Aachen: Das erste große Ziel ist das Seepferdchen

Aachen : Das erste große Ziel ist das Seepferdchen

Für die jungen Männer, die in der Elisabethhalle ihre Runden drehen, geht es zunächst um die Grundfähigkeiten. Wie für alle anderen Schwimmschüler auch: Das Seepferdchen ist ihr erstes großes Ziel. Aber sie haben vor allem auch eine Menge Spaß dabei, gemeinsam und ohne Angst zu schwimmen.

Es ist ein besonderer Kurs, der sich an minderjährige unbegleitete Flüchtlinge richtet. Viele der Jugendlichen, die seit einigen Jahren nach Aachen kommen, wollen gerne schwimmen lernen. Deshalb haben verschiedene Träger, die diese jungen Menschen betreuen und unterbringen, den Wunsch nach Schwimmkursen an den städtischen Fachbereich Sport herangetragen. Mit dem Verein Aix-la-Sports konnte nun ein Partner mit erfahrenen Übungsleitern gefunden werden, der die Ressourcen hat, am Samstagmorgen Schwimmkurse anzubieten.

„Die betreffenden Jugendlichen haben oft besonders schwere Zeiten und zum Teil auch traumatische Erlebnisse hinter sich“, erklärt Christine Weber, Geschäftsführerin von Aix-la-Sports. Die Kosten für die Betreuung durch qualifizierte Trainer übernimmt die Nele und Hanns Bittmann-Stiftung. Insgesamt 4260 Euro gibt es für die vier sechsmonatigen Kurse, an denen jeweils rund zehn Flüchtlinge teilnehmen.

Religiöse Bedürfnisse

Die Kurse sind auf ein halbes Jahr ausgelegt und finden einmal wöchentlich statt. Wichtig ist dem Verein rund um den Vorsitzenden Rolf Weber aber eine individuelle Förderung. „Natürlich gibt es auch einen Mädchen-Kurs, um den besonderen religiösen Bedürfnissen gerecht zu werden“, erklärt Christine Weber. Im Becken sind Rolf und Marco Weber im Einsatz. Der Verein, der außerhalb der Flüchtlingskurse auch Kurse speziell für besonders ängstliche Kinder anbietet, ist beinahe ein Familienbetrieb. Am Beckenrand passt auch Übungsleiterin Kerstin Dittmann mit auf.

Ziel sei auch, die jungen Leute nachhaltig für den öffentlichen Badebetrieb zu begeistern und damit auch für eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, wie Karlheinz Welters und Petra Prömpler vom Fachbereich Sport der Stadt Aachen betonen. Dr. Wolfgang Herff und Frank Prömpeler von der Nele und Hanns Bittmann Stiftung freuen sich, den Jugendlichen auf diesem Weg bei der Integration in Aachen zu helfen. „Eine Warteliste haben wir bislang noch nicht. An den vier fortlaufenden Kursen können bis zu den Herbstferien insgesamt circa 40 Jugendliche teilnehmen. Wir rechnen durch Umzüge und andere Dinge mit einer geringen Fluktuation“, erklärt Christine Weber.

Frank Prömpeler beobachtet erfreut das Geschehen gleich nach dem erfolgreichen Start des ersten Kurses: „Es ist toll zu sehen, wie fröhlich die jungen Leute sind, und wie wissbegierig sie das Schwimmen erlernen. Da helfen wir gerne.“

Und nicht zuletzt die wunderschöne Umgebung des Jugendstilbades mit seinen prachtvollen Verzierungen begeistert die Jugendlichen, die aus den unterschiedlichsten Krisengebieten den Weg nach Aachen gefunden haben. So wird Schwimmen in der Elisabethhalle zu einem Stück aktiver Integration in Aachen.