Aachen: Couven-Gymnasium ist „Schule ohne Rassismus“

Aachen : Couven-Gymnasium ist „Schule ohne Rassismus“

Gütesiegel und Zertifikate gibt es reichlich in der Schullandschaft. Das städtische Couven-Gymnasium hat am Freitag einen neuen Titel bekommen. Das Siegel ist der Schulgemeinschaft besonders wichtig. Und es ist eine Auszeichnung, die auch künftig viel Arbeit machen dürfte.

Das Couven-Gymnasium darf sich seit Freitag „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ nennen. Gemeinsam mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann überreichte Marita Gülpen vom kommunalen Integrationszentrum vier Schülervertretern die Urkunde. „Dieser Titel ist kein Pokal, den man sich in die Vitrine stellt“, betonte Gülpen. „‚Schule ohne Rassismus‘ ist eine Haltung, an der Ihr arbeitet.“ Die Schulministerin formulierte den Anspruch des Gütesiegels so: „Man muss es immer wieder mit Leben füllen.“

Löhrmann setzt sich seit langem dafür ein, Erinnerungskultur an den Schulen zu verankern und mit Leben zu füllen. Erinnerungskultur am Couven-Gymnasium ist spätestens seit Freitag offiziell mit dem Namen Fredy Hirsch verbunden. Im Rahmen eines Festakts am Abend wurde die Mensa der Schule nach dem ehemaligen Schüler, der im KZ Auschwitz umkam, in „Fredy-Hirsch-Forum“ umbenannt.

Und da die Stippvisite der Schulministerin schon am Nachmittag stattfand, wurde der neue Name auch in diesem Rahmen schon halb-offiziell verkündet und beklatscht. „Ich beglückwünsche die Schule“, sagt Löhrmann. „Das ist ein tolles Zeichen.“ Die Auseinandersetzung mit dem Leben Fredy Hirschs mache Geschichte plötzlich ganz konkret.

Geschichte ganz konkret vernahmen Schüler, Lehrer und Gäste an diesem Nachmittag aus dem Mund ihrer Ehrengäste, der Zeitzeugen, die aus Israel und Prag angereist waren, um Fredy Hirsch zu würdigen. Edith „Dita“ Kraus zum Beispiel. In der Hölle des Konzentrationslagers gehörte sie zu den Kindern, um die Fredy Hirsch sich kümmerte.

Edith Kraus sprach auch über Fredy Hirschs Tod in Auschwitz. Sie ist überzeugt: „Fredy hat nicht Selbstmord begangen. Er wäre nie in den Tod geflohen und hätte die Kinder verlassen.“ Zeugen hätten Jahrzehnte später erklärt, man habe Hirsch ein Schlafmittel gegeben, damit er nicht das Signal geben konnte für den geplanten Aufstand der Lagerinsassen. Denn den fanden manche Häftlinge zu gefährlich. Als Edith Kraus erzählte, war es still im Fredy-Hirsch-Forum. So still, wie es in einer Schulstunde selten vorkommt.

(mg)
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