Aachen: Das neue Domizil der Sinfoniker ist endlich fertig

Aachen: Das neue Domizil der Sinfoniker ist endlich fertig

Imposant hängt die alte Kranbahn unter der Decke des Eingangsfoyers. Auf der rechten Seite erhebt sich die ursprüngliche Ziegel-Fassade. Der große Saal beeindruckt mit dunklem Eichenholzparkett, rustikalen Stahlträgern und vor allem mit den goldfarbenen Akustikflügeln und -segeln.

Der neue Probenraum des Sinfonieorchesters im alten Umspannwerk an der Borngasse ist fertig. Am Mittwoch sagte der Bauherr des edlen Baus am Alten Posthof, das Eurogress, deshalb Danke. Und zwar allen, die an dem nicht ganz einfachen Projekt beteiligt waren.

So waren nicht nur die Architekten, Techniker und Ingenieure gekommen, sondern auch die Maler, Mauerer und Trockenbauer. „Alle haben viel Arbeit hineingesteckt”, erklärte Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf. „Deshalb ist unser Stolz groß, dass so etwas Tolles dabei rausgekommen ist. Und das noch dazu im vorgegeben Zeit- und Kostenrahmen.” 2,4 städtische Millionen Euro durfte das neue Orchester-Domizil kosten, bis zum Probenbeginn im Herbst sollte es nutzbar sein.

Beides ist gelungen. Einfach war das wahrlich nicht, wie Wulf klar- machte: „Die Vorgaben waren sehr sportlich gesetzt. Hinzu kamen jede Menge Unwägbarkeiten, etwa der Denkmalschutz, die Akustik und auch die Diskussion darüber, ob der Raum auch für Konzerte bespielbar sein soll.” Dass es in der Zeit der Planung mehr als einmal den Punkt gab, an dem das Projekt zu scheitern drohte, gab die Eurogress-Chefin zu. Umso glücklicher ist sie nun darüber, dass der Umbau dann doch so reibungslos geklappt hat.

Das freut auch Architekt Bernd Horschmann vom Aachener Büro Höhler und Partner. Er führte die Gäste durch das Gebäude, das Sinfonieorchester und Opernchor mit 99 Musikern künftig reichlich Platz bietet. 490 Quadratmeter stehen allein im Hauptsaal zur Verfügung - lediglich 162 waren es über dem Elisenbad. Der neue Raum ist ausgestattet mit 30 goldfarbenen Segeln und Flügeln unter der Decke und an einer Längswand. „Mit ihnen kann die Akustik geregelt werden”, erklärt Horschmann. „Durch Absorbieren und Reflektieren von Schall.” Vor allem sei die optimale Nachhallzeit von 0,8 Sekunden möglich. Auch die übrigen, kleineren Übungsräume sind akustisch getrimmt worden. Ingesamt verteilen sich sechs von ihnen im Erd- und ersten Obergeschoss. Alle sind gut gedämmt. Hinzu kommen zwei Stimmzimmer, zwei Instrumentenlager, eine Notenbibliothek und das Dirigentenbüro. Recht protzig das alles, könnte man meinen. „Aber die Musiker arbeiten hier demnächst jeden Tag”, erklärt Horschmann. „Alles findet an diesem Ort statt.”

Alle Wünsche konnten im ehemaligen Umspannwerk indes nicht erfüllt werden. So kann nicht gleichzeitig im großen Saal und in den kleinen Übungsräumen geprobt werden. Und auch aus der Idee eines Konzertsaals etwa für Kammerkonzerte ist nichts geworden. Einen Blick hinein können Außenstehende wohl nur einmal erhaschen: Beim Theaterfest am 17. September.

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