Aachen: Das Marschiertor lässt bald die Hüllen fallen: Dachsanierung fast fertig

Aachen : Das Marschiertor lässt bald die Hüllen fallen: Dachsanierung fast fertig

Albert Frey steht in gut 40 Metern Höhe auf dem großen Gerüst, das derzeit noch das Marschiertor ummantelt, und blickt von dem spektakulären Aussichtspunkt auf die historische Innenstadt. „Gut sieben Monate lang hat uns Aachen bei unserer Arbeit zu Füßen gelegen. Das ist schon ein toller und außergewöhnlicher Auftrag für uns gewesen“, sagt der Architekt mit einem Schmunzeln.

In wenigen Tagen wird Frey ein letztes Mal diesen beeindruckenden Blick genießen können — und das freut ihn nichtsdestotrotz außerordentlich. Denn die aufwendige Dachsanierung des Marschiertors ist nach Angaben der Stadt so gut wie abgeschlossen. Dann ist die Mission von Architekt Albert Frey und allen beteiligten Handwerkern beendet.

Spitzenleistung: Um ganz oben an der Turmspitze arbeiten zu können, musste ein ausgeklügeltes Gerüst aufgebaut werden.

Auch das für die Maßnahme verantwortliche städtische Gebäudemanagement zeigt sich zufrieden. Projektleiter Engelbert Chaumet freut sich, dass die komplizierten Arbeiten so gut geklappt haben. Das ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, wenn die Sanierung eines historischen Gebäudes wie dem rund 700 Jahre alten Marschiertor ansteht. Sprichwörtlich hinter jedem Stein und jeder Schieferplatte können sich da Überraschungen verbergen. Doch die hielten sich diesmal glücklicherweise in Grenzen.

Eingepackt: Im vergangenen Frühsommer wurde das Gerüst am Marschiertor aufgebaut.

880.000 Euro Kosten

So konnte der Kostenrahmen so gut wie eingehalten werden. Rund 880.000 Euro hat die notwendig gewordene Dachsanierung des Marschiertores gekostet — 20.000 Euro mehr als zunächst veranschlagt. „Bei der Größe und der Komplexität dieser Maßnahme ist das wirklich nicht viel“, sagt Chaumet.

So wurden, als man einmal die Gelegenheit dazu hatte, in luftiger Höhe direkt an die Fassade heranzukommen, einige Stellen am Gemäuer sozusagen in einem Aufwasch mit in Augenschein genommen und ausgebessert. Auch ein kleineres zusätzliches Gerüst musste im Laufe der Arbeiten noch errichtet werden.

Überhaupt: Das gigantische Gerüst ist es, was diese Baumaßnahme so besonders und auch weithin sichtbar gemacht hat. 140 Tonnen schwer, mit einer ausgeklügelten Statikberechnung rund um und auf das Dach platziert, ermöglichte es den Handwerkern, bei nahezu jeder Wetteranlage in 40 bis 50 Metern Höhe zu arbeiten.

Der aufwendige Gerüstaufbau im vergangen Frühsommer führt letztlich dazu, dass die Sanierung des Marschiertors nun einige wenige Woche später abgeschlossen werden kann als zunächst geplant. Hier hatte für alle Akteure die Maxime „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ Vorrang.

Und die hat sich ausgezahlt. Selbst bei den zum Teil heftigen Winterstürmen gab es keinerlei Zwischenfälle. „Uns ist hier nicht eine Folie weggeflattert“, sagt Architekt Frey.

Nun also biegen die Arbeiten auf die Zielgeraden ein. Am Ende werden die speziell ausgebildeten Dachdecker aus Thüringen auf einer Dachfläche von rund 830 Quadratmetern etwa 55.000 Schieferplatten festgenagelt haben — und zwar jede einzelne von Hand und individuell zugeschnitten. Zuvor wurde das vorherige, rund 60 Jahre alte Dach abgetragen. Es befand sich in einem derart schlechten Zustand, dass es nicht mehr dicht war und die Gefahr bestand, dass der gesamte Dachstuhl Schaden nehmen könnte.

Vier Wochen für den Abbau

In wenigen Tagen enden die Dachdeckerarbeiten auf einem von Aachens Wahrzeichen. Anschließend wird das Gerüst abgebaut, wofür rund vier Wochen veranschlagt sind. Das bedeutet: Läuft alles nach Plan, wird das Marschiertor im April wieder in vollem Glanz erstrahlen, und die spektakuläre „Dach(decker)terrasse“ auf Zeit mit atemberaubenden Ausblick auf die Aachener City ist Geschichte.

Und das, so sind sich alle Verantwortlichen sicher, für viele, viele Jahrzehnte. „Ich werde sicherlich nicht noch einmal hier oben stehen“, sagt Architekt Albert Frey.

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