Aachen: Comiciade: Gipfeltreffen der Comic-Stars

Aachen: Comiciade: Gipfeltreffen der Comic-Stars

Batman spricht mit Popeye, Donald Duck witzelt mit Jommeke, und in einer anderen Ecke trifft Karl der Kleine auf Thor: So ungefähr könnte es am ersten Aprilwochenende auf der Jülicher Straße zugehen.

Denn mit „Boom!“ und „Wow!“ nimmt die Comiciade, Aachens erstes Comic-Fest, am Freitag, 4. April, und am Sonntag, 5. April, Einzug in das Ludwig-Forum, die Pfarre St. Elisabeth und das Atelier Lake.

Neben internationalen Künstlern, Comic-Händlern und -Verlegern haben sich auch rund 100 Cosplayer angekündigt. Cosplay, so nennt sich ein japanischer Verkleidungstrend, bei dem die Kostümierten Comic- und Mangahelden verkörpern. Comics sind schon längst nicht mehr nur Heftchen und Helden, mit denen viele Menschen groß werden, sie stehen heute für erschaffene Welten, Kritik und Kreativität.

Ein erster kreativer Vorgeschmack auf die Comiciade entpuppt sich als echte Augenweide: Gwendolin, eine Figur aus dem bekannten Computerspiel „Odin Sphere“, verkörpert von Cosplayerin Lani Riddle, ist zur Pressekonferenz gekommen. Hunderte Comics von den Simpsons über Willy Brandt und Asterix und Obelix sind auf dem Boden verteilt. Dem Ludwig-Forum steht die Comicwelt jedenfalls gut.

Hand in Hand: Comics und Pop Art

„Die Idee ist ungemein reizvoll, und wir freuen uns sehr, diesem Fest einen Raum geben zu können“, sagt Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig-Forums. „Comics und Graphic Novels haben sehr viel mit zeitgenössischer Kunst und Pop Art zu tun, weil sie genauso auf politische und gesellschaftliche Ereignisse reagieren“, fügt sie hinzu. Die Comiciade soll ein Ereignis werden, bei dem die Künstler und Schöpfer hautnah in ihren Kreativphasen erlebt werden können.

„Die Leute können dann ihre Comics mitbringen, und der Künstler oder die Künstlerin wird es mit einer kleinen Zeichnung signieren. So kann man dann auch etwas von der Comiciade mit nach Hause nehmen“, sagt Organisator Alexander Samsz begeistert. Gegenüber vom Lufo, auf der anderen Seite der Jülicher Straße, wird im Atelier Lake der Verbindung von Graffiti und Comic nachgegangen. In St. Elisabeth präsentieren sich die Aachener Comic-Zeichner und Special Guests und zeigen, wie die Farbe ins Comic kommt.

Schon vor ein paar Jahren schwirrte Organisator Alexander Samsz die Idee eines Comic-Festes im Kopf herum. Zur Umsetzung holte er sich dann die Interessengemeinschaft Aachener Portal mit Jommeke-Verleger Mario Wagner im Vorsitz und ein ganzes Organisationsteam ins Boot. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Marcel Philipp übernommen. Gefördert wird das Projekt vom Verfügungsfonds Aachen-Nord im Rahmen des Bund-Länder Programms Soziale Stadt.

Vom Blatt zur Geschichte

Insgesamt besteht die Comiciade aus drei Stufen. Die Erste hat bereits im Januar mit Workshops begonnen. Der Graffitikünstler „Lake“, Lars Kesseler im wahren Leben, bietet einen Kurs zum Thema „Was hat Graffiti mit Comic zu tun?“ an, und Lani Riddle lädt zu einem Cosplay-Gestaltungskurs ein. „Als zweite Stufe wird der bekannte, aus Aachen stammende Disney-Zeichner Ulrich Schröder als Stargast schon in der Woche vor dem eigentlichen Fest sein Kreativ-Lager aufschlagen“, sagt Alexander Samsz. Anhand seiner ausgestellten Zeichnungen soll zu erkennen sein, wie ein Comic von der ersten Skizze bis hin zur getuschten Zeichnung entsteht.

Ab Montag, 31. März, können Interessierte ihm über die Schulter schauen. Die dritte Stufe wird dann das große Finale der Comiciade sein. Neben Lesungen und Heiner Lünstedts berüchtigtem Comic-Café, das bis spät in die Nacht offen sein wird, gibt es unter anderem Signier-Stunden, einen Cosplay-Contest und Präsentationen von Verlagen.

Stargäste sind dann unter anderem Philippe Dezenne und Gerd van Look, die Schöpfer von Jommeke, Roger Langridge aus Neuseeland, dem schon Popeye, die Muppets und Thor aus der Feder flossen, oder David Boller, der Spider Man zum Leben erweckte. Anlässlich der Comiciade arbeitet Karl der Kleine-Schöpfer Alfred Neuwald an einem neuen Buch. „Das passt alles wirklich prima auch mit dem Karlsjahr zusammen“, sagt er. Am 6. April folgt der Familiensonntag mit Kinder-Comic-Flohmarkt und Kinder-Comic-Zeichnungen.

Donald Duck in Action

Parallel dazu wird am Vorabend der Comiciade, am Donnerstag, 3. April, um 18 Uhr die Ausstellung „Duckworks“ mit Disney-Zeichnungen von Ulrich Schröder und Daan Jippes eröffnet, sie läuft dann bis zum 11. Mai.

„Es ist schon ein großes Rad, das wir da drehen“, sagt Mario Wagner. Aber eigentlich liege der Gedanke, so ein Fest zu veranstalten, ziemlich nahe. „Wir sind hier direkt neben den Mutterländern des Comics, Belgien und Frankreich, wo Millionenauflagen von Comics gedruckt werden“, fügt er hinzu. Viele Comiczeichner finden vor allem diese Grenzsituation sehr spannend und freuen sich auf einen internationalen Austausch, schließlich werden Künstler aus allen Teilen der Welt bei der Comiciade zusammenfinden.

Für Brigitte Franzen und das Comiciade-Team erklingt schon jetzt ein bisschen Zukunftsmusik: „Natürlich hoffe ich, dass wir das Comic-Fest in Aachen verankern können“, sagt Franzen.

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