Aachen: Damit eine gute OGS keine Glückssache ist

Aachen : Damit eine gute OGS keine Glückssache ist

„Ab und zu ein neues Spiel vielleicht.“ So bescheiden können Kinderwünsche mit Blick auf den Offenen Ganztag sein. Mehr Materialien, Ruheräume und ausreichend Platz für Sport sind weitere Wünsche, die die Kinder in Aachen und der Städteregion aufgeschrieben haben.

Bei einem Smartmob am Elisenbrunnen machten sie nun gemeinsam mit Eltern und Erzieherinnen auf die ihrer Meinung nach unzureichenden Rahmenbedingungen der Offenen Ganztagsschulen (OGS) aufmerksam.

Sie tanzten und sie sangen, um ihren Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen. „Gute OGS darf keine Glückssache sein“ lautet der Wahlspruch der landesweiten Kampagne. Etwa 900 Eltern, Erzieherinnen und Kinder aus Aachen und der Städteregion hatten sich vom Regen nicht abschrecken lassen und waren der Einladung zur Abschlussveranstaltung am Elisenbrunnen gefolgt.

Mit dieser Resonanz zeigte sich Nathalie Schneider vom Verein Betreute Schulen mehr als zufrieden. Am 12. Juli sollen die Forderungen des Offenen Ganztags aus ganz NRW der Landesregierung in Düsseldorf übergeben werden.

„Die OGS haben eine gute Außenwirkung“, sagt Nathalie Schneider. So hätten die Fragebögen, die die Eltern im Vorfeld ausgefüllt haben, ergeben, dass sie mit der Ganztagsbetreuung zufrieden sind, sagt sie weiter. Aber die Organisatoren, also die Freien Wohlfahrtsverbände, haben gleich eine ganze Reihe von Forderungen: Sie verlangen die Festlegung von einheitlichen Standards, höhere Etats, eine einheitliche Förderung in ganz NRW, eine gesetzliche Regelung und Ausbauprogramme, um den Kindern kindgerechte Lern-, Spiel und Lebensräume bieten zu können.

Die NRW-weite Kampagne startete bereits im März in Essen und sollte sich wie ein Lauffeuer im ganzen Land verbreiten. Nach verschiedenen Aktionen auch in der Städteregion kam die Kampagne nun nach Aachen. Nathalie Schneider und Stefanie Koszucki, Verein Betreute Grundschulen, zeigen sich mit Blick auf den geplanten Besuch bei der Landesregierung in Düsseldorf optimistisch. „Wir haben auch schon erste Gespräche mit Politikern geführt“, sagt Schneider.

„Ein besonderes Problem ist die Finanzierung der Fachkräfte“, meint sie weiter. Die Personalkosten seien in den letzten Jahren um 25 Prozent gestiegen, und es gebe bislang keine finanzielle Deckung für diese Mehrkosten. Die fünf großen Wohlfahrtsverbände (AWO, Caritas, Rotes Kreuz, Der Paritätische und Diakonie) fordern deshalb gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde eine zukunftssichere Finanzierung des Offenen Ganztags. Mit der jetzigen Finanzierung sei ein qualitativ hochwertiger Ausbau der OGS wie von der Landesregierung ausdrücklich gewünscht nicht finanzierbar, sagen sie.

„Offene Ganztagsschulen sollten ein umfassendes und ganzheitliches Angebot für alle Schüler bieten“, meinen sie weiter. „Und damit sie diesem Anspruch auch gerecht werden können, braucht der Offene Ganztag entsprechende Förderung und Unterstützung“, sagen alle Beteiligten.

Die Kinder ihrerseits ließen sich nicht zweimal bitten: Beim Smartmob versammelten sich in der Rotunde des Elisenbrunnens und tanzten für den guten Zweck. Und unter freiem Himmel hatte sich trotz des Regens eine Gruppe von Eltern und Erzieherinnen formiert, die für alle sichtbar den selben Tanz vorführte.

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