Chorbiennale Aachen mit Carmina Mundi dem Kammerchor Festina

„Konzert zur Mitsommernacht“ : Ein musikalischer Hochgenuss für das Publikum

„Konzert zur Mitsommernacht“ hatte der Aachener Kammerchor Carmina Mundi seinen Beitrag zur Chorbiennale genannt, und Leiter Harald Nickoll hatte ein Programm zusammengestellt, das thematisch punktgenau auf diesen längsten Tag des Jahres zielte. Den zweiten Teil bestritt der Kammerchor Festina aus St. Petersburg mit einer gänzlich konträren Programmfolge, was den großen Reiz dieses Abends noch vergrößerte.

Das Programm von Carmina Mundi setzte sich, getreu dem Motto der diesjährigen Chorbiennale, „Nordklang“, ausschließlich aus Stücken skandinavischer und baltischer Komponisten zusammen, darunter als bekanntere Namen Einojuhani Rautavaara und Arvo Pärt. Die elektrisierendsten Stücke aber kamen aus Lettland: „Nothern Lights“ von Eriks Esenvalds und „Atsalums“ von Jekabs Jancevskis, beides eigenwillige Werke, die sämtliche Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Stimme nutzen und im Falle von „Nothern Lights“ zusätzliche Spezialglocken und Glasharmonikatöne verlangen. Carmina Mundi sang all dies mit bestechender Präzision, ausgeglichen im Gesamtklangbild, homogen in allen Stimmen, rhythmisch prägnant, mit kleinen choreographischen Einlagen, die reibunsglos verliefen. Das war höchst anspruchsvoller a-cappella-Gesang, der das Publikum verzauberte.

Ganz anders, aber nicht minder qualitätvoll war der Auftritt des 17-köpfigen russischen Kammerchors Festina mit seiner jugendlichen Dirigentin lexandra Makarova. Die Sängerinnen und Sänger studieren ausnahmslos Chordirigieren am Petersburger Konservatorium. Entsprechend hoch war das stimmliche wie interpretatorische Niveau. Das Publikum musste sich erst an ein anderes Klangbild gewöhnen, das härter und direkter ist als hierzulande. Dabei ist der Chorklang von faszinierender Homogenität, trotz der hochkarätigen Einzelstimmen.

Der Einstieg ins Programm war eine Geste an das Gastgeberland: ein perfekt gesungenes Stück von Johann Hermann Schein. Über Francis Poulenc ging es in den Norden nach Lettland, Estland, Polen und Russland: Vielstimmigkeit bis zu bis zu zwölfstimmigen Clusterbildungen bereiten diesem wunderbaren Ensemble nicht die geringsten Probleme. Es bleibt immer rund und unangestrengt.

So erlebte das Publikum im vollbesetzten Krönungssaal einen Abend mit Chormusik auf höchstem Niveau, der durch die von beiden Chören gemeinsam gesungene Zugabe eines Stückes von Sergej Rachmaninov unter der Leitung von Harald Nickoll abgerundet wurde.

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