Aachen: Das Da-Theater: Der Geheimtipp wird plötzlich zum Renner

Aachen: Das Da-Theater: Der Geheimtipp wird plötzlich zum Renner

Gisela ist die Seele des Viertels und eine Institution in der Südstadt. Daniel nennt sie Mutti, weil er „Bei Mutti“ gerne seinen Kaffee trinkt. Aus einer spontanen Eingebung heraus beschließt er, das Café mit seiner Frau Aylin zu übernehmen, als „Mutti“ ankündigt, dass sie aufhören will. Aus dem biederen Café wird eine Multikulti-Location mit der türkischen Sibel als Kellnerin.

„Sibel spricht eine Sprache, die sie selber für Deutsch hält“, erzählt Daniel dem Publikum in der Scheune auf Gut Hebscheid. Die Zuschauer haben ihre wahre Freude an dem Kauderwelsch, das er da als Sibel so von sich gibt. Die Uraufführung des Stücks „Milchschaumschläger“ setzt in gewohnter Manier das fort, was in der Vergangenheit mit „Macho Man“ und „Der Boss“ schon so gut funktioniert hat.

Beim Theaterdinner auf Gut Hebscheid kommen die Gäste zum einen in den Genuss eines Fünf-Gänge-Menüs, zum anderen verfolgen sie auf der kleinen Bühne ein Ein-Mann-Stück, das Tobias Steffen als Daniel mit Bravour meistert.

Mit Leichtigkeit schlüpft er immer wieder in die Rolle der Person, die in der Handlung gerade wichtig ist. Und zu jedem Abschnitt gibt es die passende Musik mit Christoph Eisenburger am Piano. „Pretty Woman“, „Help“ oder der bekannte Musical-Song „I Am, What I Am“ sind passgenau auf die Handlung abgestimmt und machen den Abend erst so richtig rund. Und sie zeigen einmal mehr die enorme Vielseitigkeit von Tobias Steffen als Schauspieler und als Sänger.

Sein Glück, dass Sibel ihre Deutschkenntnisse im Laufe des Abends deutlich verbessert. Denn ihr Kauderwelsch ist durchaus eine große Herausforderung für Steffen, wie Regisseurin Maren Dupont meint. „Gar nicht leicht, einen so völlig sinnentleerten Text zu lernen“, meint auch sie.

Überzeugende Darbietung

Die Zuschauer kommen jedenfalls voll auf ihre Kosten. Offensichtlich stimmt an diesem Abend auf Gut Hebscheid einfach alles: Das Menü, die Musik und das Stück. Es stammt aus der Feder des Bestsellerautors Moritz Netenjakob, der seine eigenen Café-Erfahrungen laut Das Da Theater in ein „Feuerwerk aus Gags, absurden Situationen und wunderbaren Charakteren“ verwandelt hat.

Da ist zum Beispiel auf orientalischer Seite Onkel Abdullah, der erst den Verkauf von Alkohol verbietet, sich dann aber nur zu gern das Kölsch als angeblich alkoholfreies Getränk servieren lässt.

Daniel stellt schließlich fest, dass Gastronom dann doch nicht sein Traumjob ist. Und das gerade zu dem Zeitpunkt, als das Café endlich floriert. „Du bist ein Autor“, sagt seine Frau Aylin weise. Und tatsächlich findet Daniel große Freude an dem Blog, den er anfangs vor allem auch deshalb schreibt, um sich die Zeit zu vertreiben, bis Gäste kommen.

„Ist ein Café leer, kommt keiner rein“, muss auch Daniel feststellen. Doch wie durch Magie kommen plötzlich immer mehr Leute. Der Geheimtipp aus dem Netz wird zu einer angesagten Location. Daniel bleibt kaum Zeit, durchzuschnaufen. „Vielleicht ist das Café nicht unser Schicksal“, sagt Aylin, als beide darüber nachdenken, aufzuhören. Immerhin haben sie in Zukunft auch noch eine ganz neue Herausforderung zu bestehen. Und auch hier gibt es natürlich wieder einen Song, der ganz wunderbar dazu passt: „I Love You, Baby.“

Weitere Aufführungen von „Der Milchschaumschläger“ gibt es bis in den Februar hinein.