Aachen: „Das haben wir uns verdient“: Aachens Narren feiern bei bestem Wetter

Aachen: „Das haben wir uns verdient“: Aachens Narren feiern bei bestem Wetter

„Das waren zwei Jahre harte Arbeit“, stellte André Lander schon vor 11.11 Uhr fest. Zwei Jahre Arbeit, die sich aber gelohnt haben. Denn der Präsident hat gemeinsam mit seinen Oecher Spritzemännern am Wetter gearbeitet — und das sehr erfolgfreich, wie sich am Fettdonnerstag herausstellte.

Denn nachdem es in den vergangenen beiden Jahren zum Auftakt des Straßenkarnevals stets geregnet hatte, schien jetzt die Sonne von einem wolkenlosen Himmel auf Aachen und die Jecken.

Die Polizei war mit zahlreichen Kräften in der Innenstadt unterwegs, um bei den jecken Feierlichkeiten nach dem Rechten zu sehen. Bis zum frühen Abend hatten sie nur wenig zu tun. Foto: Andreas Herrmann

„Das haben wir uns verdient“, sagte einige Stunden später Michael Cosler als Frontmann der Originale vor den rund 2000 Jecken, die sich am Jonastor in Burtscheid versammelt hatten und seit kurz vor 11 Uhr kostümiert, ausgelassen und vor allem friedlich feierten.

Für die Party der Tropi-Garde verstärken sich die vier Amigos Stefan Beuel, Dietmar Ritterbecks sowie René und Uwe Brandt mit den Gründungsmitgliedern Elmar Brandt und Ägid Lennartz. Derweil ist sogar das ­Justizzentrum jeck, während auch im Penn-Zelt, im Zelt der Prinzengarde an der Eissporthalle und bei der alkoholfreien „Underground“-Party im Apollo ausgelassen gefeiert wird.

Und als direkt danach der Aachener Prinz Mike I. samt Hofstaat und Prinzengarde die Bühne im Herzen von Burtscheid eroberte, nahm der den Faden auf und rief den Jecken zu: „Das habt ihr euch verdient.“ Viel habe man ihm zuvor von Burtscheid erzählt, dass es ein Höhepunkt für jeden Prinzen sein müsse. „Und jetzt kann ich es bestätigen. Euch hier zu sehen, bei diesem Wetter, alle kostümiert, das ist ein Höhepunkt für uns. Das ist unfassbar.“

Für die Party der Tropi-Garde verstärken sich die vier Amigos Stefan Beuel, Dietmar Ritterbecks sowie René und Uwe Brandt mit den Gründungsmitgliedern Elmar Brandt und Ägid Lennartz. Derweil ist sogar das ­Justizzentrum jeck, während auch im Penn-Zelt, im Zelt der Prinzengarde an der Eissporthalle und bei der alkoholfreien „Underground“-Party im Apollo ausgelassen gefeiert wird.

Der Kommandant der Prinzengarde, Dirk Trampen, meinte sicher dasselbe, wählte aber andere Worte: „Ihr seid das geilste Publikum, beim geilsten Wetter und wir haben den geilsten Prinzen für Euch.“ Einmal in Schwung verordnete er dem Tanzpaar Inga Dahlen und Sandro Gallazini eine Ruhepause, damit Mike I. ein Lied mehr singen kann. Und das tat er dann auch — sehr zur Freude des Publikums.

FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 08.02.2018 Fett-Do, Zelt Eissporthalle

Burtscheid schunkelt zu allem

^© : dmp /// Heute Donnerstag 08. Februar 2018 2018-02-08; Justizia sing und lacht VL Holger Brantin, Klaus Fritz beide vors. Richter, Claudia Besuch Präsidentin Verwaltungsgericht und Markus lehmler Vier. Präsident Verwaltungsgericht

Das war zuvor schon von den gastgebenden Oecher Spritzemännern, Sabine Verheyen, Kurt Christ, Kurt Joußen als Lennet Kann, den Kenger vajjen Beverau, Märchenprinz Julius I. und den Originalen reichlich in Stimmung gebracht worden. Da fiel es auch nicht schwerer ins Gewicht, dass sich das eine oder andere alte Öcher Liedchen durchaus wiederholte. Die Burtscheider schunkelten einfach zu allem.

Unter strahlend blauem Himmel feierten die Narren in Burtscheid. Foto: Harald Krömer

„Wir setzen auf Aachener Künstler“, beschrieb André Lander das Erfolgsrezept der Spritzemänner, „um das Aachener Liedgut voranzubringen.“ Denn das komme beim Publikum halt bestens an. „Die meisten hier sind Stammgäste“, weiß der Päsident, „die selbst bei schlechtem Wetter kommen.“ Bei gutem Wetter seien es eben ein paar mehr.

