Aachen: Carsharing: Der Kampf gegen unnützes Blech

Aachen : Carsharing: Der Kampf gegen unnützes Blech

Der im Jahr 1990 noch völlig zugeparkte Mittelstreifen der Oppenhoffallee muss als Ideengeber für ein Geschäftsmodell gesehen werden, das bis heute zuverlässig immer mehr Anhänger findet — und zwar nicht nur in Aachen, sondern in vielen weiteren Großstädten der Republik.

Der Car­sharing-Anbieter Cambio, dessen Vorgängerverein „StadtteilAuto“ damals von sieben Aachener Enthusiasten gegründet wurde, feiert am Samstag sein 25-jähriges Jubiläum.

Frau der ersten Stunde war Gisela Warmke, die auch heute noch die Cambio-Geschäfte in Aachen führt. Für die gelernte Stadtplanerin war der Anblick der Oppenhoff­allee — und nicht nur der — ein einziges Ärgernis: „Man konnte nicht viel planen, weil so viel Blech rumstand.“ Und das Schlimme daran: Die meisten Autos werden die größte Zeit des Tages gar nicht gebraucht. „Die stehen 23 Stunden lang rum und müllen alles zu.“

Man müsse mehr Raum schaffen, meinten Warmke und ihre Mitstreiter. Und so reifte die Idee, die Zahl der nutzlos herumstehenden Autos zu verringern, indem man Fahrzeuge einfach gemeinsam nutzt. Den Anfang machte man mit einem gelben Golf aus Privatbesitz, es folgte die Anschaffung zweier weiterer Gebrauchtwagen. Die Autoschlüssel wurden an einem Hauseingang deponiert, mit Klebezetteln wurde die Information weitergegeben, wo das Auto zuletzt abgestellt wurde.

Heute ist daraus ein hochprofessionelles Netzwerk mit 124 Fahrzeugen an 45 Stationen und 6500 Kunden in Aachen geworden. Gebucht wird vorzugsweise online, ein Chip öffnet die Autotüren. Alleine in den letzten fünf Jahren hat sich bei so viel Komfort die Zahl der Nutzer mehr als verdoppelt. Und dies sei nicht nur auf den Umweltgedanken zurückzuführen, der der Idee anfangs zugrunde lag, sondern auch der ökonomischen Einsicht vieler Menschen, ist Roland Jahn, ebenfalls Cambio-Geschäftsführer, überzeugt.

Denn im Gegensatz zum Privat-Pkw bezahle man beim Carsharing tatsächlich nur die reinen Nutzzeiten. Dies sei zumindest in Ballungsräumen vielfach die preiswerteste und komfortabelste Lösung. Um Versicherungen, Werkstattbesuche oder auch Parkplätze muss man sich keine Gedanken machen. Zugriff hat man zudem auf unterschiedlichste Modelle — bis hin zum Elektrofahrzeug. „Man gewinnt Freiheit mit Carsharing, man verliert sie nicht“, sagt Jahn jenen, die sich vom eigenen Auto nicht trennen mögen.

Und Platz wurde auch geschaffen: Ein Carsharing-Fahrzeug ersetze elf Privatwagen, sagen die Verfechter des Modells. Bei 124 Cambio-Fahrzeugen bedeutet dies 1240 weniger Pkw im Stadtgebiet. Rein rechnerisch entspricht dies locker einer leeren Oppenhoff­allee. Der Erfolg will gefeiert werden: Zum 25-Jährigen steigt am Samstag eine große Party.

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