Aachen: Container in Burtscheid haben bald wieder ausgedient

Aachen : Container in Burtscheid haben bald wieder ausgedient

Nichts hält so lange wie ein Provisorium, heißt es landläufig. Aber so soll es an der Karl-Marx-Allee ausdrücklich nicht sein. Bis zum Herbst 2018, so die Zielvorgabe, will das Zentrum für soziale Arbeit (ZfsA) in Burtscheid seine dort aufgestellten mobilen Wohnunterkünfte für junge Flüchtlinge wieder schließen und abbauen lassen.

Die Planungen zeugen davon, dass die Zahlen der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge weiterhin insgesamt rückläufig sind und sich die Wohnsituation wieder deutlich entspannt hat. Lars Adam, kaufmännischer Vorstand des ZfsA, betont allerdings auch, dass die Gruppen in seiner Einrichtung weiterhin voll belegt sind. Weil die evangelische Jugendhilfeeinrichtung in Burtscheid jedoch kurz davor steht, zwei Wohnhäuser anzumieten, werden die Wohncontainer in absehbarer Zeit wohl ausgedient haben.

Im November 2014 sind sie an der Karl-Marx-Allee aufgestellt worden, wo sie von Anfang an nur als Notlösung betrachtet wurden. Jedes Modul mit seinen 14 Quadratmeter großen Zimmern konnte mit zwei Bewohnern belegt werden. „Suboptimal“ nennt Adam das, und so will das ZfsA nun möglichst schnell wieder zu den üblichen Standards zurückkehren, in denen jedem Bewohner mindestens zwölf Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Die zwei zusätzlichen Häuser, die in Kürze angemietet werden sollen, bieten die Voraussetzung für einen größer angelegten Ringtausch für die unterschiedlichsten Bewohnergruppen, zu denen neben den minderjährigen Flüchtlingen auch weitere schutzbedürftige Jungen- und Mädchengruppen zählen. Von den insgesamt rund 60 jungen Flüchtlingen, die das ZfsA betreut, können bislang bis zu 25 in den Containern untergebracht werden. Weitere leben in einem größeren Objekt in Zweifall sowie an der Salierallee und im Haupthaus am Branderhofer Weg.

Durch die Aufgabe der Container hofft Adam, den Jugendlichen nicht nur bessere Standards bieten, sondern auch Kosten sparen zu können. Denn vor allem zu Zeiten des großen Flüchtlingsandrangs vor zwei bis drei Jahren stieg die Nachfrage nach Wohncontainern immens — und damit stiegen auch die Kosten. Teils wurden bis zu 30 Euro pro Quadratmeter monatlich verlangt.

Stadt geht auf Nummer sicher

Ganz verzichten kann und will man auf die Container in Aachen jedoch noch nicht, wie Rolf Frankenberger für die Stadt Aachen erklärt. Der Leiter des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration will vor allem die 104 Wohnboxen an der Adenauerallee noch mindestens das ganze nächste Jahr über behalten. Die vielen dort vorhandenen Einzelapartments hätten sich als ideal für besonders schutzbedürftige Personen erwiesen, zu denen er unter anderem schwangere und alleinerziehende Frauen mit Kindern zählt. Auch die anfänglich in der Nachbarschaft verbreitete Skepsis habe sich längst in eine positive Grundstimmung verwandelt, sagt er, so dass vorerst nichts gegen die weitere Nutzung spricht.

Allerdings ist auch die Anlage an der Adenauerallee nur eine Einrichtung auf Zeit, wie Frankenberger betont. „Ende nächsten Jahres werden wir auch über die weitere Zukunft und eine Folgenutzung des Grundstücks nachdenken müssen.“ Übergangseinrichtungen und Massenunterkünfte wie jene an der Adenauerallee werden trotz gesunkener Flüchtlingszahlen vorerst weiterhin benötigt, betont er. Knapp 800 Menschen leben derzeit in solchen Unterkünften in Aachen, etwa zwei Drittel der vorhandenen städtischen Kapazitäten sind damit belegt. „Wir brauchen auch Reserven“, sagt Frankenberger, denn niemand kann vorhersagen, ob sich die Lage nicht auch schnell wieder verändert.

Die Wohnboxen an der Adenauerallee sind 2016 errichtet und im Juni diesen Jahres erstmals bezogen worden. Aufgegeben wurden dafür die Räumlichkeiten der alten Schule an der Franzstraße und die Wohnmodule auf dem Gelände der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne, die inzwischen wieder von der Bundeswehr genutzt werden. Sollte jedoch ein erneuter Flüchtlingszustrom einsetzen, könnten auch diese schnell wieder von der Stadt in Anspruch genommen werden.

Als Grenzkommune ist Aachen durch neu ankommende Flüchtlinge besonders belastet — was insbesondere auch für die Zahl der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge gilt. Der Trend aber ist eindeutig rückläufig, wie Björn Gürtler vom Presseamt mitteilt. Während Ende letzten Jahres noch 582 junge Flüchtlinge im Stadtgebiet registriert waren, sind es derzeit mit 436 jungen Flüchtlingen knapp 150 weniger.

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