Aachen: Das Nachtgebet im Dom trifft den Nerv der Zeit

Aachen : Das Nachtgebet im Dom trifft den Nerv der Zeit

Als „prime time“ wird gemeinhin jene Zeit am Abend bezeichnet, wenn ab 20.15 Uhr im Fernsehen die Einschaltquoten in die Höhe schnellen. Mit Besinnlichkeit hat das meist wenig zu tun. Das Bistum Aachen hat daher am vergangenen Freitagabend mit dem Format „zwanzig:fünfzehn“ eine eigene „prime time“ ins Leben gerufen: ein Nachtgebet im Dom mit Bischof Helmut Dieser.

Im kommenden Jahr sollen noch zwei weitere dieser ruhigen Abendveranstaltungen stattfinden.

Viele junge, aber auch ältere Menschen sind zur Premiere des Nachtgebets unter dem Motto „zwanzig:fünfzehn“ in die Chorhalle des Domes gekommen. Foto: Ralf Roeger

Mit dem Nachtgebet und der Möglichkeit, dem alltäglichen Treiben für eine Weile zu entfliehen, scheint das Bistum einen Nerv getroffen zu haben. Schon früh hatten sich viele jüngere und ältere Leute in der Chorhalle um den Karlsschrein herum versammelt und mit dem Chor die ersten Lieder angestimmt. Als Bischof Dieser pünktlich das Nachtgebet begann, war die Chorhalle voll besetzt.

„Licht und Dunkel im eigenen Leben“ war das Thema dieses Abends, mit dem sich auch der Bischof bei seinen Impulsen zwischen den Liedern befasste. Einmal mit der astronomischen Rolle des Lichts, die schließlich in Gestalt von Sonnenlicht das Leben auf der Erde erst möglich mache, und einmal in Gestalt Jesus Christi, dessen Licht Hoffnung und Orientierung für viele Menschen sei.

Mit eingeschlossen in das Nachtgebet wurden explizit auch all die neuen Abgeordneten, die am Sonntag bei der Bundestagswahl ein politisches Mandat übernommen haben — und die ihre Stimme für Frieden und Gerechtigkeit erheben sollen. Bischof Dieser, der sich immer wieder auch zu politischen Themen äußert, verpackte seinen Kommentar zum Wahlausgang gut: „Manche Menschen erkennen erst spät, dass sie den Falschen hinterhergelaufen sind.“ Er vertraue jedoch auf die Fähigkeit der Leute, zwischen dem zu unterscheiden, was gut ist, und dem, was weniger gut ist.

Ausklang im Kreuzgang

Nach rund 45 Minuten Gebet und Gesang ließen die Besucher den Abend bei Getränken und kleinen Leckereien im Kreuzgang des Doms ausklingen. „Wir wollen mit dem Nachtgebet zur ‚prime time’ jeweils einen Abend mit moderner Musik anbieten, der auch eine persönliche Note hat“, sagte Domvikar Matthias Fritz, der die insgesamt drei Veranstaltungen im Dom organisiert.

Die nächsten Nachtgebete finden dann am Freitag, 2. Februar, sowie am Freitag, 25. Mai, im kommenden Jahr jeweils ab 20.15 Uhr statt.