Christoph Rode und Sascha Berretz stellen in der Galerie 18.30 aus

Kunstgeschichten : Zwischen Chaos und Gelassenheit

Gegensätzlicher könnten sie nicht sein – die Ausstellungen „Paradies Paradies“ von Christoph Rode und die malerische Auseinandersetzung mit den US-Bauten von Mies van der Rohe, die Sascha Berretz intensiv betreibt.

Christoph Rode ist ein Berliner Künstler, der sich farbenfroh und sehr dynamisch mit den Gleichzeitigkeiten der Geschehen in der Hauptstadt auseinandersetzt, gleichzeitig konstruktive und destruktive Prozesse thematisiert, collagiert und auseinandernimmt, assoziiert, verwirrt und amüsiert. Berliner Hype wird hier auf die Leinwand gebracht, es herrscht nicht nur Chaos, sondern auch Desillusion.

Aufklärung findet in Berlin nicht statt, stattdessen gibt es ein stetes, versöhnlich-unversöhnliches Ineinanderfließen und Umwälzen von Geschichte und Gegenwart, wo die alte DDR in Gestalt von NVA-Uniformen auftaucht und deutsche Schäferhunde lila sind. In matten Orangetönen bricht der Frühling ein wie die einstmals prächtige Zimmerdecke eines Berliner Altbaus, hochoffizielle Anzug- und Würdenträger sind machtlos wie Marionetten, weil sie keine Köpfe haben, sondern nur Körper wie dickliche Schaufensterpuppen.

Farbfetzen, Collagen, Verfremdungen und Entpersonalisierungen entfalten in den meist großformatigen Bildern von Christoph Rode ein reizvolles Chaos voller Wechselwirkungen und Irritationen, wie man es in Aachen bislang noch nicht gesehen hat. Allerdings gibt es mehr Untergang als Aufstieg, was man am besten mit Humor ertragen kann.

Vollkommen anders gibt sich die Ausstellung, die der Aachener Maler Sascha Berretz anlässlich seiner Ateliereröffnung nur wenige Meter neben der Galerie präsentiert. Schwarz-weiß-grau sind seine ruhigen, fast schon klassischen Gemälde, in denen er die gläsernen Bauten Mies van der Rohes in der Gelassenheit der Wildnis zeigt und den Betrachter in eine Auseinandersetzung mit Architektur und Natur hineinführt. Einzigartig wie Berretz‘ besondere Maltechnik und die ausgeklügelte Leuchtkraft der Farben sind auch seine Zeichnungen, Objekte und Fotografien, die den Betrachter teilweise mit ins Bild nehmen.

Beide Ausstellungen zeigen, welche Bandbreite und Dimensionen an Kunst die Galerie Freitag 18.30 mittlerweile vertritt und welche Kunstwelten sie zu verbinden in der Lage ist. Zu sehen sind die Berliner Bilder an der Steinkaulstraße 11 noch bis zum 27. April donnerstags von 14 bis 21 Uhr, freitags von 18.30 bis 21 Uhr und samstags von 14 bis 18.30 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0163/6066622. Unter dieser Nummer kann auch Sascha Berretz erreicht werden.

  www.freitag1830.de

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