Aachen: Chaostheater bringt „Clockwork Orange” auf die Bühne

Aachen: Chaostheater bringt „Clockwork Orange” auf die Bühne

„Erst wenn sie ihre Opfer leiden sehen, spüren sie Befriedigung, es gibt nichts mehr, was sie jetzt aufhält in ihrer gnadenlosen Wut.” Diese Zeilen aus dem Toten Hosen-Hit „Alex” sind aktueller denn je - und damit gewinnt auch Anthony Burgess´ Buch „Clockwork Orange” (1962), auf dessen Grundlage der Song geschrieben wurde, an erschreckender Aktualität.

Ein Grund, warum das Chaostheater das Uhrwerk Orange jetzt auf die Bühne bringt.

Alex lebt in einer Gesellschaft ohne Perspektive, zelebriert Gewalt und Brutalität, begeht einen Mord und landet in einem Gehirnwäsche-Experiment: Jetzt sitzt er gefesselt in einem Stuhl. Sein Blut ist voll von chemischen Substanzen während er brutale Filmszenen anschaut. Eine Gang verprügelt eine alte Frau bis zur Bewusstlosigkeit, im Konzentrationslager werden Gefangene verstümmelt. „Über so etwas lacht ihr doch, du und deine Gang”, schreit Dr. Brodsky, der Alex den Gewaltdrang gewalttätig austreiben soll. Das Experiment nimmt seinen Lauf. Für Alex beginnt eine schmerzvolle Odyssee.

Szenenwechsel: Im Bürgerzentrum St. Fronleichnam geht das Licht an. Regisseur Reza Jafari applaudiert. Er ist zufrieden mit der Leistung bei der Theaterprobe. Ein Ensemble mit 54 Sängern, Musikern und Laien-Schauspielern zwischen 16 und 75 Jahren wird von März bis Mai auf der Bühne stehen. Am 12. März ist Premiere. Premiere eines Stückes über Gewalt und Manipulation in einer degenerierten Gesellschaft. „Gewalt, Manipulation und Gehirnwäsche, das sind Themen, die uns alle angehen”, betont Thomas Bünten der brillant den Dr. Brodsky spielt.

Die Idee, Clockwork Orange auf die Bühne zu bringen, kommt vom Hauptdarsteller Stefan Heiner. „Ich wollte schon immer mal den Alex spielen”, erklärt er. „Es ist eine sehr anspruchsvolle und facettenreiche Rolle. Es ist spannend, die verschiedenen Extreme darzustellen.” Und er spielt die Rolle des gewalttätigen Ganganführers und Beethovenliebhabers authentisch und eindringlich.

Regisseur Reza Jafari hat dem Stück verglichen mit dem Film viel Brutalität genommen und es um poetische Szenen ergänzt. Videoprojektionen liefern Hintergründe und verstärken das, was auf der Bühne dargestellt wird. Gesang und Live-Musik mit surrealem Sound verstärken die Eindrücke. Reales wird auf die Spitze getrieben und ad absurdum gedreht. Clockwork Orange ist keine leichte Kost, sondern ein Stück, das lange nachwirkt. Deswegen ist es auch erst für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet.