Aachen: „Critical Mass“: Radler fühlen sich schikaniert

Aachen : „Critical Mass“: Radler fühlen sich schikaniert

Es könnte kritisch werden für einige aus der kritischen Masse. Bei der letzten Radtour der „Critical-Mass“-Bewegung hat die Aachener Polizei Rotlichtverstöße dokumentiert, die nun „rechtlich geprüft“ werden sollen. Teilnehmer der Fahrt am vergangenen Freitag werten das als Schikane.

Die hiesigen Ordnungshüter seien „extrem radfahrfeindlich“ eingestellt, bemängelt einer, der am Freitag mitgeradelt ist, aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Für Franz (so sei er der Einfachheit halber genannt, sein wirklicher Name ist der Redaktion bekannt) bewege sich die Polizei „eindeutig im Bereich der Willkür und der Schikane, zumindest hat es ein hohes einschüchterndes Potenzial“.

Die gescholtene Behörde sieht das naturgemäß anders. Die Kritiker seien sich „der Tragweite ihres Fehlverhaltens offenbar nicht bewusst“, sagt Paul Kemen von der Pressestelle der Aachener Polizei. Etwa 60 Radfahrer waren nach Polizeiangaben an Freitagabend unterwegs von der Peterstraße über die Jülicher Straße und den Europaplatz, über den Adalbertsteinweg sei es dann wieder zurück in die Innenstadt gegangen.

„Im hinteren Bereich“, so Kemen, „wurden mehrere eklatante Rotlichtverstöße festgestellt.“ Doch als Verstoß werten die Teilnehmer die Missachtung einer roten Ampel wohl gar nicht. Die inzwischen weltweite Bewegung (Motto: „Wir behindern nicht den Verkehr, sondern sind Verkehr“) sieht ihre Aktionen im Einklang mit der Straßenverkehrsordnung.

Laut Paragraf 27 dürften mehr als 15 Radfahrer einen „geschlossenen Verband“ bilden, erklärt Franz, sie könnten dann in einer Zweierreihe nebeneinander fahren und somit einen Fahrstreifen belegen. Eine solche Kolonne gelte verkehrsrechtlich als ein Fahrzeug. „Das ist dann wie beim Long Wajong der Aseag“, sagt Franz.

Wenn der Fahrer des rund 25 Meter langen Busses eine Ampel bei Grün passiere und das Signal hinter ihm umspringe, gelte es auch nicht als Verstoß, dass womöglich zwei Drittel des Doppelgelenkbusses bei Rot über die Kreuzung rollen. Die Radler im „hinteren Bereich“ der Critical Mass seien demnach ebenso zu betrachten wie das Heck eines langen Linienbusses.

Doch für die Aachener Polizei handelte es sich am vergangenen Freitag um Radfahrer, die rote Ampeln missachteten. „Dieses Fehlverhalten können und dürfen wir nicht dulden“, sagt Kemen. Die Beamten hätten deshalb „zu deren Schutz“ die Radtour weiter begleitet, um „weitere Gefährdungen und Unfälle zu verhindern“. Außerdem sei „zur Beweissicherung“ fotografiert und gefilmt worden.

Für einen weiteren Teilnehmer, der ebenfalls in der Zeitung nicht namentlich genannt werden will und deshalb hier einfach Fritz heißen soll, hat sich das etwas anders angefühlt. „Die Polizei hatte nicht die Absicht, uns zu schützen, sondern uns zu filmen“, sagt er.

Fritz leitet das unter anderem aus der Position der Streifenwagen ab, die entgegen der Fahrtrichtung gehalten hätten, damit die in den Fahrzeugen installierten Videokameras alles in den Blick nehmen konnten. Das sei den Beamten wichtiger gewesen als etwa an Kreuzungen den Querverkehr zum Schutz der Radler zu unterbinden.

Allerdings hätten es die Teilnehmer auch selbst geschafft, an Einmündungen zu „corken“, also den Verkehr zu stoppen. Und obwohl Fritz einmal von einem aufgebrachten Fußgänger geschubst wurde, hat er die Tour als „friedliche Veranstaltung“ in Erinnerung, Doch das stille Eintreten für die Interessen der Radler hat nun womöglich ein Nachspiel.

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