Aachen: Couvens Gartenhaus soll „Raum der Stille“ werden

Aachen : Couvens Gartenhaus soll „Raum der Stille“ werden

Für Touristen und Kurgäste ist es ein beliebtes Fotomotiv, für Aachener ein vertrauter Anblick: das Gartenhaus Nuellens am Rand des Burtscheider Kurparks. Wer auf der Kurbrunnenstraße aus Richtung Normaluhr kommt, sieht den kleinen Pavillon rechter Hand unter großen Bäumen stehen.

Geht es nach Rolf-Leonhard Haugrund und Professor Luc Merx, dann wird in der wechselvollen Geschichte des Nuellens-Pavillons bald ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der Vorstand der Katholischen Stiftung Marienhospital und der Aachener Architekt, Professor für Kontingenz der Gestaltung an der TU Kaiserslautern, schmieden nämlich große Pläne: Das Häuschen soll nach Jahrzehnten wieder eine Funktion bekommen — als „Raum der Stille“ für die Gäste der Reha-Klinik An der Rosenquelle. Nun werden Spender und Sponsoren gesucht.

Das Bauwerk ist in seiner wechselvollen Geschichte mehrfach umgezogen. Der Aachener Baumeister Johann Joseph Couven (1701 bis 1763) entwarf den kleinen Gartenpavillon Ende der 1730er Jahre. Zunächst war er Teil einer prächtigen Stadtvilla unweit des Elisenbrunnens. Rund 100 Jahre später wurde aus Villa samt Pavillon das Hotel Nuellens, daher der Name Nuellens-Pavillon. 1927 kam das Haus als Schenkung in den Besitz der Stadt Aachen, die es an den Seilgraben versetzen ließ, wo im Haus Fey das erste Couven-Museum der Stadt entstand. Haus Fey wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, das Couvensche Gartenhaus aber blieb heil, wanderte zunächst in Einzelteilen ins Depot und wurde in den 1960er Jahren in den neu konzipierten Burtscheider Kurpark integriert.

Dort steht es noch heute, ganz am Rand der Anlage, nur ein paar Meter von der Kurbrunnenstraße entfernt. Die Rosenquelle kam 2003 ins Spiel. „2002 übernahm das Marienhospital als neuer Träger die Reha-Klinik“, erinnert Haugrund. „Und am 1. Februar 2003 haben wir mit der Stadt Aachen einen Überlassungsvertrag für den Couven-Pavillon geschlossen.“

Das Marienhospital darf den Pavillon 20 Jahre lang nutzen und kümmert sich dafür um Unterhaltung und Verkehrssicherheit des Baudenkmals. Das Schieferdach wurde bereits erneuert. Mittlerweile gehört der Pavillon zum eingezäunten Gelände der Reha-Klinik und ist auch nur noch von dort aus zugänglich. „Leider gab es immer wieder Fälle von Vandalismus und Farbschmierereien“, erklärt Haugrund.

Eigentlich ist das gerade mal 20 Quadratmeter große Gartenhaus seit Jahrzehnten eine Mogelpackung. Die Außenhaut, sorgfältig restauriert mit Blausteinplatten und Holzschnitzereien, ist eine Augenweide. Innen drin aber ist — nichts. Nicht mal ein Fundament ist vorhanden. Der Boden besteht aus gestampftem Lehm, die Wände aus unverputztem Bimsstein. Architekt Merx findet diesen Gegensatz äußerst spannend. „Der Pavillon ist nur noch eine Außenhülle, lieblos im Park weggestellt“, sagt er. „Zwei Mal ist das Gebäude wie ein Möbelstück ab- und anderswo wieder aufgebaut worden.“

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Rokokorelevanz“, an dem er beteiligt ist, will Merx einen Innenumbau für das Häuschen entwerfen. „Rokokorelevanz“ verbindet seit 2001 die Frage nach der Wechselwirkung zwischen neuen Entwurfs- und Produktionsmethoden mit der Erkundung von historischen Bezügen, vor allem aus dem 18. Jahrhundert. Johann Joseph Couven spielt da eine zentrale Rolle.

„Respekt vor dem Erbe Couvens“ und die Einbindung in die Reha-Klinik möchte Merx unter einen Hut bringen. Ein Wohnzimmer im Grünen, einen Ort zum Innehalten und Durchatmen, sähe Haugrund hier gerne verwirklicht. „Das ist wichtig für die Menschen, die zu uns in die Reha kommen. Denn sie befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation.“ Auch Bruder Samuel, der sich in der Reha-Klinik ehrenamtlich um das seelische Wohl der Patienten kümmert, findet, dass die Rosenquelle einen „Raum der Stille“ gut gebrauchen könnte.

An Ideen mangelt es nicht. Luc Merx‘ Studenten haben sich bereits Gedanken gemacht, wie der Pavillon eingerichtet werden könnte. An Geld für das Projekt allerdings fehlt es. Die Stiftung Marienhospital könne den Umbau nicht bezahlen, sagt Haugrund. „Seit der Übernahme 2002 haben wir rund 4,5 Millionen Euro in das Klinikgebäude gesteckt, für die rückwärtige Fassadensanierung nehmen wir nun wieder eine Million in die Hand.“ Gemeinsam mit Merx hofft er nun auf Spenden für das Couven-Projekt. „Mit 20.000 Euro kämen wir schon ziemlich weit.“ Merx berichtet, dass Firmen Interesse haben, das Forschungsprojekt mit Materialien zu unterstützen.

„Am 30. Juni 2016 endet meine Vorstandstätigkeit in der Katholischen Stiftung Marienhospital“, sagt Rolf-Leonhard Haugrund. „Ich würde mich freuen, wenn wir das Projekt bis dahin ein gutes Stück nach vorne gebracht haben.“