Aachen: Campus West: Blick geht jetzt nach vorne

Aachen : Campus West: Blick geht jetzt nach vorne

Bei der RWTH Campus GmbH Aachen und der Stadt Aachen erwartet man keine zusätzlichen Probleme für den Campus West durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Die Justiz prüft, ob das 200.000 Quadratmeter große Gelände am Westbahnhof überteuert erworben worden ist.

Der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb hatte das Areal 2008 der Bahn abgekauft, angeblich zu einem Preis von 50 Millionen Euro. Aktuell wird das Grundstück vom BLB jedoch nur mit 23 Millionen Euro bewertet, was in etwa dem aktuellen Quadratmeterpreis von 100 Euro entsprechen würde. Demnach müssten 27 Millionen Euro zu viel gezahlt worden sein, wofür auch immer.

Der BLB selbst hat Strafanzeige gegen ehemalige Verantwortliche des Landesbetriebs erstattet, gegen den ehemaligen Chef Ferdinand Tiggemann wird auch wegen anderer Untreue-Fälle ermittelt. Seit fünf Jahren beschäftigt eine der größten Korruptionsaffären des Landes die Schwerpunktfahnder aus Wuppertal.

Auf dem Riesengelände soll der RWTH Campus West verwirklicht werden, die Vorbereitungen laufen seit Jahren, vorangetrieben vor allem von der RWTH Campus GmbH mit Prof. Günther Schuh an der Spitze. Er sagt: „Ich glaube und erwarte, dass dies nicht zu weiteren Verzögerungen führt.“ Schuh zeigt sich überrascht über die Strafanzeige, der größte Teil der zu klärenden Fragen spiele sich allerdings innerhalb des BLB ab, „die kann man uns nicht stellen. Wir wissen nicht, zu welchem Preis der BLB das Gelände gekauft hat und zu welchem Preis der Rückbau der Gleisanlagen erfolgt ist.“

Man habe bereits durch interne Klärungen beim BLB Zeit verloren: „Wir bedauern, dass es dadurch zu Verzögerungen gekommen ist. Die Zeit ist jetzt mehr als reif, wir würden das gerne durchziehen.“ Schon seit einiger Zeit befasse man sich mit der Vermarktung der Grundstücke und der Erschließung. Voraussetzung dafür sei, dass Baurecht geschaffen wird und der BLB grünes Licht gibt. Im Übrigen gestalte sich die Zusammenarbeit mit dem BLB momentan unproblematisch: „Wir arbeiten inhaltlich gut zusammen.“

Kein Hindernis sieht Schuh auch in der geplanten Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die das Land auf dem Gelände errichten will. „Wir sind sehr früh dazu befragt worden und haben uns solidarisch gezeigt. Ich sehe kein Problem darin, im hinteren Bereich Flüchtlinge gut unterzubringen.“ Nicht beeinträchtigt werden solle der Eingangstor-Bereich in der Nähe des Westbahnhofs.

Zentrum Anfang 2016 fertig

Oberbürgermeister Marcel Philipp macht sich über die gegenwärtige und künftige Entwicklung des Campus West keine Sorgen, weder durch das Strafverfahren noch die Pläne, dort ein Zentrum für 1000 Flüchtlinge zu errichten: „Für mich ist wichtig, dass die Erfolgsgeschichte des Campus Melaten im Campus West fortgeschrieben wird. Das ist das einzige Interesse der Stadt Aachen.“ Und die schleppende Entwicklung am Westbahnhof habe nichts mit der Überlegung zu tun, Melaten erst volllaufen zu lassen und erst dann mit dem ehemaligen Bahngelände zu beginnen: „Das funktioniert nicht. Wir brauchen eine gewisse Freiheit in der Zuweisung.“ Nicht jedes Cluster passe an jeden Ort.

Auch Landtagsabgeordneter Karl Schultheis blickt eher in die Zukunft als zurück. „Wir dürfen nicht zu viel Zeit verlieren und müssen den Campus zeitnah realisieren.“ Die Stadt sei dabei, die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, das Flüchtlingszentrum müsse so gestaltet werden, dass es der „Entwicklung des Geländes nicht in die Quere kommt“. Die Bezirksregierung in Köln geht davon aus, dass diese Notunterkunft auf dem Schenker-Gelände Anfang nächsten Jahres an den Start gehen kann. Sprecherin Freia Johannsen: „Der BLB soll die Fläche nun so schnell wie möglich für uns herrichten.“