Aachen: Das große Rätselraten ums Neue Kurhaus

Aachen : Das große Rätselraten ums Neue Kurhaus

Erstmal von dem Schock erholen, lautete am Donnerstag die Devise in der Politik, nachdem die Nachricht über die Kostenexplosion am Neuen Kurhaus die Runde gemacht hat.

Und alle rätseln, wie es denn nun mit der denkmalgeschützten Spezialimmobilie an der Monheimsallee weitergehen kann, deren geschätzte Sanierungskosten von anfänglich 16 bzw. 25 Millionen auf nunmehr satte 39 Millionen Euro hochgeschnellt sind.

Wie berichtet, hat Oberbürgermeister Marcel Philipp am Mittwoch die Notbremse gezogen und vorerst alle weiteren Planungen gestoppt. Dies hätten sich die Grünen schon früher gewünscht, die seit langem vor einem „zweiten Tivoli“ im Kurpark gewarnt haben. Ohne ein sattelfestes Betreiberkonzept und ohne unterzeichnete Mietverträge hätte ihrer Meinung nach erst gar nicht mit der Sanierung des Neuen Kurhauses begonnen werden sollen.

Sie können sich jetzt bestätigt fühlen, doch von Rechthaberei oder Häme waren sie am Donnerstagweit entfernt. Wie alle anderen Fraktionen zeigen auch sie sich einigermaßen ratlos, wie es jetzt weitergehen soll. „Wir müssen jetzt von vorne denken“, meint Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig, der wie alle anderen Politiker auch das bislang vom Oberbürgermeister verfolgte Konzept einer Mischnutzung aus Spielcasino, Unterhaltung und Gastronomie für gescheitert hält.

Keine Vertragsabschlüsse

Vor ziemlich genau zwei Jahren wurden diese Überlegungen noch allseits begrüßt. Die Hoffnung war groß, drei potenzielle Mieter gefunden zu haben, mit deren Hilfe die Umbaukosten gestemmt werden sollten. Längst hat sich jedoch Ernüchterung breitgemacht. Denn obwohl der OB immer wieder verkündet hat, kurz vor dem Durchbruch zu stehen, sind die Mietverträge bis heute nicht zustande gekommen.

In der Politik geht man daher längst davon aus, dass die Kölner Eventspezialisten Explorado und der niederländische Gastronomiebetrieb Maison van den Boer auch gar kein größeres Interesse mehr an dem Aachener Standort haben. Als potenzieller Mieter bliebe somit nur noch das Casino, das sich aber auch in seinem Übergangsdomizil am Tivoli ganz wohl fühlt.

Was also tun mit dem asbestbelasteten Bröckelbau im Kurpark, der neben Dom und Rathaus lange Zeit eines der begehrtesten Aachener Ansichtskartenmotive war? „Wir wollen jetzt erst mal wissen, was die Ursache für die erhebliche Lücke zwischen der groben und der tatsächlichen Kostenschätzung ist“, sagt CDU-Fraktionschef Harald Baal, der mit einer Neubewertung der Sachlage aber noch deutlich zurückhaltender ist als etwa sein SPD-Kollege. Denn Michael Servos brachte am Donnerstag bereits wieder die alte SPD-Idee ins Gespräch, das Neue Kurhaus dem Spielcasino und dem benachbarten Eurogress zu überlassen, das seit langem nach mehr Platz für Kongresse, Messen und Veranstaltungen lechzt.

Nachdem die Initiative des OB im Sande verlaufen sei, so Servos, müsse man nun neu denken. Mehr Kongresse in Aachen wären ein echter Mehrwert für die Stadt, sagt Servos. Und er vermutet auch, dass so die Umbaukosten gesenkt werden könnten, da Eurogress und Casino andere Anforderungen an Raumausstattungen und Technik hätten als etwa Explorado oder der Edel-Gastronom.

Auch in der CDU gibt es seit langem starke Verfechter dieser Idee. Dennoch warnt Baal vor vorschnellen Entscheidungen. „Wir brauchen auch dazu Kostenaussagen.“ Denn wenn man das sanierte Kurhaus in großen Teilen dem Eurogress überlässt, muss die Stadt die Sanierungskosten im Grunde allein tragen. Mietzahlungen kann das städtische Eurogress nicht erwirtschaften.

Eben deswegen sehen die Grünen diese Lösung kritisch. Besser wäre aus ihrer Sicht, noch andere Nutzungen zu erwägen und nach anderen Mietern Ausschau zu halten. Und selbst ein Verkauf des Neuen Kurhauses müsse in Erwägung gezogen werden, meint Ludwig. Letzteres halten jedoch weder CDU noch SPD noch FDP für eine realistische Option.

Und was sagt die Chefin des benachbarten Eurogress zu den Vorgängen am Neuen Kurhaus? „Wenn uns jemand sagt, wir sollen uns Gedanken über eine Nutzung machen, machen wir das“, so Kristina Wulf. Noch aber geht sie davon aus, dass der Oberbürgermeister ein anderes Konzept verfolgt

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