Aachen: Campus West: Grüne drücken aufs Tempo

Aachen: Campus West: Grüne drücken aufs Tempo

Da, wo Roland Jahn jetzt steht, kann er genau zeigen, was er meint. „Das ist wirklich exorbitant hässlich hier“, sagt er. Mit hier ist der Tunnel am Westbahnhof gemeint, durch den jeden Tag tausende Studenten und Hochschulmitarbeiter laufen, Rad fahren oder ihr Auto lenken.

Egal ob von der Innenstadt zur Hörn oder umgekehrt — durch den Tunnel muss jeder. Oder rein. Denn nur von dort gelangen Reisewillige zu den Gleisen, um etwa den nächsten Zug nach Düsseldorf zu kriegen.

Dem Grünen-Ratsherr Jahn, Vorsitzender des Mobilitätsausschusses, und Inken Tintemann, sachkundige Bürgerin der Grünen im Planungsausschuss, ist diese einzige und noch dazu so unattraktive Verbindung zwischen City und Königshügel ein Dorn im Auge.

Sie sehen — stellvertretend für ihre Fraktion — „dringenden Handlungsbedarf“. Ihr Wunsch: Eine neue Fußgängerbrücke über den Westbahnhof soll her, damit die Menschenströme besser fließen. Der Republikplatz und der Haltepunkt Aachen-West sollen schöner oder — wie es im Amtsdeutsch heißt — „städtebaulich aufgewertet“ werden.

Diese Wünsche sind nur ein Teil eines Ratsantrags der Fraktion, der nach den Sommerferien auf den Tagesordnungen der Ausschüsse stehen soll. In dem Schreiben fordern die Grünen, dass zumindest einige Bereiche am künftigen Campus-West, die laut Jahn und Tintemann besonders wichtig für die Entwicklung von Städtebau und Mobilität sind, frühzeitig in Angriff genommen werden.

„Die Planungen rund um den Campus-West sind ins Stocken geraten. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat derzeit reichlich mit dem Campus-Melaten zutun“, erklärt Tintemann. „Aber wir können nicht darauf warten, bis der BLB die Pläne für den Bereich zwischen Süsterfeldstraße und Seffenter Weg konkretisiert und umsetzt. Das wird noch Jahre dauern.“

Stattdessen, so die Grünen, müsste die Stadt an drei wichtigen Stellen schon jetzt aktiv werden und so „erste städtebauliche Impulse für ein langfristiges Gelingen und Realisieren des Campus-West setzen.“ Konkret geht es um Flächen und Bereiche, die in städtischer Hand sind oder aber aus städtischer Hand finanziert werden müssten. Wie etwa die Fußgängerbrücke über den Westbahnhof. Am anderen Ende des rund 320 000 Quadratmeter großen Areals, am „Guten Hirten“, sehen die Grünen ebenfalls Handlungsbedarf.

Wohnungen und noch eine Brücke

Auf 34 000 Quadratmeter großem städtischen Grund, im alten Kloster etwa residiert noch das Atelierhaus, sollen Wohnungen entstehen. So steht es im Masterplan Campus-West. Auch hier soll nach Vorstellungen der Grünen eine Brücke über die Gleise gebaut werden, damit Fußgänger, Radfahrer und Busse schnell vom westlichen zum melatener Campus gelangen.

Zwei Brücken, optische Aufwertungen und Wohnungsbau für junge Familien — für all das können laut den Grünen bereits die konkreten Planungen beginnen, und zwar durch die Stadt. „Dort, wo wir aus eigenem Antrieb die Entwicklung vorantreiben können, sollten wir das tun“, sagt Roland Jahn. Es gebe einen riesigen Bedarf an Wohnungen in Aachen. Und die Brücken seien notwendig, damit der Campus Melaten — wo für die künftigen Forschungscluster schon kräftig gebaut wird — nicht vom Rest der Stadt isoliert bleibe.

„Es dauert einfach zu lange, bis der BLB die Kapazitäten hat, einen Bebauungsplan für das gesamte Gelände vorzulegen. Es muss für beide Campusbereiche möglichst schnell eine Verbindung geben“, sagt Jahn. Kosten kämen da auf die Stadt natürlich zu. Aber nicht so fix. Erstmal müssen Vorplanungen her, dann stellt die Verwaltung die in den Ausschüssen vor, es folgt wie üblich das Feintuning und die Berechnung der Finanzierung — dann — „frühestens in eineinhalb, aber wohl eher in drei Jahren“, so Tintemann — gebe es den Spatenstich. „Wenn wir auf den BLB warten, gehen aber noch mindestens fünf Jahr ins Land.“

Viel zu viel Zeit finden die Grünen. Deshalb nun der Antrag. Jahn: „Ich denke, wir werden bei den Fraktionen offene Türen einrennen.“

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