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Coronavirus: Gabenzäune in Aachen

Engagement für Bedürftige : Aachen hängt Lebensmittel und Hygieneartikel an den Zaun

Sie hat im Fernsehen gesehen, dass in anderen deutschen Städten auf besondere Weise Spenden für Bedürftige gesammelt werden. Und Zoe Loos dachte: Das kann Aachen auch. Seit Donnerstag gibt es an mehreren Stellen in der Stadt sogenannte Gabenzäune.

„Ich hab’ die Idee aus dem Fernsehen“, verrät die junge Aachenerin Zoe Loos. In der Tagesschau habe sie gesehen, dass Menschen beispielsweise in Hamburg an sogenannten Gabenzäunen Lebensmittel und Hygieneprodukte in Tüten aufhängen. Wer etwas braucht, kann es sich mitnehmen. Profitieren sollen davon all diejenigen, die jetzt durch die durch das Coronavirus bedingte teilweise Schließung von Tafeln oder Suppenküchen in Bedrängnis geraten.

Zoe Loos war schnell klar, dass Aachen so etwas auch auf die Reihe bekommt. „Mir ist wichtig, dass wir diesen Menschen, die normalerweise bei der Tafel ihr Essen bekommen, zeigen, dass wir sie nicht vergessen“, sagt Zoe Loos. Auch diejenigen, die auf der Straße betteln, hat sie im Blick. „Da ja kaum noch jemand in der Stadt unterwegs ist, fehlt den Bettlern eine Einnahmequelle.“

Und da sie die Tochter von Marcus Loos ist, dem Inhaber des „Café Kittel“ an der Pontstraße. war für sie auch schnell klar, wo so ein Zaun entstehen kann. „Das Café Kittel in der Innenstadt war für mich der ideale Standort für diese Aktion“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Erstens liegt das Café sehr zentral und ist für jeden in der Innenstadt gut zu erreichen. Zweitens gibt es dort einen großen Zaun, den Zoe Loos regelmäßig überprüft.

Kekse und Obst: Ein weiterer Gabenzaun ist am Rehmplatz eingerichtet worden. Foto: Harald Krömer

Darauf legt auch die Stadt Aachen großen Wert. Auch der Krisenstab Stadt und Städteregion hat von den Gabenzäunen erfahren und sich dazu beraten. Grundsätzlich begrüßt die Verwaltung jedes Engagement, mit dem Mitmenschen geholfen werden soll. „Bei den Lebensmitteln ist aber wichtig, dass jemand ab und zu nach dem Rechten sieht“, erklärt Stadtsprecher Bernd Büttgens. Der Grund ist simpel: Durch verdorbene Lebensmittel soll niemand gefährdet werden, außerdem soll niemand Schindluder mit dem lieb gemeinten Engagement treiben und dort bloß Abfall hinterlassen.

Bislang ist Zoe Loos aber sehr zufrieden mit dem Zuspruch für ihr Projekt. Da hängen gut verpackte Lebensmittel, aber auch mal eine Flasche Cola, ein Regenschirm, Socken und Mützen. Gerade in den Sozialen Netzwerken ernten sie und das Team des Café Kittel viel Lob für die Einrichtung des Zauns. „Wir können euch zwar nicht unseren Service in unserem schönen Café bieten, dafür geben wir euch aber die Möglichkeit, Menschen zu helfen, die kein festes Zuhause haben“, schreibt das Kittel-Team auf seiner Facebook-Seite. Der Beitrag wurde bislang (Stand Freitag, 15 Uhr) mehr als 460 Mal mit einem „Like“ versehen, knapp 400 Mal geteilt und häufig kommentiert. Beispielsweise werden Ideen gesammelt, was man alles in eine Tüte packen kann: Etwa Obst, Saft in Trinktüten, Taschentücher oder Duschgel.

Einen weiteren solchen Gabenzaun gibt es übrigens am Rehmplatz. Auf einem kleinen Zettel steht, dass es bei der Aktion um Respekt für den Mitmenschen geht. Auch dort hängen am Freitag mehrere Tüten mit Bananen, Äpfeln und Keksen, garniert mit netten Wünschen an denjenigen, der die Tüte in Empfang nimmt: „Bleib gesund und guten Hunger!“