Das Karl-Heinz Heemann Haus in Aachen wird 20 Jahre alt

Besondere Einrichtung in Verlautenheide : „Ganz normales Haus“ feiert Geburtstag

Es sei „ein ganz normales Wohnhaus“, betonte Ute Rütters, Vorstandsmitglied des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte Aachen (VKM). Seit 1999 ist das Karl-Heinz Heemann Haus in Verlautenheide das Zuhause von 23 Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen. Am Samstag feierten Bewohner, Mitarbeiter und jede Menge Gäste diesen Geburtstag.

„Anfangs habe ich es hier schwierig gefunden“, erinnerte sich Bewohnerin Monika Sonnenberg, die vor etwa sechs Jahren in der Wohngruppe eingezogen war. Inzwischen genieße sie ihr selbstbestimmtes Leben dort. Um zehn Uhr fahre sie täglich zur Arbeit in der Behindertenwerkstatt, erzählte sie. Danach widme sie sich am liebsten ihrem Lieblingshobby: Basteln.

„Die Bewohner führen einen Alltag wie jeder andere“, erklärte Ute Rütters, Vorstandsmitglied des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte Aachen (VKM). „Sie brauchen dabei lediglich etwas Unterstützung.“ Ob morgendliches Waschen, der Weg in die Stadt oder den Tisch vernünftig decken – „es sind die kleinen Dinge“, meinte Rütters. Manch Bewohner schafft solche Tätigkeiten noch allein, andere müssen vollständig oder zum Teil assistiert werden. Die Menschen mit Behinderungen wohnen nicht nur zusammen, sie fahren auch gemeinsam in Urlaub. Wohin? „Das dürfen die Bewohner selbst mitentscheiden“, sagte Rütters. Im vergangenen Monat reiste eine Gruppe zum Beispiel nach Friesland.

Knapp fünfzig Mitarbeiter, vor allem Pädagogen und Pfleger, zählt das Karl-Heinz Heemann Haus inklusive der Außenwohngruppe am Westpark, die der VKM im Jahr 2005 eröffnet hat. Im Gegensatz zu der Einrichtung in Verlautenheide benötigen die Menschen in der Außenwohngruppe keine ganztägige Unterstützung.

Soldaten, Darth Vader und kölsche Lieder: Bei der Zwanzig-Jahr-Feier sorgte ein buntes Programm für viel Vergnügen. Während ein Bewohner seine Gesangskünste zeigte, besuchte der „Star Wars Stammtisch Aachen“ kostümiert das Fest. Kinder konnten sich unter anderem Schminken lassen oder in ein Fahrzeug der Bundeswehr klettern. Neben Inge Heemann, die Frau des namensgebenden Initiators, besuchte auch Karl Lindlau, Architekt des Hauses, das Fest.

Zukünftig kommt aufgrund des 2017 in Kraft getretenen Bundesteilhabegesetzes übrigens der „bisher gravierendste Wechsel“ auf das Karl-Heinz Heemann Haus zu, erläuterte Rütters. Einerseits erhalten die Bewohner ab dem 1. Januar über örtliche Kommunen Sozialhilfeleistungen, andererseits müssen neue Mietverträge verfasst werden. Das Gesetz stärke die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen, sagte das VKM-Vorstandsmitglied. Dafür notwendig ist jedoch ein großer bürokratischer Aufwand.