Aachen: Das Öcher Platt verbindet auch Karneval und Andacht

Aachen : Das Öcher Platt verbindet auch Karneval und Andacht

Man stelle sich eine Feier mit rund 150 Familienangehörigen vor, die durch keinerlei Missstimmung getrübt wird und bei der alle einander herzlich zugetan sind, dann hat man ziemlich genau die Atmosphäre eingefangen, die jetzt beim Empfang zum 110. Geburtstag des Vereins Öcher Platt im Gewölbe des Stauferkellers im Haus Löwenstein herrschte.

Hochdeutsch war bei der Geburtstagsfeier des „Öcher Platt“ zwar nicht verboten, aber das heimische Idiom war doch bei den weitaus meisten die erste Wahl. Öcher-Platt-Präsident Manfred Birmans begrüßte eine große Zahl von Repräsentanten Aachener Vereine und Institutionen, die in der einen oder anderen Weise der Aachener Mundart verbunden sind, unter ihnen die frisch gewählten Bundestagsabgeordneten Ulla Schmitt und Rudolf Henke.

In einer der ernsteren Passagen seiner Begrüßungsworte verwies Birmans auf die ureigene Aufgabe des „Öcher Platt“, die heimatliche Sprache zu schützen. Besondere Worte des Dankes richtete er an die Stadt Aachen für die Gelegenheit, den wunderschönen Stauferkeller als Vereinsdomizil nutzen zu dürfen und meinte dann schon nicht mehr ganz so ernst, den werde man nur mit „de Föss vörop verlosse“.

„Iehrepresendent“ Richard Wollgarten vertiefte den Kenntnisstand der Gäste im Keller mit dem Hinweis, dass der Verein „Öcher Platt“ der älteste Mundartverein Deutschlands ist. In prägnanter Kürze ließ Vorstandsmitglied Angelika Pauels die Gründungsgeschichte des am 2. Oktober 1907 gegründeten „Öcher Platt — Verein für Aachener Mundart und Volkskunde“ Revue passieren und hob besonders die für die damalige Zeit revolutionäre Tatsache hervor, dass Männer und Frauen laut Satzung gleichberechtigt waren.

Aachens Poeta Laureatus, Hein Engelhardt, trug sein Gedicht „Öcher Platt Stammtisch“ vor und Claire Müller ließ mit „Alaaf op os Öcher Platt“ die Verse des unvergessenen Hein Jansen lebendig werden. Eine musikalische Hommage an den „Öcher Platt“ gab es von Udo Schroll, der in bester Singer-Songwriter-Manier mit „Monndes een d‘r Keller“ und „Os Modderesproech“ zwei selbst getextete und komponierte Lieder vortrug und dabei im jeweiligen Refrain auf stimmgewaltige Unterstützung traf. Die gab es auch für Kurt Christ, der unter dem Titel „Os Kultuer es ieschte Wahl, beij et Mönster än d‘r Karneval“ das diesjährige Mottolied des Festausschusses Aachener Karneval anstimmte.

Danach wollte Manfred Birmans den offiziellen Teil des Empfangs beenden, hatte aber die Rechnung ohne die in der Wolle gefärbten Öcher gemacht. Die bestanden nämlich trotz des vorangegangenen Karnevalsliedes darauf, zum Abschluss die feierliche Hymne des „Urbs Aquensis“ zu singen, weil „dat en Oche“ eben durchaus zusammengeht. Und so erklang im uralten Gewölbe mit fast andächtigem Gesang das „Urbs Aquensis“ in der lateinischen Originalfassung, aber auch als „Oche — Stadt met heäße Quelle“ in der von Hein Engelhardt verfassten Version.

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