Circus Roncalli baut Zelt für Aachen-Vorstellung 2019 auf

Zeltaufbau auf dem Blücherplatz : Circus Roncalli bereitet sein Gastspiel in Aachen vor

Muskelkraft und Teamarbeit für das Circus Roncalli-Zelt

„Eins, zwei, drei...“ Laut zählen die fünf Bauarbeiter am Dienstagmittag bis vier. Und bei jeder Zahl ziehen sie buchstäblich an einem Strang, bis das blaue Seil schließlich fest auf dem Anker sitzt, der tief im Blücherplatz steckt. Es ist einer von insgesamt 172, die das riesige Zirkuszelt des Circus Roncalli halten.

Seit Freitag schuften insgesamt 25 Arbeiter unter Anleitung von Zeltmeister Michele Rossi, um alles vorzubereiten für das 23-tägige Gastspiel des Zirkus in Aachen. Vier Tage dauert der Aufbau insgesamt. Und am Dienstag wird die Zeltplane gespannt und an vier 16 Meter langen Hauptmasten in die Höhe gezogen, bis die Kuppel zwölf Meter über dem Blücherplatz schwebt.

„Die Arbeiter sind ein eingespieltes Team auf einem eingespielten Platz“, erklärt Markus Strobl. Seit 1991 gastiert Roncalli auf dem Blücherplatz. „Aachen ist für uns ein traditioneller Standort“, sagt der Pressesprecher, „wir wissen, was zu tun ist.“

Der Dienstag hat für die Zeltarbeiter um 8 Uhr begonnen, abends um 18 Uhr stehen bereits Teile der Tribüne, und das Zelt wird geschlossen. Doch bis es soweit ist, haben sich die kräftigen Kerle mächtig ins Zeug gelegt, denn das meiste funktioniert nur mit großer Muskelkraft. Spaß haben sie trotzdem bei der Arbeit. Denn Zeit für einen motivierenden Schulterschlag, einen Witz oder eine kleine Neckerei bleibt immer.

Wohl auch, weil ihnen vier Motoren an den Hauptmasten die Arbeit neuerdings etwas erleichtern. Die ersten Meter wird das Zirkuszelt zwar noch durch handbetriebene Pumpen in die Höhe gewuchtet, doch dann übernehmen die Motoren – einer an jedem Mast. So schwebt die Zeltkuppel innerhalb von nur drei Minuten in die Höhe. „Vorher hat uns das 40 Minuten gekostet“, erklärt Zeltmeister Michele Rossi. Er kommt aus einer italienischen Zirkusfamilie in der siebten Generation. „Da ist man immer unterwegs und hat schon viel gesehen, aber Überraschungen gibt es trotzdem immer wieder“, sagt Rossi und lässt seinen Blick mit einem Lächeln über den Blücherplatz schweifen.

An die 40 Leute sind darauf unterwegs. „Das sind neben den Zeltarbeitern noch Technik- und Logistikarbeiter und noch viele mehr“, erklärt Strobl. Der Aufbau gleicht einem abgestimmten Gewusel, in dem jeder seinen Teil zum Gelingen beiträgt. Alles steht bereit, nichts liegt im Weg, während der Chefrequisiteur mit einem langen Wasserschlauch die Zeltplane von unten abspritzt. „Damit säubern und überpüfen wir die Plane in einem Zug. Durch den starken Druck des Wassers sehen wir, ob die Nähte der Zeltplane noch dicht sind“, erklärt Strobl.

Sie sind dicht, und das ist auch gut so. Schließlich sollen nicht nur die Zuschauer auf den 1499 Plätzen bei Regen nicht nass werden, auch die Technik will geschützt sein. Denn die Zirkusleute haben einen Roboter und eine neuartige Holographietechnik im Gepäck, die beim Circus Roncalli nun für die Tiere sorgt. „Elf Laserbeamer produzieren ein 300-Grad-Bild. Damit lassen wir aus einem Goldpartikel ein Pferd entstehen“, sagt Markus Strobl sichtlich stolz. Auch den mit drei Metern „größten Goldfisch der Welt“ sowie ganze Elefantenherden können so dem Aachener Publikum präsentiert werden. „Aus Japan reist sogar eigens eine Delegation nach Aachen an, um diese Technik zu sehen“, sagt Strobl, der sich darauf freut, „Aachen und den Menschen aus dem Dreiländereck unsere Kunststücke zu zeigen“.

Doch bis es ab kommenden Freitag soweit ist, bleibt noch einiges zu tun auf dem Blücherplatz, aber Zeltmeister Rossi ist sich sicher: „Bis zur Premiere sind wir fertig.“ Und dann lacht er sein breitestes Lachen.

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