Aachen/Görlitz: Das andere Dreiländereck: Mit dem Zipfelpass von Aachen nach Görlitz

Aachen/Görlitz : Das andere Dreiländereck: Mit dem Zipfelpass von Aachen nach Görlitz

Aachen ist mit etwa 250.000 Einwohnern die westlichste Großstadt in Deutschland und wird nicht nur von Kabarettist Wendelin Haverkamp gerne liebevoll als „Westzipfel“ bezeichnet. Sein östliches Pendant findet der Westzipfel in Görlitz, einer Stadt in der Oberlausitz mit rund 55.000 Einwohnern.

Für begeisterte Städtereisende gibt es den Zipfelpass: Wer an einem der vier deutschen Städte des sogenannten Zipfelbundes in Görlitz, in List auf Sylt, in Oberstdorf sowie im „Westzipfel“ mit Aachen und der geographisch westlichsten Gemeinde Selfkant im Kreis Heinsberg übernachtet hat, bekommt einen Stempel.

Marion Mähler von der Görlitz-Information stellt den Zipfelpass vor.

In der Görlitz-Information am Marktplatz ist Marion Mähler dafür zuständig. „Es werden immer mehr Zipfelbesucher“, freut sie sich. Denn nicht zuletzt solche Aktionen machen die sehenswerte Stadt — gerade auch für andere Zipfelbewohner — attraktiv. Die Regel lautet, wer mindestens eine Nacht in dem Zipfelort übernachtet, erhält den entsprechenden Stempel in den Zipfelpass.

Wer von den Stempelsammlern innerhalb von vier Jahren den südlichsten, östlichsten, westlichsten und nördlichsten Punkt Deutschlands besucht hat, bekommt von den jeweiligen Orten ein kleines Zipfelpräsent. „In alle Himmelsrichtungen in Deutschland so weit wie möglich zu reisen, das ist einfach eine schöne Idee“, sagt Marion Mähler.

4000 Einzeldenkmale

„Wer zum ersten Mal nach Görlitz kommt, ist überrascht und beeindruckt von der architektonischen Vielfalt. 4000 größtenteils aufwendig sanierte Einzeldenkmale aus Gotik, Renaissance, Barock, Jugendstil und Gründerzeit, prächtige Zeugnisse aus mehr als 500 Jahren europäischer Baugeschichte prägen die Stadt“, erklärt Stadtführer Udo Broge. Ein anonymer Gönner der Stadt hat von 1995 bis 2016 jährlich eine Million Mark, beziehungsweise eine halbe Million Euro, gespendet. „Mit diesem wahr gewordenen Märchen von der Altstadtmillion hat er die Instandsetzung und den Wiederaufbau vieler unserer Kulturschätze möglich gemacht“, freut sich die PR-Managerin der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH, Anja Schliess.

Mit den als Unesco-Weltkulturerbe vorgeschlagenen Hallenhäusern hat Görlitz ähnliche Höhepunkte zu bieten wie Aachen mit dem Dom. Die Stadt liegt ebenfalls in einem Dreiländereck, nämlich dem deutsch-tschechisch-polnischen. Und sie bietet laut Eigenwerbung viel mehr, als man an einem oder zwei Tagen erleben kann. Auch amerikanische Filmemacher schätzen das, weshalb die Stadt auch als „Görliwood“ bekannt ist und immer wieder als Drehort für Hollywood-Produktionen genutzt wird. So drehte unter anderem Quentin Tarantino hier Teile seines Films „Inglourious Basterds“.

Seit der Erweiterung der Europäischen Union im Jahre 2004 ist die Stadt in die Mitte des Kontinents gerückt. Gemeinsam mit Zgorzelec, dem auf der östlichen Seite der Neiße gelegenen polnischen Stadtteil, hat sich Görlitz 1998 zur Europastadt erklärt. „Die beiden Schwesternstädte sind das beste Beispiel dafür, wie die Menschen zweier Nationen Grenzen überwinden können“, betont Anja Schliess. Das deutsch-polnische Lebensgefühl spüre man heute in allen Bereichen des alltäglichen Zusammenlebens. Und immer mehr Touristen genießen die Atmosphäre und das internationale Miteinander, spazieren über die Altstadtbrücke innerhalb weniger Minuten über die Lausitzer Neiße von Deutschland nach Polen.

Viele weitere Anekdoten und Besonderheiten machen einen Besuch reizvoll: Der Görlitzer Georg Emmerich ließ nach seiner Rückkehr von einer Pilgerreise im Jahr 1504 das Heilige Grab aus Jerusalem originalgetreu nachbauen. Die Zeitangabe in Görlitz entspricht exakt der mitteleuropäischen Zeit, denn die Stadt liegt auf dem 15. Meridian. Und weil Görlitz die östlichste Stadt ist, geht hier in Deutschland zuerst die Sonne auf.

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