Aachen: Casino kann Spielerträge weiter steigern

Aachen : Casino kann Spielerträge weiter steigern

Das ewige Gerede von den defizitären Spielbanken kann Dieter Schneiders kaum noch hören. Auch die jüngst veröffentlichten Zahlen, wonach die landeseigene Westspiel-Gruppe mit ihren vier Casinos in Aachen, Dortmund, Duisburg und Bad Oeynhausen im vergangenen Jahr einen Verlust von 7,6 Millionen Euro eingefahren und damit mehr als verdoppelt haben soll, wertet der Betriebsratsvorsitzende des Aachener Spielcasinos als Teil einer Kampagne.

Man wolle Westspiel „sturmreif schießen“, ist auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jens Hashagen überzeugt, der genau wie Schneiders und die meisten ihrer Kollegen in den Spielbanken einen erbitterten Abwehrkampf gegen die von der schwarz-gelben Landesregierung geplante Privatisierung führt.

Der Streit um die Zahlen nimmt dabei eine besondere Bedeutung ein, wie auch aus einem Brief des Gesamtpersonalrats an die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen hervorgeht. In Wahrheit sei Westspiel hochprofitabel, versuchen die Mitarbeitervertreter darin darzulegen und verweisen insbesondere auf die Spielbankabgabe, von der die Stiftung Wohlfahrtspflege bislang Jahr für Jahr profitiert.

Auch im vergangenen hat Westspiel von den Einspielergebnissen zunächst 40 Millionen Euro an die öffentlichen Kassen überwiesen — bevor die Kosten für Gehälter, Mieten und Strom bezahlt wurden. Das Minus von 7,6 Millionen Euro relativiert sich aus dieser Sicht — und umfasst unterm Strich immer noch einen Gewinn von über 32 Millionen Euro. „Das Unternehmen ist gesund“, schlussfolgert Schneiders. Gerade auch in Aachen konnten im vergangenen Jahr Besucherzahlen (+ 5 ) und Bruttospielerträge (+ 9,3) weiter gesteigert werden.

Er und sein Betriebsratskollege Philipp Kunze würden sich gerne mal genauer erklären lassen, an welcher Stelle Westspiel den Landeshaushalt belaste oder dem Steuerzahler zur Last falle. Sie suchen auch das Gespräch mit den verantwortlichen Landespolitikern sowie Ministerpräsident Armin Laschet. Doch außer einer eher unverbindlichen Antwort („ich nehme Ihre Sorgen sehr ernst“) ist auch von dem Aachener Laschet bislang nicht viel zur Zukunft der Casinos gekommen.

Im Falle einer Privatisierung, die die schwarz-gelbe Koalition vereinbart hat, stünden viele der derzeit knapp 1000 Arbeitsplätze in den Spielbanken — darunter etwa 120 in Aachen — auf der Kippe, fürchten Schneiders und Kunze. Gefährdet sei aber auch der Spielerschutz, der in den öffentlich geführten Casinos sehr ernst genommen werde, der für einen privaten Betreiber aber eher lästiges Beiwerk sei.

So wollen die Betriebsräte der Casinos in diesen Tagen Aufklärung und Überzeugungsarbeit leisten, um die Politiker im Landtag noch auf ihre Seite zu ziehen. Die Unterstützung der Sozialdemokraten und Grünen als klare Gegner eines Spielbankenverkaufs dürfte ihnen sicher sein. Die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf Abtrünnigen aus Reihen der CDU. Besonders im Westfälischen soll es einige Christdemokraten geben, die der Westspiel-Privatisierung ebenfalls nichts Gutes abgewinnen können.

Schneiders und seine Kollegen an den anderen drei Casino-Standorten wollen weitere Protestaktionen vorbereiten, um bei den Abgeordneten mehr Gehör zu finden. Sie werfen insbesondere den FDP-Verantwortlichen eine einseitige Informationspolitik zur Lage der Casinos vor.

Die Liberalen sehen sich seit längerem dem Vorwurf ausgesetzt, mit der geplanten Privatisierung der Spielbanken-Größe Paul Gauselmann, der unter anderem die Merkur-Spielotheken betreibt, in die Karten spielen zu wollen. Laut Lobby-Control pflegt Gauselmann enge Kontakte zur FDP. „Sollte er den Zuschlag bekommen, hat er das Monopol“, sagt Schneiders.

Gauselmann hat sich bereits interessiert gezeigt, in Zeitungsberichten hat er aber auch die derzeitige Höhe der Spielbanken-Abgabe in Frage gestellt. Auch deswegen fragen die Casino-Betriebsräte, welche Vorteile eine Privatisierung eigentlich „für die Menschen in NRW, die Westspiel-Mitarbeiter und die Stiftung Wohlfahrtspflege“ mit sich bringen soll.

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