Couven Museum Aachen wird auf Vordermann gebracht

Museum wird saniert : Neues Make-up per Samthandschuh

Das Couven-Museum bleibt ab dem 1. Juli rund dreieinhalb Monate wegen einer Restaurierung geschlossen. Es soll einen neuen Anstrich, bessere Beleuchtung, ein neues Leitsystem geben – und ein Gratis-Bonbon zum Abschied.

Nein, eine Klimaanlage „verträgt“ das Haus am Hühnerdieb – anders als seine große Schwester, das Suermondt-Ludwig-Museum – noch immer nicht. Schon aus Denkmalschutzgründen wäre ein solches Projekt, wie es derzeit an der Wilhelmstraße realisiert wird, angesichts der rund 350 Jahre alten Bausubstanz dort praktisch nicht machbar, weiß Professor Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne.

Auch als Experten für historische Kleinodien aus den gediegensten Wohnstuben der Altvorderen müssen die Mitarbeiter des Couven-Museums das wohl so sehen – eiskalt. Auch wenn sie sich – als Menschen – angesichts wahrhaft tropischer Temperaturen dieser Tage wahrscheinlich etwas anderes wünschen. Von den Handwerkern ganz zu schweigen – jedenfalls, sofern der Öcher Wetterfrosch entgegen den Prognosen auch in den kommenden Wochen zu rekordverdächtigen Sprüngen ansetzen sollte. Denn Fakt ist: Bis Mitte Oktober werden im (so oder so) heiß geliebten barocken Schmuckkästchen der Stadt vor allem Pinsel der gänzlich profanen Art geschwungen.

Ab Montag, 1. Juli, sind allerdings erst einmal Samthandschuhe gefragt, erläutert Kuratorin Carmen Roebers beim kleinen Rundgang im Vorfeld der nächsten Aktion in Sachen Sanierung des vordem wahrscheinlich schönsten (ehemaligen) Geschäfts im Herzen der Altstadt, das der Apotheker Adam Coebergh ab 1662 erbauen ließ und das von Jakob Couven in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts im feinsten Barockstil umgestaltet wurde. Schließlich müssen all die feinen, teils fahrhundertealten Porzellanstücke aus der „bürgerlichen Sammlung“ behutsam verpackt, kostbare Vitrinen und antike Möbel vorsichtig verrückt werden, bevor Maler und Stuckateure anrücken, um Wände und Decken neu zu streichen und manchen Riss im historischen Mauerwerk zu beseitigen.

Neue Stromanschlüsse

75.000 Euro veranschlagen die städtischen Kunsthüter für die neuerliche „Ertüchtigung“. Denn zunächst sind auch die Elektrotechniker am Start. Im Erdgeschoss und auf der ersten Etage werden sogenannte Bodentanks für neue Stromanschlüsse installiert, um die Exponate noch besser ins Licht zu rücken. Zudem wird das Leitsystem gründlich umgestaltet, berichtet Carmen Roebers. „Wir möchten Silhouetten von zeitgemäß ausstaffierten Menschen aus den vergangenen Jahrhunderten aus Plexiglas aufstellen, die die Besucher mit Infotafeln in vier Sprachen begrüßen.“

So gehen schon einmal ein paar Monate ins Land, bis das exklusive Interieur sozusagen wieder in alter Frische bewundert werden kann. Denn immerhin liegt die letzte umfangreiche Restaurierung im Haus am Hühnerdieb auch schon wieder rund 20 Jahre zurück, weiß Pohle. „Aber natürlich haben wir auch in jüngerer Zeit immer wieder etliche Stücke restauriert.“ So erstrahlen zum Beispiel seit 2017 die historischen Kacheln im Fliesenzimmer wieder im neuen Glanz. Und erst im vergangenen Jahr sind die Fenster mit Schutzfolien gegen UV- und Infrarotlicht ausgestattet worden, um die historischen Objekte zu schonen.

Apropos Fenster: Übrigens kann man den aktuellen Fortschritt in Sachen Konservierung demnächst auch über die Facebook-Seite der Route Charlemagne verfolgen, verspricht der Museumschef. Und: Bevor das Haus am Hühnerdieb seine Pforten schließt, bleiben selbige zur Feier des Tages am kommenden Sonntag (10 bis 17 Uhr) für alle Besucher zum Nulltarif  geöffnet. Spenden sind freilich willkommen, denn auch weiterhin wartet so manches Schätzchen aus längst vergangenen Tagen – wie etwa die filigran gearbeitete fernöstliche Pagodenlampe aus dem Dachgeschoss –  auf eine Runderneuerung von kundiger Hand.

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