Teil des Besucheraufkommens, gefolgt von Besuchern aus den Niederlanden. Auf Platz drei landet Belgien, auf vier Frankreich und auf Platz fünf Großbritannien. Im Centre Charlemagne liegt Frankreich auf Position drei, gefolgt von Belgien.

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