Aachen: Das Neue Kurhaus stellt auch die Koalition auf die Probe

Aachen : Das Neue Kurhaus stellt auch die Koalition auf die Probe

Die millionenschwere Sanierung des Neuen Kurhauses macht Aachens größter Ratsfraktion, der CDU, weiterhin schwer zu schaffen. Auch ein Betriebsausflug an die Monheimsallee am zurückliegenden Montag hat die Ratsleute noch nicht entscheidend vorangebracht, so dass weiterhin unklar ist, wie sich die Union die künftige Nutzung des denkmalgeschützten Baus vorstellt.

„Es geht um richtig viel Geld, da will keiner einen Fehler machen“, erklärt CDU-Fraktionschef Harald Baal die schwierige Entscheidungsfindung innerhalb seiner Partei.

In der Tat: auf mindestens 40 bis 50 Millionen Euro werden die reinen Sanierungskosten für den einstigen Prachtbau des Aachener Kur- und Badewesens geschätzt. Angesichts dieser Dimensionen haben zuletzt insbesondere Grüne und Piraten die Frage aufgeworfen, ob man der Stadt nicht besser eine Last nehmen und das Neue Kurhaus privaten Nutzern überlassen soll.

Doch zumindest von der SPD gibt es dazu bereits eine deutliche Absage. „Wir sind klar gegen eine Privatisierung“, betonte gestern erneut der SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Servos.

Überhaupt gilt das Thema bei den Sozialdemokraten als nahezu ausdiskutiert. Nachdem sich andere Nutzungsoptionen etwa durch den Eventveranstalter Explorado zerschlagen haben und auch eine Rückkehr des Spielcasinos als zunehmend unwahrscheinlich gilt, kommt für die SPD im Grunde nur noch eine städtische Lösung in Betracht.

Sie setzt auf eine Stärkung des Aachener Kongresswesens und will das Neue Kurhaus künftig weitgehend dem Eurogress überlassen. „Wir sehen dazu keine Alternative mehr“, sagt Servos, der damit auch das Vorpreschen seiner Partei erklärt. Schon in der April-Sitzung des Stadtrates hatte sich SPD-Ratsherr Boris Linden so geäußert.

Diese frühe Festlegung und „unabgestimmte Meinung“ hat in Reihen des Koalitionspartners CDU durchaus zur Verstimmung geführt, erklärt Baal. Denn sollte seine Fraktion zu einer anderen Einschätzung kommen und womöglich eine Privatisierung bevorzugen, wird es schwer, einen Kompromiss zu finden. Ein handfester Koalitionskrach könnte die Folge sein, selbst ein Koalitionsbruch wäre nicht auszuschließen.

Am kommenden Montag will die CDU ihre Richtung festlegen und bis dahin noch alle Informationen einsammeln, die zu kriegen sind. Dazu wird auch eine Auswertung gehören, die dem Betriebsausschuss Eurogress am nächsten Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung vorgelegt werden soll und in der verschiedene Nutzungsvarianten auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.

Aus Sicht der Eurogress-Verantwortlichen wäre es das Optimum, die Veranstaltungsflächen im Erdgeschoss komplett dem Eurogress zu überlassen und im Obergeschoss Büroräume einzurichten, denkbar sei dort auch eine Unterbringung des Standesamtes. Schöner Nebeneffekt: Nach der amtlichen Trauung könnte eine Etage tiefer in feinen Räumen das dazugehörige Fest über die Bühne gehen.

Hohe „Umwegrentabilität“

Eher weniger angetan sind die Eurogress-Betreiber von der Idee, die Klangbrücke vom Bushof weg ins Neue Kurhaus zu verlagern und ihr dort den linken Gebäudeflügel zu überlassen. Denn in diesem Fall gingen dem Eurogress die dringend benötigten Räume für Kongresse, Seminare und Tagungen verloren.

Gerade dieses Geschäft soll aber auch der Stadt im Rahmen der sogenannten Umwegrentabilität zu Gute kommen und somit einen gewichtigen Beitrag zur Finanzierung der millionenschweren Sanierung leisten. Der Veranstaltungsmarkt sei ein wichtiges Geschäftsfeld, das der Stadt zusätzliche Übernachtungsgäste und Kaufkraft zuführe sowie Beschäftigungs- und steuerliche Effekte habe.

Insbesondere von einem neuen großen Saal im Neuen Kurhaus erhofft sich das Eurogress einen echten Mehrwert. Er sei „der perfekte Spielort für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen“, heißt es. In den Sommermonaten seien dort Varieté-Veranstaltungen oder große Ausstellungen denkbar, die auch touristisch vermarktet werden könnten.

Bei einer Nutzung des Neuen Kurhauses durchs Eurogress liege die „Umwegrentabilität“ jährlich bei mehr als zwei Millionen Euro, haben die Eurogress-Verantwortlichen errechnet. Würde man die Klangbrücke mit hineinnehmen, würde die „Umwegrendite“ nur halb so hoch ausfallen.

Die SPD dürfte sich durch solche Berechnungen in ihren Überlegungen bestätigt sehen. Ob die Zahlen auch die CDU überzeugen, bleibt hingegen abzuwarten

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