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Aachen: Centre Charlemagne sucht Erinnerungsstücke für die Ausstellung „Schmugglerschätzchen“

Aachen : Centre Charlemagne sucht Erinnerungsstücke für die Ausstellung „Schmugglerschätzchen“

„Jeder hatte mit Schmuggel zu tun oder kannte doch zumindest jemanden, der darin verwickelt war“, meint Thomas Müller vom städtischen Kulturbetrieb mit Blick auf die Grenzaktivitäten gerade in der Nachkriegszeit. Demnach war das Aachener Grenzland damals ein wahres Dorado der kleinen und großen Schmuggler.

Die bewiesen laut Müller großen Einfallsreichtum, um ihre Schmuggelware über die Grenze zu schaffen: So kamen beispielsweise Milchkannen mit doppeltem Boden zum Einsatz oder Mäntel mit versteckten Taschen. Sogar Autos wurden in entsprechender Weise präpariert. Genau solche „Schmugglerutensilien“ suchen das Centre Charlemagne und das Zollmuseum Friedrichs, für das Müller inzwischen zuständig ist, für eine Wechselausstellung, die im Herbst die dramatischen Ereignisse an den Grenzen in den Fokus rücken will. Alle Bürger des euregionalen Grenzgebietes sind nun aufgefordert, entsprechende „Schmugglerschätzchen“ im Centre Charlemagne vorbeizubringen. Und zwar am Sonntag, 17. Mai, zwischen 11 und 17 Uhr.

Das Aachener Zollmuseum in Horbach beschäftigt sich schon seit 25 Jahren mit der Geschichte der Grenzen. Gegründet wurde es von dem Zollbeamten Christian Friedrichs, der zunächst das Hauptaugenmerk auf die Geschichte des deutschen Zolls legte. „Es gibt eine richtig gute Sammlung dort“, urteilt Müller.

Doch bislang fehle die Sicht der niederländischen und belgischen Nachbarn sowie die der einfachen Leute. Müller ist überzeugt, dass gerade die jede Menge zu erzählen haben. Und so sollen ihre Erfahrungen auch entsprechend dokumentiert werden, meint Myriam Kroll vom Centre Charlemagne. Zum Beispiel per Video. Wer das nicht mag, kann aber gerne auch anonym bleiben.

Im Grenzgebiet zwischen Niederrhein und Eifel wurde laut Müller zwischen 1945 und 1953 rege geschmuggelt. Die einen handelten aus der puren Not heraus, andere wiederum zogen den Schmuggel zu einem großen Geschäft auf. Alle gleichermaßen setzten ihr Leben aufs Spiel. Denn laut Müller gab es für die Zöllner einen Schießbefehl, von dem sie auch durchaus Gebrauch machten.

Rund 30 Personen sollen an den Grenzen zu Tode gekommen sein. So wurde laut Müller beispielsweise ein Jugendlicher wegen zwei Pfund Kaffee vom Mofa geschossen.

Die Museumsplaner hoffen nun auf jede Menge Erinnerungsstücke. Willkommen sind beispielsweise Grenzsteine, Passierscheine, Pässe, Tagebücher von Schmugglern, Ausrüstung und Kleidung, Schmuggelgut oder vielleicht sogar Schmugglerfahrzeuge.

Das waren gepanzerte Wagen mit einem Sichtschlitz. In ihnen rasten die Schmuggler einfach auf die Grenze zu und durchbrachen sie. Neben den professionellen Schmugglern, die ihr Geschäft in großem Stil betrieben, gab es laut Müller auch die „Rabbatzkolonne“. Das war ein unübersichtlicher Haufen von Kindern, die alle gemeinsam die Grenze durchbrachen und dabei den Zöllnern kaum eine Chance zur Kontrolle ließen. Über entsprechende Zeitzeugen würden sich die Ausstellungsmacher freuen.

Die Erinnerungstücke können den Museen als Schenkung oder als Leihgabe, auf Wunsch auch mit entsprechendem Namenshinweis, überlassen werden. Sie werden dann zuerst im Centre Charlemagne ausgestellt und später im Zollmuseum zu sehen sein.