Als die Marktsitzung vor ein paar Jahren dicht gemacht worden war, hätten die Spritzemänner durchaus etwas Angst gehabt, „dass die Krawallmacher vom Markt zu uns kommen“, so Lander. Doch das sei zum Glück nicht geschehen. „Wenn sich hier jugendliche Gruppen zusammenfinden, die so aussehen, als würden sie Krawall machen würden, drängt unser Publikum sie entweder beiseite oder gemeindet sie ein“, sagte André Lander.

Und tatsächlich war das Publikum am Jonastor tatsächlich ein eher älteres. Die jüngeren Jecken standen derweil ein paar Meter weiter in der Warteschlange vor den Kurpark-Terrassen. Oder aber füllten im Laufe des Tages auch das neue Karnevalszelt an der Eissporthalle, wo am Abend Ballermann-Sänger Peter Wackel auftreten sollte und die mit 1500 verkauften Tickets ausverkauft war.

Wenn neben der Marketenderin Angelina Schneider auch noch ein paar Penn-Herren den Cancan tanzen, dann bleibt kein Auge trocken: Die Penn-Show kam gut an bei den Jecken im Zelt auf dem Katschhof. Nachdem die Penn das „kleine, aber feine Bühnenprogramm“ absolviert hatte, wie Moderator Michael Peltzer Show nannte, gehörte das Penn-Zelt auf dem Katschhof den feierwütigen Narren. Die hatten sich seit den Mittagsstunden die Beine in den Bauch gestanden, um reinzukommen ins Zelt — in dem bis tief in die Nacht gefeiert wurde.

Das Ende der lange Penn-Zelt-Schlange musste sich indes keinesfalls langweilen: Denn die Jecken zwischen Katschhof und Hühnermarkt wurden vom Hof aus beschallt, wo die Tropi-Garde ihr Publikum begeisterten. „Auch im zweiten Jahr läuft es hier auf dem Hof richtig gut“, sagte Tropi-Generalin Sarah Siemons, sichtlich zufrieden mit dem regen Andrang im Schatten des Öcher Doms. Der kleine Platz war proppenvoll.

Hier gab es handgemachten, familiengerechten Karneval mit Live-Musik und Auszüge aus dem Sitzungsprogramm der Tropis. „Bei uns ziehen alle an einem Strang, darum klappt das so gut“, sagte Siemons. Und wer am frühen Nachmittag hierher gekommen war, erlebte einen Amigo-Auftritt der besonderen Art: denn die eigentlich vier Amigos traten ausnahmsweise zu sechst auf, inklusive der beiden Gründungsmitglieder Ägid Lennartz und Elmar Brandt.

Ebenfalls viel Musik, wenn auch nicht unbedingt karnevalistischer Art, gab es im Apollo: Hier lief die „Underground“-Party des Aachener Jugendamts. Aachens zwölf- bis 17-Jährige konnten hier ausgelassen feiern, mit Songs nach ihrem Geschmack und ohne Alkohol. „Wir haben mehrere DJs auf zwei Ebenen“, verriet Vera Schröder vom Jugendamt, die hier gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen, mit einem Security-Dienst und dem Team des Apollo nach dem Rechten sah.

Einige Straßensozialarbeiter waren außerdem in der Innenstadt unterwegs, um darauf zu achten, dass keine jungen Menschen über die Stränge schlagen. Die Party ist aus Sicht des Jugendamts ein voller Erfolg: „Die Jugendlichen haben nicht unbedingt Lust auf klassischen Karneval. Hier können sie ganz nach ihrem Geschmack feiern.“ Und wer braucht schon Alkohol, wenn er leckere, farbenfrohe alkoholfreie Cocktails haben kann?

Besonders bunt war es am frühen Morgen auch am Hauptbahnhof, und zwar immer dann, wenn kurze Zeit später eine Regionalbahn in Richtung Köln einfuhr. Hier tummelten sich zahlreiche Jecken, denen es in Aachen nicht bunt genug zugeht. Aber auch Narren aus Belgien und den Niederlanden nutzen die Kaiserstadt als Zwischenstopp auf ihrem Weg nach Köln. Dass in Aachen nicht alle Kneipen mitmachen, trieb viele in die Stadt am Rhein. Trotzdem: Ganz ohne Öcher Fastelovvend geht es nicht: „Den Rosenmontagszug gucken wir natürlich zuhause!“

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