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Das Da Theater zeigt „Gretchen 89ff“

Freiluftaufführungen des Das Da Theaters : Liebe zum Theater inklusive Selbstironie

„Die Proben sind ja manchmal unterhaltsamer als das Endprodukt“, erklärte Christine Schaller dem Publikum auf der Frankenberger Burg. Es ist nicht ihre Erkenntnis, sondern die des meistgespielten Gegenwartsdramatikers Lutz Hübner. Mit „Gretchen 89ff“ – das Stück, das Hübner bundesweit bekannt gemacht hat – nimmt er den manchmal skurrile Blüten treibenden Theaterbetrieb humorvoll auf die Schippe.

Es ist das diesjährige Burg-Stück des Das-Da-Theaters, das am Donnerstag, 20. Juni, um 20 Uhr Premiere feiert.

In zehn Szenen seziert Hübner das Zusammenspiel vor allem von Regisseur und Schauspielerin anhand der Probe der Kästchen-Szene in Goethes Faust I: Das Tourneepferd mit Wiener Schmäh und unvermeidlichem Walzerschritt, das Proben eher als unvermeidliches Übel empfindet, bevor es sich wieder wahlweise Kaffee, Alkoholika oder Frauen widmet. Und die Darstellerin, die sich bemüht, es dem exaltierten Spielleiter Recht zu machen, obwohl sie sich doch ein wenig albern vorkommt, wenn sie ihre Brüste kneten soll. Die Anfängerin, die das Stück gänzlich durchdringen will, vermeintliche Ungereimtheiten aufspürt und vor allem „mal etwas anbieten möchte“. Und damit den ruhigen, offenen Regisseur zur Weißglut treibt.

Andere Stereotype des Theaterbetriebs folgen. Mal möchte auch eine Regisseurin das Gretchen mit einem Mann besetzen, mal muss sich die Schauspielerin mit einem Requisiteur auseinandersetzen. „Natürlich sind die Figuren etwas überzeichnet“, gab Regisseurin Maren Dupont zu. „Aber das gehört zu einer Satire dazu.“

Intendant Tom Hirtz bekannte: „Hübner ist einer unserer Lieblingsautoren. Er ist ein Theaterpferd, ist ausgebildeter Schauspieler und hat als Regisseur gearbeitet. In ‚Gretchen 89ff‘ spürt man seine Liebe zum Theater, gepaart mit einer ordentlichen Portion Selbstironie.“ Dabei verliere er das Publikum nicht aus den Augen. „Es gibt keine Insider-Anspielungen. Jeder kann folgen.“

Wegen des durchaus erwarteten Erfolgs von Linie 1, in dem das ganze Ensemble zum Einsatz kommt, hat Hirtz für die Burgsaison zwei Gäste verpflichtet: Christine Schaller und Frank Siebenschuh. Sie mussten zehn verschiedene Rollen entwickeln, die sie in rasanter Abfolge, nur getrennt durch ein paar kurze Ansagen und Kostümwechsel, auf die Open-Air-Bühne bringen. „Das war die Herausforderung des Stücks“, berichtete Dupont. „Denn jede Szene ist anders.“ Fliegen die verschiedenen Welten aneinander vorbei oder stoßen sie mit Gewalt aufeinander – diese Spannung müssten Schaller und Siebenschuh stets neu ausloten.

Da „Gretchen 89ff“ einen Einblick in die Probenarbeit am Theater zeigt, bleibt an vielen Spielorten die Bühne karg mit blanken Brettern. Bühnenbildner Frank Rommerskirchen und Ausstatterin Nadine Dupont gehen einen ähnlichen Weg: Bretterbühne, Kleiderständer mit Kostümen, Tisch mit Kaffeetasse und Zigarettenschachtel. Gretchen agiert allerdings in einem stilisierten roten Haus. „Wir wollten für die Burg ein etwas größeres Bild, das aber dennoch in allen Szenen funktionieren muss“, erklärte Hirtz.

Es ist also angerichtet: 40 Vorstellungen bis 4. August stehen auf dem Spielplan. Wobei auf vielfachen Wunsch von Stammgästen die Vorstellungen dienstags, mittwochs und donnerstags bereits um 20 Uhr starten. Freitags bis sonntags bleibt es beim traditionellen Beginn um 21 Uhr, natürlich bei (fast) jedem Wetter.