Aachen: Centre Charlemagne sucht Zeitzeugen verschiedener Generationen

Aachen : Centre Charlemagne sucht Zeitzeugen verschiedener Generationen

Dem Zeitgeist der Jugend in Aachen und Städteregion geht das Centre Charlemagne mit einer neuen Ausstellung auf die Spur. Unter dem Titel „Uns gehört die Stadt! Kids, Kunst und Krawall in Aachen“ geht es im Sommer um das Thema Jugendkultur.

„Es geht um die gesamte Bandbreite angefangen bei den Wandervögeln, dem Widerstand gegen staatliche Vereinnahmung von Jugendlichen in der Hitlerjugend bis zum Hip Hop. Dafür suchen wir Zeitzeugen, die von ihrer Kindheit in den 1940er und 1950er Jahren berichten“, erklärt Myriam Kroll, Kuratorin im Centre Charlemagne.

Viele Erinnerungsstücke sind bereits in ihrer Hand: Eine Rocker-Jeansweste mit Aufnähern von Sepultura, Metallica und Iron Maiden, ein Fotoalbum der Katholischen Jugend zur Nazizeit. „Wir suchen Dokumente, Fotos, Kleidungsstücke, vielleicht eine Uniform oder Abzeichen, eine alte Lederjacke, Schallplatten, Plakate und Handzettel“, zählt Kroll auf. All das solle möglichst einen Bezug zu Aachen haben.

Wer als Zeitzeuge Lust hat, ein Interview über seine Jugend zu führen, wird mit dem Tondokument vielleicht Teil der Ausstellung. „Darüber hinaus ist es uns wichtig, solche Zeugnisse als Gedächtnis der Stadt im Archiv zu sammeln“, betont Kroll.

Unterbereiche der Schau sind neben den Wandervögeln die Lebenswelten der Hitlerjugend, Rocker und Halbstarke der 1950er Jahre, Mods, Punks, Grufties, Hausbesetzer und Skinheads. Ein Teil der Schau ist dem Hip Hop gewidmet. Das Foyer des Centre wird von Street-Art-Künstern bespielt.

„Wir möchten über den Zeitraum ab 1935 eine Brücke zwischen den Generationen schlagen. Jede Generation schimpft auf die Jugend und es ist spannend, die verschiedenen Phänomene zu vergleichen“, erklärt Dr. Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne. „Immer wieder haben sich Jugendliche gegen Erwachsene aufgelehnt. Wir stellen fest, dass die Jugend von heute weniger rebellisch ist“, erzählt Kroll.

Mit der Ausstellung wolle man für das Museum auch eine neue Zielgruppe erschließen. „Heute gibt es eine eigene Jugendkultur, die sich weniger im realen Raum abspielt, sondern in die digitale Welt übergeht. Hat man früher im Jugendtreff oder am Marktplatz abgehangen, unterhält man sich heute im Chat“, vergleicht Pohle.

Die Ausstellung wird von der Kulturstiftung des Bundes unterstützt und am 8. Juni eröffnet. Nach der Vernissage ist die Schau vom 9. Juni bis 30. September zu sehen. Verschiedene Aktionen außerhalb des Museums, darunter Konzerte in den Schulferien begleiten die Schau. Wer gerne zum Gelingen der Ausstellung beitragen möchte, wendet sich bis Ostern an das Team des Centre Charlemagne. Ansprechpartner ist Lars Neugebauer unter Telefon 0241/432-4964 und E-Mail lars.neugebauer@mail.aachen.de.