Aachen: Das Depot Talstraße: Ein „Leuchtturm“ im Aachener Norden

Aachen : Das Depot Talstraße: Ein „Leuchtturm“ im Aachener Norden

Vor einem Jahr hat das Depot Talstraße als Soziokulturelles Zentrum nach aufwendigen Sanierungs- und Bauarbeiten seine Türen geöffnet. Zwölf Millionen Euro kostete das Großprojekt am alten Straßenbahndepot, das zu 80 Prozent vom Land NRW bezuschusst wurde.

„Es sollte ein fröhliches und offenes Haus werden, und das ist uns gelungen. Auch der Mietermix ist gut“, resümiert Kulturdezernentin Susanne Schwier nach dem ersten Jahr. Neben festen Mietern, wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Deutschen Kinderschutzbund, dem Euregionalen Medienzentrum und der Stadtteilbibliothek werden der Veranstaltungsraum, die sogenannte Piazza, und der Seminarraum des Depots auch temporär vermietet.

„Diese Kombination ist positiv, denn sie lockt unterschiedliche Firmen an“, sagt Irit Tirtey, kaufmännische Leiterin des Kulturbetriebs. 24.000 Euro haben die temporären Vermietungen im vergangenen Jahr eingebracht. Damit sei man finanziell im Rahmen des Geplanten. Für das Jahr 2018 wird hier mit 30.000 Euro gerechnet. „35.000 Euro ist die Summe, die die Stadt dafür veranschlagt hatte“, sagt Schwier. Bereits im zweiten Jahr nah an diese Summe heranzukommen, sei erwartungsgemäß, wenn nicht sogar besser, betont sie.

Um die Ausgaben für das Depot zu decken, zahlt die Stadt jährlich Betriebskosten in Höhe von 400.000 Euro, inklusive Personalkosten. Verrechnet man das mit den Gesamteinnahmen, bleibt eine Summe von 200.000 Euro.

Fokus auf Verbesserungen

Doch trotz der positiven finanziellen Entwicklung läuft noch nicht alles rund: Die Akustik in der 250 Quadratmeter großen Piazza, die bei Veranstaltungen bis zu 800 Menschen fasst, ist ausbaufähig. Fachleute sollen nun beurteilen, wie diese verbessert werden kann. „Im ersten Jahr war es wichtig, zu sehen, welche Veranstaltungen sich überhaupt eignen, um dann konkret sagen zu können, welches Equipment noch angeschafft werden muss“, sagt Schwier. Auch eine Verdunklungsanlage steht auf der Liste.

Eine weitere Herausforderung ist, Bewohner der Umgebung anzulocken. Diese jetzt gezielt durch Projekte und Programme anzusprechen, ist das Ziel. „Die Menschen sollen keine Angst haben und einfach reinkommen“, betont die Kulturdezernentin. Die Piazza soll ein Aufenthaltsort ohne Verpflichtungen werden. Sie ist werktags von 8 und 17 Uhr geöffnet.

Auch ein Bistro ist in dem Gebäude integriert — eine Kooperation mit dem Cateringservice Kerres aus Würselen. Sobald das Wetter es zulässt, sollen auch mehrere Sitzgelegenheiten im Außenbereich aufgestellt werden.

Trotz der Anschaffungen, die noch auf dem Plan stehen, und der Suche nach einer Lösung für die Schwierigkeiten mit der Akustik, sei das Depot aber bereits ein Jahr nach Eröffnung ein „Leuchtturm in diesem Stadtteil“, wie Kulturbetriebsleiter Olaf Müller betont. Soziales und Kulturelles kommt in den Räumen zusammen.

Veranstaltungen aus den Bereichen Literatur, bildende Kunst, Musik und Theater treffen auf Menschen, die in Kontakt zum Stadtteilbüro, dem Kinderschutzbund und anderen Einrichtungen stehen. Kindergärten und Schulen aus der Umgebung besuchen in die Stadtteilbibliothek. Das wirke wie ein Sog, so Schwier. Die Kinder erzählten zu Hause davon und so gerate das Depot in den Fokus.

Für die Zukunft sind schon jetzt viele Pläne zusammengekommen, um das Angebot zu erweitern. Das Medienzentrum arbeitet mit der Bibliothek an einem Filmprojekt. Im Rahmen des Karlspreis-Programms soll zu Ehren des Preisträgers Emmanuel Macron ein deutsch-französischer Chor auftreten. Darüber hinaus gibt es Anfragen von Künstlern zu Ausstellungen, und der Zirkus Configurani hat Interesse an einer Aufführung in der Piazza signalisiert. Im Juni wird Bischof Helmut Dieser eine Vesper vor Ort halten. Und das Sinfonieorchester überlegt, welches Konzertformat für diesen Ort infrage käme. „Das alles sind erste Ideen. Aber die Absprachen laufen bereits“, sagt Schwier.