Aachen: Darf er in die Umweltzone oder nicht? Herr Krickel irrt durchs Plakettenlabyrinth

Aachen : Darf er in die Umweltzone oder nicht? Herr Krickel irrt durchs Plakettenlabyrinth

Mit den Plaketten fürs Auto ist das so eine Sache. Eine, die bisweilen für grobe Orientierungsprobleme sorgen kann. Heribert Krickel aus Kelmis — bekanntlich in Belgien gelegen — kann davon ein Liedchen trällern. Denn Herr Krickel wollte eine Plakette für seinen Elektro-Smart, musste aber bald feststellen, dass der Weg zur deutschen Plakette und die Einfahrt in Umweltzonen des Nachbarlandes steinig sein kann und voller Fallstricke.

Als Herr Krickel eines Tages auf dem Straßenverkehrsamt in Würselen zu tun hatte, fragte er gleich beim Sachbearbeiter nach, ob er denn für sein Elektroauto mit belgischem Nummernschild auch eine Plakette bekommen könne. Klar, sagte der Sachbearbeiter voll des Sachverstandes ... eine ganz besondere sogar. Eine blaue Plakette. Die sei aber sehr unbekannt und selten und vielleicht noch nie ausgegeben worden, Herr Krickel solle deshalb beim Gang zur Zulassungsstelle lieber viel Zeit mitnehmen.

„Ich hätte gerne eine blaue Plakette“, sagte Herr Krickel also etwas später auf der Zulassungsstelle. „Wie, blaue Plakette?“, lautete die Antwort, die eigentlich ja eine Frage ist. Tatsächlich war Herr Krickel offenbar der erste Mensch, den es nach der blauen Plakette verlangte. Es wurden Ordner gewälzt, erinnert er sich, und der TÜV konsultiert und — Heureka! — Herr Krickel wurde nach einiger Zeit mit der blauen Plakette für seine Geduld belohnt.

Die Übergabe wurde garniert mit ein paar warmen Worten: der Anweisung nämlich, die Blaue nicht etwa wie die Grüne einfach von innen an die Frontscheibe zu pappen. Nein, diese spezielle Plakette müsse auf die Heckscheibe, und zwar von außen. Zu beachten sei aber, erfuhr Herr Krickel von den Experten, dass das Pickerl nicht vom Scheibenwischer erwischt werde. Sie könne sich sonst lösen. Der Grund für die extravagante Anbringung? Die konnte Herrn Krickel bislang niemand erklären. Dennoch: Glücklich und fast geräuschlos machte er sich in seinem Elektroauto auf den Heimweg.

Nun war Herrn Krickel natürlich schon aufgefallen, dass auf den Schildern zur Umweltzone zwar rote, gelbe und grüne Plaketten abgebildet sind, seine blaue aber fehlt. Sorge trieb ihn um, dass ihm vielleicht gar nicht erlaubt sei, mit seinem Elektroauto und dem blauen Aufkleber auf der Heckscheibe in die Aachener Umweltzone hineinzufahren.

Also wandte er sich in seiner Not an die Stadt mit der Frage, ob er mit seiner blauen Plakette rein darf, ob die Schilder in naher Zukunft ein Update mit blauer Plakette bekämen, oder er sich gar um eine Sondergenehmigung bemühen müsse?

Fragen, für die nebenbei bemerkt nicht in vollem Umfang die städtische Straßenverkehrsbehörde, sondern in Teilen das städteregionale Straßenverkehrsamt der korrekte Ansprechpartner ist. Aber das konnte Herr Krickel nicht wissen. Die Erzählung über die Feinheiten von Fachamt und Unterer Aufsichtsbehörde und wann wer was unterhalten darf, wollen wir uns jedoch für einen kalten Winterabend aufsparen.

Die städtische Straßenverkehrsbehörde war jedenfalls so nett, Herrn Krickel weiterzuhelfen. In der elektronischen Post fand er eine Antwort mit der Einleitung: „Die blaue Plakette, die Sie vom Straßenverkehrsamt der Städteregion Aachen erhalten haben, steht nicht in Zusammenhang mit der Umweltzone und ersetzt nicht die Verpflichtung einer grünen Plakette.

Um in die Umweltzone einzufahren, brauchen Sie also in jedem Fall noch zusätzlich eine grüne Plakette, die hinter der Windschutzscheibe anzubringen ist.“ Darüber war Herr Krickel gar nicht mal so begeistert.

Die blaue Plakette, die nun auf Herrn Krickels Heckscheibe pappt — keinen Meter über dem Schriftzug „Electric drive“ und gleich neben einem großen stilisierten Netzstecker auf der Seite — soll den Wagen als Elektroauto erkennbar machen. Deutsche E-Autos können zu diesem Zweck das sogenannte E-Kennzeichen bekommen, ausländische ersatzweise die blaue Plakette.

Damit dürfen sie dann Vergünstigungen in Anspruch nehmen (in manchen Städten zum Beispiel Fahren auf der Busspur oder kostenloses Parken). Für Herrn Krickel bleibt der Nutzen seiner eigentlich nicht gewollten blauen Plakette allerdings überschaubar ... in Aachen gibt es solche Vergünstigungen nämlich nicht. Gekostet hat die Blaue 11 Euro. Für ein Teil, dass auf seinen augenscheinlich mäßigen Zierwert reduziert werden muss, ist das ordentlich.

Das Ende der Geschichte von Herrn Krickel und seiner Plakette muss an dieser Stelle leider vorläufig offen bleiben. Ein grünes Exemplar besitzt er bislang nicht. Die Stadt Aachen hat sich in dem Fall nun erst einmal an die Bezirksregierung gewandt ...

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