Aachen: Da knallen die Sektkorken: GeWoGe fährt Rekordgewinne ein

Aachen: Da knallen die Sektkorken: GeWoGe fährt Rekordgewinne ein

Während rundum von Krise, Krise, Krise geredet wird, meldet die GeWoGe AG ein historisches Ergebnis: Noch nie in der immerhin seit 1891 andauernden Geschichte des Wohnungsunternehmens gab es einen solchen Bilanzgewinn wie im Jahr 2008.

Fast senkrecht schnellte der Überschuss (nach Steuern) von 1,33 Millionen auf 4,34 Millionen Euro nach oben. Bei der Hauptversammlung wurde jetzt beschlossen, 2,8 Millionen Euro als Dividende auszuschütten.

Preiswerte Unterkünfte

Das lässt vor allem bei der Kämmerin die Korken knallen, denn mit rund 60 Prozent der Aktien ist die Stadt Aachen nach wie vor Hauptanteilseignerin bei der GeWoGe (den größten Teil vom Rest hält die Sparkasse).

Der warme Geldsegen aus der Kleinmarschierstraße tut dem ewig darbenden Haushalt natürlich gut, aber auch sonst kann man sich in Rat und Verwaltung über die Geschäftspolitik der GeWoGe nicht beklagen: Auch in Zukunft steht das Unternehmen bereit, um eine ganz wichtige Arbeit zu leisten - preiswerte Unterkünfte auch für solche Bevölkerungsgruppen vorzuhalten, die, so Vorstand Bernd Botzenhardt, „einen erschwerten Zugang zum Wohnungsmarkt haben” - die es also nicht so dicke haben im Portemonnaie.

Botzenhardt, der neue Mann an der Spitze der GeWoGe, wies denn auch vor der Presse darauf hin, dass nicht Gewinnmaximierung das vorrangige Ziel der Anstrengungen sei, sondern ein auf Gemeinnützigkeit und soziale Orientierung abzielendes Wirtschaften. Der Chef von derzeit 142 Mitarbeitern (darunter 90 Minijobber): „Wir tragen zur Stabilisierung ganzer Wohnquartiere bei”â was sich sehr förderlich auf das gesellschaftliche Klima einer Stadt auswirke.

Gisela Schmitt (Grün), Vorsitzende des Aufsichtsrats, lobte sehr, dass die GeWoGe die Stadt Aachen bi der Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum so vorbildlich unterstütze - und dann auch noch einen so ansehnlichen Scheck ausstelle. Immerhin gehörten 60 Prozent des Bestands noch immer in die Kategorie sozialer Wohnungsbau - und es sei nicht auszuschließen, dass sich der Bedarf in diesen schwierigen Zeiten wieder erhöhe.

Dass es 2008 einen Rekordgewinn gegeben hat, ist in erster Linie auf Zurückhaltung beim Investieren zurückzuführen - es war ein Jahr des Überlegens, der Marktbeobachtung, der Neuaufstellung. Nur ein größeres Sanierungsprojekt stand auf dem Programm, während es in diesem Jahr schon wieder fünf sind (das größte im Bereich Henrici- und Kavenstraße, wo auch die kleinen Wohnungen alle ihren eigenen Balkon erhalten). Botzenhardt ist jedoch überzeugt davon, auch in Zukunft Überschüsse auf hohem Niveau erzielen zu können, auf Dauer werden um die drei Millionen Euro angestrebt.

Die GeWoGe, die fast 4600 eigene Wohnungen bewirtschaftet und 3200 andere verwaltet, womit sie Branchenprimus in der Region ist, will in den kommenden Jahren wieder mächtig aufdrehen, was die Investitionen angeht. Schon 2009 gehen 8,5 Millionen Euro in den eigenen Bestand, bis 2013 sollen es insgesamt 43 Millionen Euro werden. Laut Unternehmensspitze ein sicheres Zeichen dafür, dass Verkaufsabsichten nicht bestehen.

Zurzeit rüstet sich die GeWoGe für die Herausforderungen, die die gigantischen Campus-Projekte der RWTH auch für die eigene Adresse bereithalten. Erwartet wird erhöhte Nachfrage aus Reihen der Studenten, denen man kleinere Wohneinheiten präsentieren will, „die ordentlich ausgestattet sind, aber nicht die Welt kosten” (Botzenhardt). Gleichzeitig wird der Campus natürlich viele Arbeitsplätze für Besserverdienende anbieten, so dass die GeWoGe auch im „höherpreisigen Segment” Angebote machen will, ganz im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten. Gisela Schmitt: „Wir müssen auch für eine zahlungskräftige Klientel planen.”

Und die Krise, ist sie im Beritt der GeWoGe überhaupt nicht angekommen, immerhin nahm der ganze Kladderadatsch im Immobilienbereich seinen Anfang. „Nicht betroffen”, sagt der Vorstand zum Thema, allerdings müsse dies nicht für alle Zeiten gelten. Wenn nämlich der wirtschaftliche Abschwung solche Formen annehme, dass Teile der Mieterschaft Probleme beim Entrichten der Miete bekämen, dann sei man natürlich ganz direkt betroffen. Botzenhardt: „Momentan ist da aber nichts spürbar.”

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