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Aachen: Cybermobbing: Plötzlich ist dieses Foto im Netz

Aachen : Cybermobbing: Plötzlich ist dieses Foto im Netz

Lisa malträtiert mit dem Messer einen Kohlkopf, und Jonas steht kurz davor, zu explodieren: Ein roter Luftballon auf der Leinwand zeigt seine Stimmungslage. Beide wurden Opfer von Cybermobbing und stehen plötzlich ganz alleine da, sind wütend. Was tun?

Das ist auch die Frage, die das Schauspielerteam von „Alles kaputt“ im Anschluss an die Aufführung im Einhard-Gymnasium stellt. Im Publikum sitzen Schüler aus der siebten Klasse. „Jede Schule wird mit dem Thema Mobbing konfrontiert“, meint Miriam Trutnau, Beratungslehrerin am Einhard. „Und jede Schule muss ihr eigenes Konzept finden, um dagegen anzugehen.“ Von dem Theaterstück ist sie begeistert. „Sie haben das brillant gemacht“, lobt sie die Theaterpädagogen Jan Savelsberg, Marion Kaeseler und Philipp Maurer. Die beziehen die Schüler in ihr Stück ein und fragen sie nach ihrer Meinung. Dass viele glauben, die Erwachsenen könnten ihnen in einer solchen Situation nicht helfen, wollen sie so nicht stehen lassen.

„Recht am eigenen Bild“

Sie geben den Jugendlichen einige Regeln mit auf den Weg: „Setzt euch füreinander ein, geht sensibel mit dem Thema um und achtet das ,Recht am eigenen Bild‘“. Dass Lisa ihrem Schwarm ein Foto schickt, auf dem sie in engem, sexy Kleid posiert, wird ihr zum Verhängnis. Denn Benni nimmt das Foto, verfremdet es und stellt es einfach ins Netz: Aus Lisa wird eine „Schlampe, die es mit jedem treibt“. Und Jonas gerät in den Verdacht, schwul zu sein. Auch hier ist der Ausgangspunkt ein Foto, das ein Freund gegen seinen Willen in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Keine Frage: Das Stück geht unter die Haut und erreicht die Jugendlichen auf emotionaler Ebene.

„Alles kaputt“ ist mit Unterstützung des Kommissariats für Kriminalprävention und Opferschutz der Kriminalpolizei entstanden. Und eine Vertreterin der Polizei zeigt im Anschluss auch die rechtliche Seite des Cybermobbings auf.

„Üble Nachrede, Verleumdung und Körperverletzung sind strafbar“, sagt sie, ebenso wie das Veröffentlichen von Bildern ohne Zustimmung des Fotografierten. Dennoch würden die Schüler die Polizei nicht unbedingt einschalten. „Man muss versuchen, es anders zu lösen“, meinen sie. Und das dann vielleicht doch mit Hilfe der Eltern und Lehrer. Gefragt ist in jedem Fall auch die Unterstützung der Mitschüler. „Wer schweigt, macht mit“, sagen die Theaterpädagogen und zeigen auf der Bühne, wie Schüler sich untereinander solidarisieren können. Und in einem sind sich eigentlich fast alle einig: Es ist kein Petzen, wenn man einen Erwachsen über einen Fall von Cybermobbing informiert.

Das Fazit der Beratungslehrerin fällt am Ende dann sehr positiv aus. „Über ein solches Theaterstück kommt man viel besser mit den Jugendlichen ins Gespräch als mit einem Vortrag“, sagt sie.