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Krämerstraße: Das Ringen um Alt-Aachener Laternen ist nicht neu

Krämerstraße : Das Ringen um Alt-Aachener Laternen ist nicht neu

Wiederholt sich Geschichte? Der Austausch alter und sehr beliebter Laternen war in Aachen schon einmal ein Streitthema.

Prost! Anwohner, Bauarbeiter, Mitarbeiter der Verwaltung heben das Glas. Wenn das kein Grund zum Anstoßen ist! Und zum Alkohol trinken. Wobei: Ob die Getränke mit oder ohne Umdrehungen ausgeschenkt wurden, ist im Archiv nicht überliefert. Gefeiert wird so oder so.

Und zwar im Juni 1991. „Der Verwaltung ging ein Licht auf ...“ titelte die damalige Aachener Volkszeitung. Anwohner hatten damals massiv gegen den Abbau von Alt-Aachener Laternen am Fischmarkt protestiert. Und das sei auf „wohlwollende Ohren gestoßen“, heißt es in dem Bericht weiter. Zwei bereits abgebaute Laternen fanden wieder ihren Weg in die Innenstadt. Geschichte ...

Aber Parallelen ins Jahr 2022 lassen sich durchaus ziehen. Denn auch die Ankündigung der Stadt, dass im Zuge der Umgestaltung der Krämerstraße die Alt-Aachener Laternen ins Laternen-Endlager des Stadtbetriebes entsorgt werden, hat ziemlichen Wirbel hervorgerufen. Vor allem, weil es doch verschiedene Beurteilungen darüber gibt, ob das jetzt für die Krämerstraße vorgesehene Modell „Residenza“ der ästhetischen Weisheit letzter Schluss ist. Wer sich ein Urteil bilden mag: Diese Laternen stehen zum Beispiel in der Ursulinerstraße.

 Wiederholt sich Geschichte? Nach einem massiven Protest von Anwohnern wurden am Fischmarkt im Juni 1991 wieder zwei Alt-Aachener Laternen, die ursprünglich moderneren Leuchten weichen sollten, aufgestellt. Das Foto erschien am 20. Juni 1991 in der damaligen Aachener Volkszeitung.
Wiederholt sich Geschichte? Nach einem massiven Protest von Anwohnern wurden am Fischmarkt im Juni 1991 wieder zwei Alt-Aachener Laternen, die ursprünglich moderneren Leuchten weichen sollten, aufgestellt. Das Foto erschien am 20. Juni 1991 in der damaligen Aachener Volkszeitung. Foto: MHA/Martin Ratajczak

Allerdings: Aus freier Lust und Laune heraus erfolgt die Umgestaltung nicht. Isabel Strehle, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung, Stadtplanung und Mobilitätsinfrastruktur, weist darauf hin, dass alles einem Plan folgt. Und der weist bis ins Jahr 2009 zurück, als es darum ging, den Sieger des Wettbewerbs „Pfalz Aachen" zu küren, „auf dessen Grundlage die Stadt Aachen seit 2010 den öffentlichen Raum innerhalb des Pfalzbezirks sukzessive aufwertet und neugestaltet“, so Strehle.

Ab dem Jahr 2010 wurden in diesem Zusammenhang die Johannes-Paul-II.-Straße, die Ritter-Chorus-Straße und der Katschhof neugestaltet. Es folgte laut Strehle später der Hof. Jetzt steht eben die Krämerstraße an. Womit die Umsetzung des Gestaltungskonzeptes aber noch nicht abgeschlossen ist. „Perspektivisch“, so Strehle, gehe es „zu gegebener Zeit“ auch zum Beispiel um die Rethelstraße, den Münsterplatz und weitere angrenzende Bereiche.

Einheitlichkeit ist ein entscheidendes Stichwort. Zum Beispiel bei der Wahl des Straßenbelags, der in der Krämerstraße analog zum neu gestalteten Hof ausgewählt wurde. In den Plänen zur Krämerstraße fiel dann die Wahl der Stadtgestalter auf die modernere Beleuchtungsvariante.

Residenza statt Alt-Aachen – das ist die Entscheidung, an der sich die Menschen reiben. Wobei: Es gibt nicht nur Kritik! Neben den glühenden Verfechtern der historisierenden Variante sprechen sich auch viele für eine zeitgemäßere Variante aus.

Wer die weiteren Pläne einmal kritisch beleuchtet, wird dann feststellen, dass unter der Maßgabe der Einheitlichkeit der letzte Akkord noch nicht gespielt ist. Auch wenn es keine konkreten Beschlüsse gibt, könnte Residenza auch – zum Beispiel – in näherer Zukunft von der Krämerstraße aus in Richtung Rethelstraße wandern ...

Und noch weiter darüber hinaus? Es gibt noch ein größeres Betätigungsfeld. Denn einheitlich ist Aachens Stadtbeleuchtung in keiner Weise. Selbst im unmittelbaren Bereich rund um Dom und Rathaus sind mehrere Laternen-Varianten anzutreffen. Aber: „Es besteht kein akuter Handlungsbedarf“, heißt es dazu. Und wenn überhaupt, dann nur auf Beschluss der Politik. Denn auch, wenn „die Stadt“ jetzt die gesamte Schelte der Alt-Aachen-Laternen-Fraktion abbekommt – was die Verwaltung umsetzt, ist von den zuständigen Ratsgremien abgesegnet worden. Denen ist das besondere Licht also final aufgegangen. Wie im Jahr 1991. Aber das ist wie gesagt Geschichte.