Aachen: Dahmengraben: Mehr Ideen statt Verbote

Aachen: Dahmengraben: Mehr Ideen statt Verbote

Das Schreiben von der Stadt ist für Malu Wilz nur der Tropfen ins schon übergelaufene Fass. Kürzlich kam es in ihr Kosmetikstudio am Dahmengraben geflattert: Die definitive Ablehnung einen Passantenstopper, also eines Werbe-Aufstellers vor ihrem Geschäft.

Die Begründung: In Marktnähe seien solche Schilder verboten. „Das ist kann ja nur eine sehr alte Regelung sein, als das hier noch eine 1-A-Lage war“, empört sich Wilz. „Aber das ist lange her.“

Kein schöner Anblick: Einige Ladenlokale wie diese stehen am Dahmengraben schon lange leer, mit entsprechenden Folgen. Foto: Ralf Roeger

Stattdessen, findet die Geschäftsinhaberin, ist der Dahmengraben in den vergangenen Jahren von der Trend- zur Trauermeile verkommen — mit Leerständen, die das Straßenbild prägen und potenzielle Kunden vertreiben. „Mein Werbeschild sieht doch schön aus und wertet die Straße auf“, sagt Wilz. „Aber anstatt so etwas zu begrüßen, wird es verboten. Dabei machen andere Dinge das Erscheinungsbild hier wirklich hässlich.“

Damit meint sie neben leeren Läden — zwei liegen direkt gegenüber ihrem Geschäft und sehen tatsächlich recht verfallen aus — wild abgestellte Fahrräder sowie Müll und Dreck. Zwar habe die Stadt — auf Kosten der ansässigen Geschäftsleute — hübsche Blumenkübel installiert. Aber im Großen und Ganzen fühlt sich Wilz von den Behörden allein gelassen.

„Klar, die Stadt kann letztendlich nichts gegen die Leerstände tun“, sagt sie. Derzeit sind fünf Lokale ohne Mieter. „Aber ich würde mir mehr Unterstützung wünschen, Ideen, um das hier aufzuwerten.“ Wilz‘ Vorschlag: Leere Lokale mit Flächen versehen, auf denen Künstler gestalterisch tätig werden können. Dazu würde sie selbst mit den Haus-Eigentümern Kontakt aufnehmen. Und in Sachen Passantenstopper wünscht sie sich mehr Kulanz.

Zumindest letztere Hoffnung muss Rita Klösges vom Presseamt gleich zerstören: „Die Stopper sind seit 2006 innerhalb des Grabenrings, auf der Pontstraße und auf dem Adalbertsteinweg verboten, damit ein einheitliches Erscheinungsbild gewährleistet ist. Da gibt es keine Ausnahmen.“ Die Stopper hatten sich vor 2006 flutartig ausgebreitet und versperrten häufig Fußgängern im Weg. Bei wild geparkten Fahrrädern gibt es laut Klösges am Dahmengraben keinen Schwerpunkt. „Trotzdem wird der City-Service hier noch mal ein Auge drauf halten.“

Beim Thema Leerstände sei der Einfluss der Stadt dagegen leider begrenzt. Denn die Eigentümer würden entscheiden, an wen und zu welchem Preis sie vermieten. „Allerdings ist unsere Wirtschaftsförderung mit allen Beteiligten im Gespräch und versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Auch gebe es immer wieder Ideen, „aber das hapert schon mal an der Beteiligung.“ In jedem Fall sei die Wirtschaftsförderung der richtige Ansprechpartner für frustrierte Ladeninhaber. „Die Mitarbeiter haben da ein offenes Ohr.“

Auch für Malu Wilz. Die will aber erstmal an ihrer eigenen Verschönerungsaktion festhalten. Heißt: Den Passantenstopper wird sie nicht wegnehmen — auch wenn dann demnächst ein „Knöllchen“ ins Kosmetikstudio flattert.